Audi, BMW und Mercedes-Benz ziehen sich vom chinesischen Plug-in-Hybridmarkt zurück. Was lange als Brücke zwischen Verbrennertechnik und Elektromobilität galt, verliert in der Volksrepublik an Bedeutung, während lokale Wettbewerber das Segment neu definieren.
Mercedes hat das Auslaufen seiner PHEV-Modelle in China bereits im Umsatzbericht für das erste Quartal bestätigt. Bei BMW machen Plug-in-Hybride inzwischen nur noch 0,1 Prozent der Verkäufe im Land aus. Von Januar bis April setzte die Marke gerade einmal 116 solcher Fahrzeuge ab, nach 141 im Vorjahreszeitraum. Bei Mercedes waren es 699 Einheiten, gegenüber 4171 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Jaguar Land Rover und Audi sind ebenfalls aus dem Segment ausgestiegen. Audi erklärte gegenüber Automotive News Europe, das Produktportfolio in China künftig auf Verbrenner und rein batterieelektrische Fahrzeuge ausrichten zu wollen. Einzig Porsche hält an Plug-in-Antrieben noch fest, allerdings beschränkt auf leistungsorientierte Modelle wie den Panamera Turbo E-Hybrid.
Der Hintergrund ist regulatorischer Natur. Seit Januar gelten in China verschärfte Anforderungen: Plug-in-Hybride müssen nun eine elektrische Mindestreichweite von 100 Kilometern nachweisen, um steuerliche Vergünstigungen als sogenannte „New Energy Vehicles“ in Anspruch nehmen zu können. Bisher lag diese Schwelle bei 43 Kilometern. Zusätzlich wurden die Verbrauchsvorgaben im reinen Verbrennerbetrieb angehoben. Beides trifft vor allem Modelle mit kleineren Batterien, die bei europäischen Herstellern lange Standard waren.
Plug-in-Hybride in China: Volvo als Ausnahme, BYD als Maßstab
Einzig Volvo geht einen anderen Weg. Das Unternehmen, das zum chinesischen Geely-Konzern gehört, profitiert von konzerninterner Technologie und entwickelte mit dem neuen XC70 ein PHEV-Modell mit bis zu 200 Kilometern elektrischer Reichweite. Die Verkaufszahlen spiegeln das wider: Bis April 2026 wurden in China 9142 Einheiten abgesetzt, mehr als doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 3714.
Zum Vergleich zeigt ein Blick auf den chinesischen Markt insgesamt das Ausmaß des Rückstands. BYD verkaufte von Januar bis April 2026 rund 251.500 Plug-in-Hybride in China. Die Geely-Premiumtochter Zeekr kam auf knapp 33.000 Einheiten, Lynk & Co auf gut 27.300, BYDs Premiummarke Denza auf rund 20.600. Europäische Hersteller spielen in diesen Dimensionen keine Rolle mehr.
Chinesische Hersteller gehen dabei einen konzeptionell anderen Weg. Während europäische Marken lange Elektrotechnik auf bestehende Verbrennerplattformen aufgesattelt haben, entwickeln lokale Anbieter zunehmend elektrische Plattformen weiter und integrieren Verbrennungsmotoren als Reichweitenverlängerer, sogenannte Range-Extender.
Marken wie Li Auto, Aito, Zeekr, Xpeng und Maextro bedienen damit ein wachsendes Premiumsegment. Auch die Geely-Sportwagenmarke Lotus hat kürzlich eine PHEV-Version des SUV Eletre vorgestellt, die laut WLTP-Angaben eine elektrische Reichweite von 350 Kilometern erreicht, nach CLTC-Zyklus. CEO Feng Qingfeng kritisierte dabei Plug-in-Hybride europäischer Hersteller, die primär zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen entwickelt worden seien, ohne dem tatsächlichen Nutzungsverhalten gerecht zu werden.
Entwicklung für China kaum ohne lokale Partner möglich
Für europäische Premiumhersteller stellt sich damit eine strategische Frage: Sollen sie eigens für China entwickelte Modelle mit großen Batterien und Verbrennern als Reichweitenverlängerer anbieten, oder das Marktfeld für das Segment aufgeben? BMW prüft laut Bloomberg entsprechende Optionen für die 7er-Reihe und den X5. Audi betonte, Marktentwicklungen und Kundenbedürfnisse rund um Plug-in-Hybride und Range-Extender kontinuierlich zu beobachten.
Die Rahmenbedingungen erschweren eine Antwort. In den USA werden Emissionsvorschriften gelockert, Europa setzt konsequent auf reine Elektromobilität. Neue PHEV-Modelle müssten demnach nahezu exklusiv für China entwickelt werden, was eigenständige Lösungen kaum wirtschaftlich macht. Volvo-Chef Håkan Samuelsson erklärte, ohne Plattformteilung mit anderen Geely-Marken wäre der XC70 nicht realisierbar gewesen.
Quelle: Automobilwoche – Warum sich deutsche Premiumhersteller aus dem chinesischen PHEV-Markt zurückziehen









Wird geladen...