Europäische Union will Plug-In-Hybride genauer unter die Lupe nehmen

Europäische Union will Plug-In-Hybride genauer unter die Lupe nehmen
Copyright:

shutterstock / 216329851

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Plug-In-Hybride (PHEV) sollen ab 2025 genauer unter die Lupe genommen werden. Hierzu plane die Europäische Union die Methode zur Messung der Kohlendioxidemissionen von PHEV zu verschärfen, so zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen gegenüber Reuters. In das überarbeitete Testverfahren, das voraussichtlich ab etwa 2025 durchgesetzt werde, sollen real gemessene Daten zum Kraftstoffverbrauch einfließen.

Grundlage für die Überdenkung der Messmethode sei die Tatsache, dass die derzeitigen Tests Ergebnisse liefern, die bis zu viermal unter den tatsächlichen Emissionen liegen. Sollte dies durch das neue Testverfahren bewahrheiten, werden einzelne Automobilhersteller dazu gezwungen noch schneller auf reine E-Autos umzusteigen, um etwaige Strafzahlungen für Überschreitung der CO2-Emissionswerte der Flotte zu vermeiden. Wie eingangs erwähnt sollen in die verbesserten Messmethoden reale Daten aus Kraftstoffverbrauchsmessern – die nach EU-Recht ab 2021 in Neuwagen eingebaut werden müssen – einfließen Dies wird ein realistischeres Bild davon vermitteln, wie sehr sich PHEV immer noch auf ihren Verbrennungsmotor und nicht auf die elektrische Batterie verlassen.

Petr Dolejsi, Direktor für nachhaltigen Verkehr beim Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA), gibt in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass sich der Nutzwertfaktor der PHEV ändern wird. Womit er sich auf die durchschnittliche Schätzung der Reichweite eines Hybridfahrzeugs im Elektromodus bezieht. Ob das neue Messverfahren tatsächlich 2025 zum Einsatz kommen kann. Hierfür stehen zu viele Faktoren im Raum, welche berücksichtigt werden müssen.

Ein Beamter der Europäischen Kommission gab zu verstehen, dass eine Änderung der Durchführungsbestimmungen für Euro 6-Schadstoffemissionen zur Überarbeitung des Testansatzes – genannt Worldwide Light Vehicles Testing Procedure (WLTP) – zur Bestimmung von Nutzfaktoren auf der Grundlage von realen Daten von Kraftstoffverbrauchsmessgeräten diskutiert werde, aber man sei nicht in der Lage, weitere Einzelheiten zu nennen. So werden mögliche Änderungen zunächst von der Arbeitsgruppe Kraftfahrzeuge, die sich aus Vertretern der Industrie, der Regierung und der Verbraucherverbände zusammensetzt erörtert, bevor noch im Laufe 2022 eine endgültige Entscheidung getroffen werden soll.

Dass dies notwendig ist zeigen Studien von Umwelt-Thinktanks wie dem International Council for Clean Transportation (ICCT). Denn diese offenbaren, dass selbst der WLTP-Test weit von der Realität entfernt ist, insbesondere bei Hybridautos, die den Verbrennungsmotor etwa doppelt so stark beanspruchen wie die Testergebnisse zeigen. Für die ICCT-Studien wurden die tatsächlichen Emissionsdaten von mehr als 100.000 Plug-in-Hybriden aus Quellen wie Firmenwagen-Datenbanken oder Websites zur Verbrauchsmessung verwendet. Und nicht auf Grundlage von Werten aus dem Labor begründet.

Zu den Gründen für das ICCT-Ergebnis gehört die Tatsache, dass Plug-in-Hybride seltener aufgeladen werden und eine kürzere rein elektrische Reichweite haben, als im Test angenommen wird. Die reale Abweichung ist bei Firmenwagen sogar noch höher, wahrscheinlich weil die Fahrer weniger Anreiz haben, das Fahrzeug aufzuladen – eine billigere Option als das Tanken -, wenn sie nicht selbst die Kosten tragen.

Quelle: Reuters – European Union to toughen emissions test for hybrid cars -sources

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Senatoren fordern: Keine chinesischen Autowerke in den USA

Senatoren fordern: Keine chinesischen Autowerke in den USA

Sebastian Henßler  —  

Drei US-Senatoren fordern von Trump ein vollständiges Verbot chinesischer Autowerke in den USA – und wollen auch den Umweg über Mexiko und Kanada schließen.

Elektro-Lkw gewinnen europaweit an Fahrt

Elektro-Lkw gewinnen europaweit an Fahrt

Michael Neißendorfer  —  

Ein klarer politischer Rahmen, gezielte Förderung und der Ausbau der Ladeinfrastruktur treiben die Verbreitung voran – von Land zu Land sehr unterschiedlich.

IG Metall warnt vor Wiederholung des Solar-Debakels

IG Metall warnt vor Wiederholung des Solar-Debakels

Sebastian Henßler  —  

Die Autoindustrie baut massiv Stellen ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärt, was sie von EU, Bundesregierung und Unternehmen erwartet.

Sixt-Chef: EU-Elektroquote kommt fünf Jahre zu früh

Sixt-Chef: EU-Elektroquote kommt fünf Jahre zu früh

Sebastian Henßler  —  

Sixt kritisiert die EU-Elektroquote für gewerbliche Flotten scharf – und erklärt, warum Brüssel das Verbrenner-Aus faktisch verschärft, statt es abzuschwächen.

Start der neuen E-Auto-Förderung verzögert sich

Start der neuen E-Auto-Förderung verzögert sich

Daniel Krenzer  —  

Die neue E-Auto-Prämie gilt rückwirkend, doch Anträge sind erst ab Mai möglich. Und auch die genauen Förderbedingungen bleiben unklar. Das sorgt für Kritik.

Iran-Krieg bedroht auch die Elektroauto-Produktion

Iran-Krieg bedroht auch die Elektroauto-Produktion

Daniel Krenzer  —  

Der Krieg im Iran blockiert Aluminium-Lieferungen durch die Straße von Hormus. Das betrifft vor allem Elektroautos.

Iran-Krise: Dieselkosten steigen monatlich um 1210 Euro pro Lkw

Iran-Krise: Dieselkosten steigen monatlich um 1210 Euro pro Lkw

Michael Neißendorfer  —  

Die Treibstoffkosten für Diesel-Lkw steigen deutlich mehr als für E-Lkw – ein weiteres Argument für die Abkehr von fossilen Treibstoffen.