Ionity-CEO kritisiert Politik und VDA: „Verwirrende Signale“

Ionity-CEO kritisiert Politik und VDA: „Verwirrende Signale“
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Ionity | Ionity-CEO Jeroen van Tilburg

Laura Horst
Laura Horst
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Der CEO des Ladesäulenbetreibers Ionity, Jeroen van Tillburg, kritisierte gegenüber dem Tagesspiegel die Bundesregierung, den Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Autohersteller. Diese hätten in Hinblick auf Elektromobilität „sehr verwirrende Signale gesendet“ und die Verbraucher dadurch verunsichert, was den Hochlauf der Elektromobilität ausbremse.

„Es gibt keine Klarheit über die Antriebstechnologie der Zukunft. Das bremst Investoren und Verbraucher – eine gefährliche Mischung“, sagte van Tilburg. Seiner Ansicht nach ist nicht die Technologie selbst oder die Ladeinfrastruktur eine Hürde, sondern „die verhaltene Stimmung“, zu der unter anderem Bundeskanzler Friedrich März (CDU) und der VDA beitragen. Aus letzterem ist der Ladesäulenbetreiber sogar ausgetreten, stattdessen sehe man die eigenen Positionen im Verband E-Mobility Deutschland besser vertreten.

92 Prozent der Elektroautofahrer zufrieden

Bei der Debatte um das sogenannte Verbrenner-Aus ist laut dem Ionity-Chef nicht das Ziel 2035 das Problem, „sondern die Erzählung in Deutschland darüber“. Im Gegensatz dazu zeichnet von Tilburg ein deutlich positiveres Bild vom Wandel zur Elektromobilität in Deutschland. „Wir müssen darüber sprechen, dass E-Autos einfach besser fahren als Verbrenner“, sagte er gegenüber dem Tagesspiegel. So seien 92 Prozent der Elektroautofahrer zufrieden mit ihrer Entscheidung für einen Stromer.

In vielen Fällen seien zudem die Gesamtkosten für die Unterhaltung eines Elektroautos bereits günstiger als für ein Verbrennermodell. Insbesondere beim Kostenfaktor sieht er Potenzial für Flotten, aber auch für Lkw und Taxis. Wenn Flottenbetreiber erkennen würden, dass die Gesamtkosten für Elektroautos insgesamt niedriger sind, könnte sich nach Einschätzung des CEO der Markt schnell wandeln. „Sollten die deutschen Autohersteller dann nicht mitziehen, müssen sie den chinesischen Anbietern das Feld überlassen“, merkte van Tilburg an.

Elektrifizierung muss beschleunigt werden

Je mehr Elektroautos auf den Straßen rollen, desto mehr profitiert auch der Ladesäulenbetreiber, etwa durch eine bessere Verteilung der Fixkosten. Aktuell ist die Auslastung an den Ladesäulen in Deutschland mit nur 15 Prozent gleichzeitiger Belegung schlichtweg zu niedrig. Zu wenige Elektroautos auf den Straßen sorgen dafür, dass in Europa derzeit etwa 70 Prozent der Schnelllader unprofitabel laufen. Dennoch ist der operative Gewinn (EBITDA) seit drei Jahren positiv, durch die hohen Investitionen ist das Unternehmen zugleich sehr kapitalintensiv. Ionity rechne mit einem positiven Gesamtergebnis innerhalb der nächsten Jahre.

Klar ist für den Ionity-Chef, dass der Hochlauf der Elektrifizierung beschleunigt werden müsse, wofür ein „Bekenntnis von der Politik und den Autoherstellern, dass wir voll auf Elektrifizierung gehen“, nötig sei. „Die Industrie lag vor der Kurve, um den Menschen ihre Bedenken zu nehmen, vom Diesel oder Benziner umzusteigen“, erklärte van Tilburg.

600 Millionen Euro bis 2030

Bis zum Jahr 2030 will der Ladesäulenbetreiber rund 600 Millionen Euro investieren und das Ladenetzwerk auf insgesamt 13.000 Ladepunkte erweitern. „An jeder wichtigeren Autobahn steht alle 120 bis 150 Kilometer ein Schnelllader von uns“, merkte van Tilburg an. Während das Schnellladenetz an den Autobahnen als gut ausgebaut gilt, legt Ionity seinen Fokus nun auf den urbanen Raum. „Da brauchen wir noch mehr Schnelllader, zum Beispiel für Taxis, Fahrdienstleister wie Uber oder Transporter. Auch Menschen, die in einer Etagenwohnung leben, wollen in 20 Minuten laden, etwa beim Einkaufen“, sagte der CEO.

Als jüngster Meilenstein des Unternehmens gilt die Integration des Megawattladens in sein Netzwerk. Mit der Ladesäule HYC 1000 von Alpitronic laden kompatible Elektroautos mit bis zu 600 kW. Laut einer aktuellen Mitteilung von Ionity soll dadurch das Nachladen von bis zu 300 Kilometern Reichweite in unter acht Minuten möglich sein. Bisher wurden die neuen Ladesäulen an zwei Standorten in Frankreich installiert, während ein dritter Standort im nordrhein-westfälischen Werne bald folgen soll. „Wir gehen jetzt zunächst mal auf 600 Kilowatt pro Ladepunkt und schauen, wie sich der Markt entwickelt. Die Zukunft ist um die Ecke“, äußerte der Ionity-Chef.

Quelle: Tagesspiegel – Interview mit Ionity-Chef: „Der VDA und der Bundeskanzler tragen zu einer gewissen Verunsicherung bei“

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