Hubject-CEO fordert klare Richtlinien für Elektromobilität

Hubject-CEO fordert klare Richtlinien für Elektromobilität
Copyright:

MikeDotta / Shutterstock / 2540327323

Laura Horst
Laura Horst
  —  Lesedauer 2 min

Während auf EU-Ebene über mögliche Lockerungen beim ab 2035 geplanten Verbrenner-Aus diskutiert wird, fordert Christian Hahn, der CEO der Lade-Plattform Hubject, von der Politik verlässliche Leitplanken für die Elektromobilität. Im Interview mit Edison Media warnt er zugleich vor Lockerungen beim Verkaufsverbot für Verbrenner, die er langfristig als Bedrohung für die europäische Autoindustrie sieht.

„Wir brauchen endlich Klarheit. Die Verunsicherung über den künftigen Kurs in den nächsten zehn Jahren muss weg“, erklärte Hahn gegenüber Edison. Er fordert von der Politik „verlässliche Leitplanken“, damit Elektromobilität in Europa im nötigen Tempo umgesetzt werden kann. Ohne klare Rahmenbedingungen und Zielvorgaben verschwinde schließlich in der Industrie und bei Investoren das Vertrauen.

„Wenn Europa jetzt zaudert, werden Lösungen in China entwickelt – und wir müssen sie später nur übernehmen“, sagte Hahn. Dabei warnt er auch vor möglichen Lockerungen beim Verbrennerverbot, über die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag in einem Strategiedialog mit Vertretern der Autoindustrie und von NGOs in Brüssel diskutierte.

„Realistisch muss ich sagen, es wird leider dazu kommen, dass die Ziele diskutiert werden. Aber es führt nicht zu einem besseren Ergebnis, sondern erhöht das Risiko, dass es in wenigen Jahrzehnten keine europäische OEM-Industrie mehr gibt“, warnt Hahn.

Das 2012 gegründete Unternehmen, zu dessen Gesellschaftern die BMW Group, Bosch, Daimler, EnBW, Innogy, Siemens und die Volkswagen Group gehören, versteht sich als „neutraler Vermittler im Hintergrund der Elektromobilität“, wie Edison schreibt. Hubject betreibt die weltweit größte B2B-Plattform für Ladeinfrastruktur und konzentriert sich auf das sogenannte Roaming, wodurch Elektroautofahrer an Hunderttausenden Ladepunkten in Europa Strom tanken können, ohne überall neue Kundenkonten anlegen zu müssen.

Laden braucht Benutzerfreundlichkeit und Preistransparenz

Trotz Fortschritten bei der Ladeinfrastruktur sei das Laden in Deutschland für viele Kunden immer noch zu kompliziert. Er sieht Verbesserungsbedarf in Hinblick auf Benutzerfreundlichkeit, Preistransparenz und Zuverlässigkeit. Insbesondere der „Tarifdschungel“ sei problematisch, wozu er erklärt: „Teilweise zahlen Kunden über einen Euro pro Kilowattstunde. Das hat mit fairen Preisen nichts mehr zu tun“.

Hahn fordert ein europaweites „Right to Plug“, damit Kunden überall ohne Preisdiskriminierung laden können. Hierbei müsse, wie damals beim Mobilfunk-Roaming, die Politik eingreifen. Dabei könnte seiner Ansicht nach auch die automatische Abrechnung Plug & Charge helfen, die bereits von zahlreichen Autos unterstützt wird.

Quelle: Edison Media – „Ohne Klarheit droht Europa seine Autoindustrie zu verlieren“

Worthy not set for this post

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

BMW-Chef Zipse: „Mich ärgert das fehlende Selbstbewusstsein in Deutschland“

BMW-Chef Zipse: „Mich ärgert das fehlende Selbstbewusstsein in Deutschland“

Michael Neißendorfer  —  

BMW-Chef Zipse findet: Deutschland müsse aufhören mit dem Jammern und Klagen – das Land stehe viel besser da, als viele sagen.

Hohe Spritpreise: Mit E-Autos raus aus der fossilen Abhängigkeit

Hohe Spritpreise: Mit E-Autos raus aus der fossilen Abhängigkeit

Michael Neißendorfer  —  

Die Spritpreise haben angesichts des Irankriegs zum ersten Mal seit Jahren wieder die Schwelle von 2 Euro übersprungen. Autofahren ginge auch günstiger.

CATL und Rio Tinto prüfen Elektrifizierung im Bergbau

CATL und Rio Tinto prüfen Elektrifizierung im Bergbau

Sebastian Henßler  —  

Rio Tinto und CATL planen eine strategische Partnerschaft für E-Fahrzeuge im Bergbau. Ziel sind weniger CO₂-Emissionen und das Recycling von Batterierohstoffen.

„Enorme Unsicherheit“ beim Geschäftsklima der Autoindustrie

„Enorme Unsicherheit“ beim Geschäftsklima der Autoindustrie

Michael Neißendorfer  —  

Kommt nun wieder ein Aufschwung für die Autoindustrie? Die Vorzeichen stehen gut – wäre da nicht der Krieg in Iran.

China und Europa: Vom Invasions-Mythos zur Integrationslogik

China und Europa: Vom Invasions-Mythos zur Integrationslogik

Sebastian Henßler  —  

Die Debatte über eine „China-Invasion“ auf Europa greift zu kurz. Der Wettbewerb findet im selben System statt – über Restwerte, Finanzierung und Service.

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Michael Neißendorfer  —  

Die Elektromobilität steht weniger vor einer technischen als vor einer kommunikativen Herausforderung. Sie hat großes Potenzial – aber auch viele Bremser.

„Made in EU“-Pläne stellen europäische Autobauer vor schwierige Fragen

„Made in EU“-Pläne stellen europäische Autobauer vor schwierige Fragen

Tobias Stahl  —  

Die EU-Kommission plant, Subventionen für Autobauer an Mindestquoten für europäische Komponenten zu koppeln. EU-Länder bewerten das Vorhaben unterschiedlich.