Glencore bringt Vulcan Lithium-Projektfinanzierung näher

Glencore bringt Vulcan Lithium-Projektfinanzierung näher
Copyright:

Vulcan Energy

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Vulcan Energy hat mit Glencore einen weiteren Schwergewichtspartner an Bord geholt. Das deutsch-australische Unternehmen, das in der Oberrheinebene Lithium mit Hilfe von Geothermie fördern will, unterzeichnete einen achtjährigen Abnahmevertrag mit einer Tochtergesellschaft des Schweizer Rohstoffkonzerns. Vereinbart ist die Lieferung von 36.000 bis 44.000 Tonnen batteriefertigem Lithiumhydroxidmonohydrat aus der ersten Projektphase „Lionheart“. Für Vulcan ist der Vertrag der letzte Baustein, um die geplante Finanzierung des Projekts abzuschließen.

Mit dem Glencore-Deal ist die Liste der Abnehmer nun komplett. Neben dem Rohstoffhändler gehören auch Stellantis, Umicore und LG Energy Solution zu den künftigen Kunden. Damit deckt Vulcan die wichtigsten Glieder der Lieferkette ab – von der Rohstoffverarbeitung über die Batterieproduktion bis hin zur Automobilindustrie. Laut dem Unternehmen soll das Finanzierungspaket bis Ende 2025 stehen, bevor der Bau der Produktionsanlagen in Landau und Frankfurt-Höchst beginnt.

Die Produktionskapazität wird mit 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr angegeben. Diese Menge reicht rechnerisch für rund eine halbe Million Elektroautobatterien. Parallel plant Vulcan, mit der eingesetzten Geothermie jährlich etwa 275 Gigawattstunden grünen Strom zu erzeugen. Das Projekt gilt als eines der ambitioniertesten Industrievorhaben im europäischen Batteriebereich – technisch innovativ, aber auch risikoreich.

Glencore selbst ist einer der mächtigsten Akteure im globalen Rohstoffgeschäft. Der Konzern ist in über 30 Ländern tätig und handelt mit Metallen, Mineralien, Energie und Agrarprodukten. Gleichzeitig steht Glencore regelmäßig in der Kritik: Korruptionsverfahren, Umweltverstöße und Missstände in Förderländern haben das Image des Unternehmens geprägt.

Für Vulcan ist der Vertrag dennoch ein wichtiger Schritt. Das Unternehmen will Lithium künftig vollständig in Deutschland gewinnen und verarbeiten – ein Ansatz, der die Abhängigkeit von Importen aus Asien oder Südamerika verringern soll. Lithium aus heimischen Quellen gilt als Schlüssel, um eine eigenständige europäische Batterielieferkette aufzubauen. Ob dieser Anspruch eingelöst werden kann, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: der technischen Zuverlässigkeit der geothermischen Verfahren, der Wirtschaftlichkeit der Produktion und der Akzeptanz in der Region.

Cris Moreno, CEO von Vulcan Energy, sprach von einer „langfristigen Partnerschaft“ und einer „ausgewogenen Mischung von Abnahmepartnern“. Die Zusammenarbeit mit Glencore solle Vulcan zugleich mehr Flexibilität verschaffen und neue Absatzmöglichkeiten in Europa eröffnen. Hinter dieser nüchternen Formulierung steht ein strategisches Kalkül: Mit einem global agierenden Rohstoffhändler an der Seite wird Vulcan international sichtbarer – und kann Investoren überzeugen, dass das Projekt über reine Pilotmaßstäbe hinausgeht.

Mit dem Glencore-Vertrag ist Vulcan Energy seinem Ziel, Europas erste klimaneutrale Lithiumproduktion aufzubauen, einen Schritt näher. Doch der Weg zur tatsächlichen Umsetzung bleibt wohl steinig.

Quelle: Vulcan Energy – Pressemitteilung per Mail

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Rohstoffe

Fünf Faktoren für den Erfolg von heimischem Lithium aus Geothermie

Fünf Faktoren für den Erfolg von heimischem Lithium aus Geothermie

Michael Neißendorfer  —  

Heißes Tiefenwasser liefert Wärme für Netze und Industrie – und zugleich Lithium für Batterien. Und die Vorkommen in Deutschland sind riesig.

Lithium-Handel: Chinas Börse lockt internationale Investoren

Lithium-Handel: Chinas Börse lockt internationale Investoren

Sebastian Henßler  —  

China öffnet seine liquiden Lithium-Futures für ausländische Händler, doch Kapitalkontrollen erschweren den Weg zum globalen Preismaßstab.

JLR-Konzeptauto zeigt Zukunft der Materialkreisläufe

JLR-Konzeptauto zeigt Zukunft der Materialkreisläufe

Sebastian Henßler  —  

Im Projekt Cornerstone hat Jaguar Land Rover die CO2-Bilanz aller Bauteile eines Autos halbiert, die Daten wurden von den jeweiligen Lieferanten validiert.

Seltene-Erden-Krise: Kroll setzt auf private Investoren

Seltene-Erden-Krise: Kroll setzt auf private Investoren

Arun Niemann  —  

Seltene Erden sind für E-Autos und die Industrie extrem wichtig. Andreas Kroll erklärt, warum Deutschland aus seiner Sicht Kapital und Tempo verschenkt.

Batteriemarkt für E-Autos soll auf 275 Milliarden Euro wachsen

Batteriemarkt für E-Autos soll auf 275 Milliarden Euro wachsen

Sebastian Henßler  —  

Der Markt für Lithium-Ionen-Batterien in Elektroautos soll sich in den kommenden zehn Jahren nahezu verdoppeln, getrieben vor allem durch China.

Lithium: KI-Rechenzentren werden neuer Wachstumstreiber

Lithium: KI-Rechenzentren werden neuer Wachstumstreiber

Sebastian Henßler  —  

Der Lithiummarkt erholt sich: Die Preise haben sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht, KI-Infrastruktur und Netzspeicher treiben die Nachfrage.

Wohin mit alten E-Auto-Batterien? Zwei Wege, ein Ziel

Wohin mit alten E-Auto-Batterien? Zwei Wege, ein Ziel

Sebastian Henßler  —  

China recycelt Altbatterien direkt, die USA und Europa setzen zunächst auf Zweitnutzung als Netzspeicher. Dahinter steckt mehr als Umweltpolitik.