Experte: Die Zukunft gehört dem Wasserstoff

Experte: Die Zukunft gehört dem Wasserstoff
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockvektor-Nummer: 1984285829

Wolfgang Plank
Wolfgang Plank
  —  Lesedauer 3 min

Weltweit gewinnt die E-Mobilität an Fahrt. Doch ins klimatechnische Paradies fährt uns auch der Akku nicht. Denn: Je höher die Reichweite, desto weniger „sauber“ sind E-Autos. Und: Lithium könnte knapp werden. Sagt jedenfalls Fréderic Ludet in einem Gastbeitrag für „Automobil-Industrie“. Der Experte für Brennstoffzellen sieht die Zukunft daher im Wasserstoff. Vor allem im Verkehrssektor. Dort entstehen nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA rund ein Viertel aller direkten CO2-Emissionen.

Der Druck, alternative Antriebe zu entwickeln, steige weltweit, sagt Ludet. Zumal China gerade erst die Quoten für „neue Energiefahrzeuge“ auf 18 Prozent bis 2023 abgehoben hat. Elektroautos gelten derzeit als beste und günstigste Alternative, um von Antrieben mit fossilen Brennstoffen wegzukommen. Kritiker, darunter auch viele Umweltschützer, sähen den Ausbau der E-Mobilität dabei eher als „geringeres Übel“. Die für E-Autos benötigten Materialien würden meist sehr zu Lasten von Mensch und Umwelt in Entwicklungsländern gewonnen. Für vergleichsweise sauber hält Ludet daher nur Elektromobile mit kleineren Batterien und entsprechend geringen Reichweiten – keineswegs jedoch tonnenschwere Boliden wie den Tesla Model S, bei dem allein die Batterie für 614 Kilometer Reichweite 750 Kilo wiegt.

Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten könnten Wasserstoff-Autos nicht nur beim Thema Nachhaltigkeit glänzen, sondern ermöglichten auch weite Strecken am Stück. Der Toyota Mirai wie der Hyundai Nexo hätten laut ADAC-Messung mit einer Tankfüllung jeweils rund 540 Kilometer absolviert. Der Mirai der zweiten Generation habe sogar eine neue Rekord-Reichweite von 1003 Kilometern erreicht. Preislich jedoch seien Wasserstoff-Autos noch keine echte Alternative.

In der Automobilindustrie würden sich dennoch die meisten Anstrengungen immer noch auf E-Autos und Plug-in-Hybridekonzentrieren, so Ludet in dem Beitrag. Allerdings zeichne sich das Problem ab, dass Lithium als wichtigster Rohstoff für Batterien bald zur Neige gehen könnte. Weil es überwiegend in magmatischem Gestein und Salzen gebunden sei, werde das Schürfen immer teurer und bald unbezahlbar. Ludet bezieht sich auf das Fraunhofer-Institut, das ein Ende der Lithium-Förderung für 2049 prognostiziert. Die Schweizer Bank UBS rechnet demnach sogar damit, dass Lithium zu konkurrenzfähigen Preisen schon 2025 erschöpft sein könnte.

Der Anteil am Recycling von Li-Ion-Batterien werde zwar deutlich wachsen, den zusätzlichen Bedarf aber kaum decken können. Zudem müsse das wiedergewonnene Material aufwendigen veredelt werden. Batterien auf Basis von Natrium-Nickelchlorid könne zwar komplett auf seltene Erden und andere strategische Materialien verzichten. Bis zu ihrer Marktreife dürften aber wohl noch Jahre vergehen.

Die neue Ampel-Regierung will Deutschland daher zu einem Musterland für grünen Wasserstoff machen. Als eines der größten Hindernisse erweise sich aber noch immer die fehlende Infrastruktur, so Ludet. Das erste Ziel seien große Fahrzeuge wie Lkw und Busse – doch dabei müsse es nicht bleiben. In Paris etwa seien schon mehr als 100 Wasserstoff-Taxis unterwegs. Bis 2024 sollen es rund 10.000 sein.

Quelle: automobil-industrie.vogel.de – „Das Lithium könnte bald zur Neige gehen“

worthy pixel img
Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Open-Source-Initiative für gemeinsame Software

Open-Source-Initiative für gemeinsame Software

Maria Glaser  —  

Der VDA gab bekannt, dass inzwischen mehr als 30 Unternehmen aus der gesamten Automobilzulieferkette die kollaborative Vereinbarung unterschrieben haben.

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Sebastian Henßler  —  

Batterien einfach importieren? Das greift zu kurz. Experten offenbaren, warum Europas Industrie eigene Wertschöpfung, Partnerschaften und Skalierung braucht.

Warum Europas Batterie-Zukunft im Recycling beginnt

Warum Europas Batterie-Zukunft im Recycling beginnt

Sebastian Henßler  —  

Asien dominiert den Batteriesektor, Europa hinkt hinterher. Warum Recycling und geschlossene Stoffkreisläufe ein wichtiger strategischer Hebel sind.

Warum Rohstoffzugang allein Europas Batterien nicht rettet

Warum Rohstoffzugang allein Europas Batterien nicht rettet

Sebastian Henßler  —  

Rohstoffe sind da, Technologien auch. Warum Europas Batterielieferkette dennoch stockt und weshalb Umsetzung, Kapital und Skalierung entscheidend sind.

EU gegen China: Mindestpreise statt Strafzölle

EU gegen China: Mindestpreise statt Strafzölle

Sebastian Henßler  —  

Die EU prüft einen Kurswechsel im Handel mit China. Mindestpreise für E-Autos könnten Sonderzölle ersetzen, doch für Käufer bleiben sinkende Preise vorerst aus.

Mercedes-Benz CLA ist Europas „Car of the Year 2026“

Mercedes-Benz CLA ist Europas „Car of the Year 2026“

Michael Neißendorfer  —  

Der Mercedes-Benz CLA hat auf dem Autosalon in Brüssel die finale Abstimmung gewonnen und löst damit den Renault 5 E-Tech als „Car of the Year“ ab.

BMW dank E-Autos weiter im Wachstum – wenn auch knapp

BMW dank E-Autos weiter im Wachstum – wenn auch knapp

Michael Neißendorfer  —  

Krise in der Autoindustrie? Nicht in München: 2025 lieferte BMW gut 2,46 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus. Wachstumsgarant: Elektroautos und Plug-in-Hybride.