Warum interne Zulieferung bei VW neu gedacht wird

Warum interne Zulieferung bei VW neu gedacht wird
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Volkswagen | Thomas Schmall, Vorstand für den Geschäftsbereich Technik der Volkswagen AG und Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group Components

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die Abgasaffäre des Jahres 2015 markierte für den Volkswagen-Konzern nicht nur einen regulatorischen und politischen Einschnitt, sondern stellte auch interne Strukturen infrage. Besonders betroffen war der damalige Komponentenbereich, dessen Geschäftsschwerpunkt auf Motoren, Getrieben und Abgassystemen lag. Mit der wachsenden Bedeutung der Elektromobilität verlor dieses Portfolio an strategischer Sicherheit. Thomas Schmall, der kurz zuvor die Verantwortung für den Bereich übernommen hatte, sprach gegenüber der Automobilwoche rückblickend von der Notwendigkeit einer grundlegenden Neuausrichtung des Geschäftsmodells.

In den folgenden Jahren entwickelte sich der Bereich von einer klassisch internen Zulieferorganisation zu einem technologisch und wirtschaftlich eigenständig aufgestellten Akteur innerhalb des Konzerns. Heute erwirtschaftet die Sparte unter dem Namen Volkswagen Group Components einen Jahresumsatz von rund 40 Milliarden Euro und trägt damit mehr als zehn Prozent zum Gesamtumsatz von Volkswagen bei. Die Entwicklung ist eng mit dem Umbau der Antriebsstrategie des Konzerns verbunden.

Ein zentraler Treiber dieser Transformation war der beschleunigte Übergang zur Elektromobilität. Interne Fertigungsstrukturen, die über Jahrzehnte auf den Verbrennungsmotor zugeschnitten waren, mussten angepasst werden. Nach Angaben von Schmall arbeitet inzwischen mehr als ein Drittel der rund 65.000 Beschäftigten im Komponentenverbund an elektrischen Antrieben, Batteriesystemen oder Leistungselektronik. Der Anteil wächst weiter, während parallel weiterhin Komponenten für konventionelle Antriebe produziert werden. Diese Doppelstruktur ermöglicht es dem Konzern, kurzfristig auf Marktentwicklungen zu reagieren.

Gleichzeitig änderte sich die Rolle der internen Zulieferung grundlegend. Für elektrische Antriebssysteme, Wechselrichter oder Batteriekomponenten existiert kein interner Schutzmechanismus mehr. Jede Einheit muss sich im Wettbewerb mit externen Anbietern behaupten. Schmall betont, dass interne Lösungen nur dann Bestand haben, wenn sie hinsichtlich Kosten, Qualität und Technologie konkurrenzfähig sind. Diese Marktlogik prägt heute die wirtschaftliche Steuerung des Bereichs.

VW-Standorte im Umbau

Die Transformation zeigt sich deutlich an den Standorten. In Kassel liegt der Fokus auf der Entwicklung und Fertigung elektrischer Antriebe. Braunschweig bündelt Kompetenzen für Batteriesysteme und Lenksysteme, darunter auch Steer-by-Wire-Technologien. Salzgitter wird schrittweise von einem Motorenstandort zu einem Zentrum der Batteriezellfertigung umgebaut. Die parallele Weiterentwicklung unterschiedlicher Technologien gilt konzernintern als strategischer Vorteil gegenüber Wettbewerbern mit stärker fokussierten Produktionsstrukturen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Neuausrichtung ist die stärkere vertikale Integration ausgewählter Schlüsseltechnologien. Schmall verweist in diesem Zusammenhang auf Wettbewerber wie Tesla und BYD, bei denen Geschwindigkeit und Kostenvorteile aus der Kontrolle zentraler Wertschöpfungsstufen resultieren. Für Volkswagen soll Integration jedoch kein Selbstzweck sein. Für jede relevante Komponente verfolgt der Konzern eine Zwei-Lieferanten-Strategie, die interne und externe Bezugsquellen kombiniert.

Technologische Grundlage dieser Strategie sind einheitliche Plattformen. Dazu zählen modulare Baukastensysteme, die konzernweite Einheitszelle sowie standardisierte Architekturen für Leistungselektronik und elektrische Antriebe. Ziel ist es, Entwicklungsaufwand zu reduzieren und neue Technologien schneller in hohe Stückzahlen zu bringen.

Organisatorisch ist der Komponentenbereich seit 2021 in der Volkswagen Group Technology gebündelt. Unter der Verantwortung von Schmall vereint diese Einheit neben dem Komponentengeschäft auch das Plattformgeschäft, das Themenfeld Laden und Energie sowie das Batteriegeschäft. Dazu gehören unter anderem der Ladeanbieter Elli und die Zellfertigung der Tochtergesellschaft PowerCo. Die Group Technology fungiert damit als konzernweites Zentrum für Skalierung und Standardisierung.

Neben der internen Versorgung öffnet sich der Bereich schrittweise für externe Kunden. Derzeit zählen Mahindra und Ford zu den Abnehmern außerhalb des Konzerns. Weitere Partnerschaften schließt Schmall nicht aus. Skaleneffekte seien insbesondere in der Elektromobilität entscheidend, um Kosten zu senken und Entwicklungszyklen zu verkürzen. Die Neuausrichtung des Komponentenbereichs versteht der Konzern dabei nicht als abgeschlossenes Projekt, sondern als fortlaufenden Anpassungsprozess an technologische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Quelle: Automobilwoche – VW-Komponenten-Chef Thomas Schmall: „Als interner Zulieferer sind Sie immer ersetzbar“

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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