FH Dortmund forscht an E-Antrieben jenseits von 1000 Volt

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FH Dortmund / Prof. Dr. Markus Thoben (Mitte) leitet das OdyssEV-Projekt an der FH Dortmund.

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Aktuell setzen mehr und mehr Hersteller von Elektroautos, vor allem im Sport- und Premium-Bereich, auf eine Systemspannung von 800 Volt, um Ladezeiten zu verkürzen und den Antrieb effizienter zu gestalten – was wiederum ein deutliches Plus bei der Reichweite mit sich bringt. Die Fachhochschule Dortmund will noch etwas mehr herauskitzeln und arbeitet bereits an Hochvolt-Antriebssystemen, die Spannungen weit oberhalb von 800 Volt aufweisen.

Der Fachbereich Maschinenbau ist unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Thoben maßgeblich am EU-Forschungsprojekt OdyssEV beteiligt. OdyssEV steht für „Optimised Dynamics of High-Voltage Powertrains: Developing Sustainable Systems for Electric Vehicles“. Das Projekt will den Einsatz von Hochvolt-Technologien bei E-Autos vorantreiben und sichere Standards definieren. Es ist auf dreieinhalb Jahre angelegt, wird vom EU-Programm Horizon Europe über die 2Zero Partnership gefördert und ist Anfang des Jahres mit einem Kick-off am spanischen Circe Institute in Saragossa gestartet.

Um zu verstehen, warum Hochvolt-Technologie so entscheidend ist, führt die FH Dortmund in ihrer Mitteilung einen simplen Vergleich auf: Strom fließt durch ein Kabel ähnlich wie Wasser durch einen Schlauch. Um mehr „Leistung“ zu übertragen, gibt es zwei Wege – entweder ein größerer Schlauch (dickere Kabel und mehr Stromstärke) oder höherer Druck (größere Spannung). Hochvolt-Systeme setzen auf die zweite Variante. Sie ermöglichen so zum Beispiel ultraschnelles Laden und kommen dabei trotzdem mit dünneren Kabeln aus, was Gewicht und Kosten spart. Zudem erzeugen sie weniger Abwärme, sodass weniger Energie verloren geht.

Doch der Sprung auf höhere Spannungen ist technisch anspruchsvoll: Bei mehr als 1000 Volt steigen die Anforderungen an Isolationsmaterialien drastisch, herkömmliche Silizium-Halbleiter stoßen an ihre Grenzen und Batterien müssen den massiven Energieeinstrom beim Schnellladen bewältigen, ohne zu überhitzen. Genau hier setzt OdyssEV an.

14 Partner aus acht Ländern – FH Dortmund als Systemarchitekt

Das Projekt vereint 14 Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus acht europäischen Ländern – darunter das University College London, die Universität Bremen, das KTH Royal Institute of Technology in Schweden sowie Industriepartner wie Mitsubishi Electric Europe und ZF Friedrichshafen.

Die FH Dortmund übernimmt eine Schlüsselrolle und leitet das Arbeitspaket Systemarchitektur. „Mit OdyssEV gehen wir den nächsten konsequenten Schritt in der Elektromobilität“, erklärt Prof. Dr. Markus Thoben. „Hochvolt-Technologien jenseits von 800 Volt ermöglichen nicht nur dramatisch kürzere Ladezeiten, sondern auch leichtere Fahrzeuge durch dünnere Kabel und höhere Gesamteffizienz durch reduzierte Energieverluste. Das macht E-Autos alltagstauglicher und attraktiver für breite Käuferschichten.“

Das Besondere an OdyssEV: Das Projekt deckt die gesamte Entwicklungskette ab – von innovativen Halbleitern über leistungsstarke Powermodule bis hin zur Integration in Schlüsselkomponenten wie On-Board-Ladegeräten und Traktionswechselrichtern. Zudem wird ein speziell für diese Hochvolt-Architektur ausgelegter Elektromotor entwickelt, der gemeinsam mit einem rekonfigurierbaren Batteriepaket die Basis für ein hocheffizientes und skalierbares Antriebssystem bilden soll.​

Die FH Dortmund unterstützt die Projektpartner von der simulationsgestützten Auslegung bis hin zur innovativen Cloud-Integration. „Unsere Aufgabe ist es, das komplexe Zusammenspiel aller Komponenten zu orchestrieren und die Entwicklungsprozesse durch digitale Methoden zu beschleunigen“, erläutert Seyed Saeed Mirsafian, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt. „Wir bringen unsere Expertise in der Modellbildung und Simulation ein, um bereits am Computer zu optimieren, was später auf der Straße funktionieren muss. Das spart Zeit, Kosten und ermöglicht es, verschiedene Szenarien durchzuspielen, bevor der erste Prototyp gebaut wird.“ Den Abschluss des Projekts soll die Erprobung des entwickelten Demonstrators auf der LaSiSe-Teststrecke in Selm bilden.

Beim Kick-off-Meeting Ende Januar in Saragossa stellte João Duarte Carrilho Miranda von der European Climate, Infrastructure and Environment Executive Agency die Erwartungen der Europäischen Kommission an das Projekt vor. Anschließend präsentierten alle 14 Projektpartner ihre jeweiligen Arbeitspakete. Das Projekt ist Teil einer strategischen Initiative der EU, Europa eine technologische Spitzenposition bei E-Antrieben zu sichern und die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen.

Quelle: FH Dortmund – Pressemitteilung vom 10.02.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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