Handel bereitet seine Parkplätze mehr und mehr auf E-Auto-Hochlauf vor

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Zwar ist die Elektromobilität bislang nicht so stark auf Touren gekommen wie erwartet. Der Ausbau von Ladeinfrastruktur auf Handelsparkplätzen schreitet dennoch in weiser Voraussicht stetig voran. „Das Angebot von Ladeinfrastruktur ist differenzierter geworden. Die Anzahl der Lademöglichkeiten steigt und mehr Händler bieten Lademöglichkeiten mit höherer Ladeleistung an“, erklärt Cathrin Klitzsch, Projektleiterin Elektromobilität beim Forschungs-, Bildungs- und Beratungsinstitut EHI und Autorin des EHI-Whitepapers „Elektromobilität im Handel 2025“. So kann in gleicher Zeit durch Schnell- oder Ultraschnelllader mehr Ladung an die Kundschaft abgegeben werden. An Standorten, wo lange Einkaufszeiten erwartet werden, beispielsweise in Shopping-Centern, sind zudem weiterhin Normallader gefragt.

Der Handel leistet mit den Ladesäulen auf seinen öffentlichen bzw. halböffentlichen Parkflächen einen verlässlichen und vorausschauenden Beitrag für eine flächendeckende Ladeinfrastruktur, dort, wo E-Autos ohnehin regelmäßig längere Standzeiten aufweisen, an Bau- und Supermärkten und Einkaufszentren beispielsweise. Die Gesamtzahl der Ladepunkte in Deutschland liegt laut Bundesnetzagentur bei rund 161.686. Nach Branchenschätzungen sind 15 Prozent aller öffentlichen Ladepunkte auf Handelsparkflächen installiert. Demnach sind es rund 24.000, die sich auf Handelsparkplätzen befinden.

Dieses Angebot wolle der Handel in den nächsten Jahren weiter ausbauen, so das EHI auf Basis einer aktuellen Befragung von fast 50 Verantwortlichen von Handelsunternehmen aus Deutschland mit mehr als 27.000 Standorten: Bis 2029 wollen 47 Prozent ihre AC-Ladesäulen aufstocken, fast zwei Drittel der Handelsunternehmen planen zusätzliche DC-Ladesäulen und 56 Prozent möchten neue HPC-Ladesäulen installieren. Vielfach beginne die Umsetzung bereits im laufenden Jahr.

Kundenbindung, Klimaziele und neue Geschäftsmodelle

Die Hauptmotivation dafür, Ladestationen zu errichten, ist für 77 Prozent die Kundenbindung. 50 Prozent nennen Klimaziele, 47 Prozent die Gesetzgebung und 37 Prozent das Geschäftsmodell als Grund für den Aufbau von Ladeinfrastruktur. Nur noch 7 Prozent bieten Strom kostenfrei an. Bei 72 Prozent ist der Ladestrom generell kostenpflichtig, die übrigen Befragten machen dies von bestimmten Kriterien abhängig.

Handel_Strommix_Ladesaeule
EHI Retail Institute

Elektroautos sind nochmals deutlich klimafreundlicher als Verbrenner, wenn sie mit Ökostrom geladen werden. 86 Prozent der Händler betreiben die Ladesäulen mit zertifiziertem Grünstrom. Eigenstrom, beispielsweise von der eigenen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, wird von bereits 36 Prozent der Händler verwendet.

Nutzung noch ausbaufähig

Das Angebot für die Kundschaft und die Auslastung ist bereits durchaus attraktiv: Im Durchschnitt sind die Normalladepunkte knapp die Hälfte der Zeit belegt. Bei DC-Ladern sind es 34 Prozent und bei HPC-Ladern ein Viertel der Zeit, an denen die Ladepunkte in Benutzung sind. Um diese Rate weiter zu erhöhen und durch die Ladestationen für Umsatzsteigerungen im Ladengeschäft zu sorgen, gebe es noch großes Potenzial.

Handel-Ladesaeulen_Vermarktung-Preisgestaltung
EHI Retail Institute

So bieten die Händler Rabattaktionen auf Ladevorgänge und Sortiment eher selten an (5 Prozent), allerdings planen 43 Prozent dies für die Zukunft. Auch für Personalisierung und zusätzliche Werbefläche an den Ladepunkten gibt es Planungen.

Quelle: EHI – Pressemitteilung vom 13.05.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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