Heimlicher Star der Feststoffbatterie rechnet mit 2026 für Einsatz in Elektroautos

Heimlicher Star der Feststoffbatterie rechnet mit 2026 für Einsatz in Elektroautos
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Michael Neißendorfer
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Blue Solutions aus Frankreich ist der bislang einzige Hersteller von Feststoffakkus für Elektrofahrzeuge in industriellem Maßstab und beliefert unter anderem Daimler, der die Batterien in seinen Elektrobussen verbaut. Die selbst entwickelte Lithium-Metall-Polymer (LMP)-Batterie, die bereits im Jahr 2012 Marktreife erreicht hatte, enthalte weder Kobalt noch Nickel, sondern Kupfer, Aluminium, Lithium, Polymere, ein Lithiumsalz, Eisenphosphat und Kohlenstoff. Sie soll leicht zu recyceln sein und ihre maximale Speicherkapazität soll bis zu 4000 Zyklen lang verfügbar sein. Blue Solutions Geschäftsführer Jean-Luc Monfort sprach mit dem Branchendienst Electrive ausführlich über Pionierarbeit in der Forschungs, den wachsenden Kundenkreis und die verschiedenen Anwendungsfälle für die Feststoff-Technologie.

Man könnte sagen, wir sind der eigentliche Pionier der Feststoffbatterie“, sagt Monfort. Blue Solutions komme auf „mehr als 20 Jahre Entwicklung und etwa 15 Jahre Industrialisierung.“ Zu den Problemen anderer Unternehmen, die ebenfalls an Feststoffakkus arbeiten, vermutet Monfort, dass sie „die Zeit unterschätzen, die von den ersten Mustern bis zur echten Serienfertigung benötigt wird.“

Der endgültige Durchbruch für Feststoffakkus könne allerdings erst erreicht werden, wenn sie bei „Raumtemperatur“ betrieben werden können, also bei etwa 20 Grad. „So weit sind wir noch nicht“, räumt Monfort ein, Blue Solutions müsse seine LMP-Batterien je nach Anwendung auf 50 bis 80 Grad aufheizen. Die Hauptvorteile der Feststofftechnologie seien eine höhere Energiedichte und eine höhere Stabilität, „und deshalb forschen so viele daran“, so Monfort.

Ein weiterer Vorteil der LMP-Akkus sei, dass der Preis pro kWh Kapazität vergleichbar mit dem von Lithium-Ionen-Batterien sei. Berücksichtige man weitere Parameter, wie etwa die höhere Reichweite und die längere Garantie, seien die Batterien des Unternehmens „für bestimmte Anwendungen und Märkte oft wettbewerbsfähiger als Lithium-Ionen-Batterien.“

„Wir produzieren 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche“

Blue Solutions habe an zwei Standorten aktuell zwei Montagelinien „mit einer Produktionskapazität von 500 MWh pro Jahr, eine in Quimper in der Bretagne und die zweite in Montreal in Quebec“, erklärt Monfort. Beide Linien seien bis an die Obergrenze ausgelastet: „mit einer Vier-Schicht-Produktion, das heißt, wir produzieren 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.“ Aktuell baue das Unternehmen in Quimper eine dritte Linie auf, um möglichst schnell auf 1,5 GWh zu wachsen.

Da die Batterien, bevor das Fahrzeug auf Tour geht, erst vorgeheizt werden müssen, sei die Technologie jedoch nicht massenmarkttauglich, sondern passe besser zu Kunden, die Fahrzeuge im Dauereinsatz haben. „Busse sind dafür prädestiniert“, sagt Monfort, „aber auch Lieferwagen auf der letzten Meile oder Industriefahrzeuge in Häfen und Flughäfen sind für diesen Anwendungsfall gut geeignet.“ Blue Solutions habe viele Firmen, die an seinen Akkus interessiert seien, weltweit. Im Laufe des Jahres will das Unternehmen weitere neue Kunden bekanntgeben, etwa aus dem Bereich Transporter und größerer Lkw.

Monfort betont, dass es wichtig sei, auch in Europa Batterien zu produzieren. Aktuell überlassen hiesige Unternehmen das Feld vor allem Akteuren aus Asien. Monfort findet, dass „die Souveränität der europäischen Automobilindustrie abhängig von der Batterieproduktion ist“. Er zeigt sich „überzeugt, dass wir uns am europäischen Batterie-Ökosystem beteiligen müssen“, weshalb Blue Solutions seine Bemühungen verstärkt habe, sich den professionellen Organisationen und Verbänden in Europa anzuschließen. Man habe „direkten Kontakt zur EU-Kommission“, sei Teil des Exekutivkomitees der Battery European Partnership Association (BEPA) und auch der RECHARGE Association, die sich mit der Regulierung von Batterien beschäftigt. Zudem sei das Unternehmen Mitglied der EBA 250, der European Battery Alliance und nimmt „natürlich auch an der neuen europäischen Rohstoffinitiative teil, die 2020 gestartet ist.

Das konkrete nächste Ziel in Bezug auf die Weiterentwicklung der Feststofftechnologie sei, „Festkörperbatterien zu bauen, die bei 20 Grad Celsius oder sogar noch niedrigeren Temperaturen laufen können“. Dieses Projekt habe Blue Solutions schon vor einigen Jahren begonnen und habe im Labormaßstab bereits Batterien, die bei Raumtemperatur funktionieren. „Wir planen, diese Batterien im Jahr 2026 an OEMs auf industrieller Ebene liefern zu können“, so Monfort.

Quelle: Electrive – „Wir sind der eigentliche Pionier der Feststoffbatterie“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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