CEOs fordern EU auf: Wasserstoffmobilität jetzt beschleunigen

Cover Image for CEOs fordern EU auf: Wasserstoffmobilität jetzt beschleunigen
Copyright ©

Shutterstock / 2403978323

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Mehr als 30 CEOs weltweit führender Energie-, Automobil- und Technologieunternehmen – darunter BMW, Bosch, Daimler Truck, Honda, Hyundai Motor, Iveco, Toyota und die Volvo Group – haben sich zusammengeschlossen, um eine Botschaft an die europäischen Entscheidungsträger zu richten: Wasserstoffmobilität sei für die Klimaziele, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die strategische Widerstandsfähigkeit Europas von entscheidender Bedeutung – und es seien ihrer Ansicht nach dringend Maßnahmen zum Ausbau der Infrastruktur erforderlich.

In einem gemeinsamen Brief an die Staats- und Regierungschefs der europäischen Mitgliedstaaten fordern die CEOs die politischen Entscheidungsträger auf, die Wasserstoffmobilität als festen Bestandteil in die europäischen Strategien für sauberen Verkehr und Industrie einzubinden. Der Brief wurde von Führungskräften aus mehr als 30 Unternehmen unterzeichnet, darunter Großkonzerne sowie kleinere Zulieferer, die zusammen das Ökosystem der Wasserstoffmobilität abdecken. Darin werden sofortige und gezielte politische Maßnahmen gefordert, um Investitionen zu erschließen und den Einsatz von Wasserstofffahrzeugen und -infrastruktur in der gesamten EU auszuweiten.

Die CEOs weisen auf drei entscheidende Punkte hin:

  • Wasserstoffmobilität als ein strategischer Imperativ: Als Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen seien Wasserstofftechnologien für eine diversifizierte, resiliente und kosteneffiziente Dekarbonisierung des Straßenverkehrs von entscheidender Bedeutung. Durch einen diversifizierten Ansatz könnten in Europa bis 2050 zwischen 300 und 500 Milliarden Euro an Infrastrukturkosten eingespart werden. Zwei Mobilitätsinfrastrukturen sollen für Europa kostengünstiger als eine reine Elektrifizierung sein.
  • Wasserstoffmobilität als ein Motor für Arbeitsplätze und industrielles Wachstum: Die bestehenden industriellen Stärken Europas in der Automobilindustrie und der fortschrittlichen Fertigung könnten genutzt werden, um eine Führungsposition in der Wasserstofftechnologie zu übernehmen und bis 2030 bis zu 500.000 Arbeitsplätze zu schaffen.
  • Wasserstoffmobilität für entscheidende Synergien im Energiesystem: Wasserstoff ermögliche die Bündelung der Nachfrage, unterstütze schwer zu dekarbonisierende Branchen und verringere die Verschwendung erneuerbarer Energien.

Trotz der Fortschritte warnen die CEOs, dass die Wasserstoffmobilität in Europa stagnieren werde, wenn nicht ein besser koordinierter und pragmatischer politischer Rahmen geschaffen werde, um den Ausbau der notwendigen Infrastruktur zu unterstützen und die für das Wachstum des Wasserstoffmobilitätsmarktes erforderliche Größenordnung zu erreichen. Dazu müsse Wasserstoffmobilität als ein zentraler Bestandteil in strategische Programme eingebunden werden, wie beispielsweise in den EU-Investitionsplan für nachhaltige Mobilität im Rahmen des Clean Industrial Deals. Laufende Bemühungen zur Vereinfachung der EU-Vorschriften können ergänzend dazu beitragen, die Kosten und die Komplexität des Aufbaus der Wasserstoffmobilitätsinfrastruktur zu senken.

Die vollständige Liste der Unterzeichner der Allianz lautet wie folgt: AGC Chemicals Europe, Air Liquide, Air Products & Chemicals, Ballard Power Systems, BMW Group, Cellcentric, Cummins, Daimler Truck, Dumarey Automotive Italia, EKPO Fuel Cell Technologies, Enagás, Heraeus Precious Metals, Hexagon Purus, Honda Motor, Honeywell, Hy24, Hysetco, Hyundai Motor Group, Iveco Group, Iwatani Corporation, Johnson Matthey, Lhyfe, Linde, Mahle, OPmobility, Robert Bosch, Schaeffler, Solaris Bus & Coach, Syensqo, Symbio, The Chemours Company, Toyota Motor Corporation, Tyczka Hydrogen, Valterra Platinum, Virya Energy, Volvo Group, Westport Fuel Systems.

Quelle: Global Hydrogen Mobility Alliance – Pressemitteilung vom 02.07.2025

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


Jasmin Causevic:

Wasserstoffmobilität ist die Zukunft, natürlich soll es beschleunigt werden!

Wolfbrecht Gösebert:

„Wie konnten sich die CEOs von BMW, Bosch, Daimler Truck, Honda, Hyundai Motor, Iveco, Toyota und die Volvo Group, Linde, Air Liquide, Honda, etc. sich nur sooo irren???“

➜ Die Multi-Milliarden-schwere Erdöl-/Erdgas- (und sonstige Energie-) Industrie tut alles (und ich meine wirklich ALLES) dafür, die bestehenden Energieversorgungs-Abhängigkeiten auf *jede* erdenkliche Art und Weise aufrechtzuerhalten!

➜ Beliebt ist dabei neben massiver Lobbyarbeit und Desinformation u.a. zu BEVs insbesondere die “Hirn-Vernebelung“ mit dem Hype um den angeblichen „Zukunftsantrieb Wasserstoff“.

➜ Ja, H₂ brauchen wir für die Industrie künftig in Mengen, allerdings eben auch in solchen Mengen, die die Verfügbarkeit von Grünstrom schon jetzt *weit, weit* überschreitet – nur brauchen wir H₂ eben NICHT für Landfahrzeuge – die können schon AKTUELL meist akkubasiert mit rd. 1/3 Stromverbrauch fahren! – von wenigen Nischenanwendungen (und die Nischen werden immer kleiner) natürlich mal abgesehen.

➜ Die alte, umweltzerstörende ERDÖL-Verbrenner-Industrie mit ihrem Tankstellen-Netz würde mit einem künftigen H₂-Tank-Geschäftsmodell ja „ganz einfach“ – nahezu wie bisher – im Geschäft bleiben können!

➜ Daneben stellt auch die ständig zunehmende, technisch + finanziell mögliche solare Strom-(Teil-)Autarkie (nicht nur bei BEVs!) privater Verbraucher resp. gewerblicher Nutzer eben NOCH ein zusätzliches »Schreckensgespenst Erster Klasse« für diese Konzerne dar, die dabei in Wahrheit ja um nichts Geringeres als ihre GEWINNE fürchten!

Pedro G.:

Es gibt doch genug Tankstellen die auch aufgelassen werden ⁉️
Die Industrie möchte schon wieder eine Förderung fals der H² nicht funktioniert ⁉️

Thomas Schmieder:

> Jegliche Forschungsgelder sind daher gut investiert.

Für die CO₂-freie bzw. CO₂-arme, energetisch günstige, ökologisch unbedenkliche und _wasserschonende_ Gewinnung von Wasserstoffgas stimme ich Dir zu. Da muss man weiter forschen. Wird ja auch gemacht.

Aber für die Verwendung als reinem Energieträger hinkt der Wasserstoff den anderen inzischen ermittelten Lösungen mindestens 25 Jahre hinterher. Die Lücke wird weiter wachsen . Auch für den „Season-Gap“ gibt es inzwischen neue, günstigere und sicherere Lösungswege.

https://www.energie-experten.org/heizung/heizungstechnik/pufferspeicher/zeolith-waermespeicher

Auf diesem Gebiet mit alternativen Wärmespeichern haben auch Andere schon viel geforscht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Druckluftspeicherkraftwerk_Sta%C3%9Ffurt

Außerdem sind auch Salzspeicher energetisch vielversprechend. Dabei bereitet die Agressivität des Salzes dem Containment Probleme, was beim Zeolith-Speicher wegfällt. Also bitte die Forschungsgelder an der richtigen Stelle einsetzen!

MWF:

Die ewig Gestrigen…

rabo:

Deutschland strebt eine weltweite Führungsrolle in der Wasserstoffforschung an. Dies könnte für unsere Wirtschaft – nachdem Deutschland die Führungsrolle im Autobau (BEVs) an China verloren hat – ein wichtiger und interessanter Ausgleich für alle Anwendungsbereiche, inkl. FCEVs werden. Jegliche Forschungsgelder sind daher gut investiert.

rabo:

Wie konnten sich die CEOs von BMW, Bosch, Daimler Truck, Honda, Hyundai Motor, Iveco, Toyota und die Volvo Group, Linde, Air Liquide, Honda, etc. sich nur sooo irren??? Offenbar kannten sie nicht die kundigen und wortgewandten (Holger p4 – totaler Scheiss) Teilnehmer der TPF (Tote Pferde Fraktion) unseres sonst durchaus interessanten EAN-Forums

No Fake:

Also das wäre diese viel zitierte Technologieoffenheit, die im Grunde nur Technologiefixiertheit ist, solange Fördergelder fliessen. Also wenn das „The Big Thing“ sein soll, um sich sich technologisch von den vollelektrischen Wettbewerbern abzusetzen, volles Beileid. Gerade bei Daimler Trucks sehr verwunderlich, zeigt Tobias Wagner wie auch diesen Sonntag wieder, welch wirklich guter Wurf der e-Actros 600 ist und der immer teurer bleibende H2 so gut wie kein Wettbewerbsvorteil ist. Auch wenn man sich auf YT den Beitrag bei Geladen-Der Batteriepodcast“ des HIU richtig gehört hat, mehr wie Durchhalteparolen der „Wasserstoffwirtschaft“ kommt da nicht. Sicherlich wurden auch dort Fortschritte gemacht, aber um den batterieelektrischen Antrieb überhaupt erstmal einzuholen, da fehlt es um gleich mehrere Faktoren und gar zu überholen, wenn dann erleben das selbst die Forenteilnehmer nicht mehr. Nimmt man die Anzahl der Patentanmeldungen im Batteriebereich im Vergleich zum H2, sollte man verstehen…..
Es sollte langsam der Zeitpunkt überschritten sein einzugestehen, H2 hat das Rennen für die nächste Zeit verloren, so schmerzhaft das unser Industrie auch sein mag. Für Nischen mag H2 durchaus seine sinnvolle Anwendung im landgebundenen Mobilitätsbereich haben, aber groß ist diese nicht. Auch eine Sache des Wirkungsgrades wieviel Fördergeld wohin geht. Gerade bei Bosch, die sich frühzeitig von der Batterie gelöst haben und jetzt fast ausschließlich ihre Zukunft im H2 sehen (möchten). Die Realität ist härter als der Wusch.

Thomas Schmieder:

Der mMn einzige Vorteil der Wasserstoff-Mobilität liegt beim Decoupling von Erzeugung und Benutzung.
Das kann man bei BEVs und insbesondere BET(ruck)s nur durch Batteriewechselsysteme erreichen (oder durch teure Oberleitungen).

Der höhere gravimetrische Energieinhalt zählt zwar auch noch, ist aber nur durch erhebliche teure und komplizierte technische Maßnahmen und Risiken zu erkaufen.

Den Wasserstoff als reinen Energieträger zu verballern, ist nicht unkritisch. Er wird viel dringender als Molekül (Element) in der Chemieindustrie, bei Stahlwerken, in der Glasindustrie usw. benötigt. Speziell die Wasserstoffgewinnung durch Dampfreformierung muss dringend durch Methan-Pyrolyse oder zur Not auch Elektrolyse (kostet sehr viel Reinstwasser) abgelöst werden. Die Mengen, die man damit gewinnen kann, sind aber gerade so ausreichend für die elementare Nutzung.

Peter:

Auch hier seien dir deine Träume erlaubt, was auch unerwünscht bei 10 tägigen ist sind z.B. auch Elektrolyseure die 24/7 laufen müssen um irgendwie wirtschaftlich zu sein.

Ähnliche Artikel

Cover Image for China-Experte: „Fehler sind Teil des Fortschritts“

China-Experte: „Fehler sind Teil des Fortschritts“

Sebastian Henßler  —  

In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich die Gelegenheit, mit Dr. Thomas Kiefer zu sprechen – Journalist, Asien-Experte und profunder Kenner der chinesischen Industriepolitik. Seit Ende der 1980er Jahre beobachtet er vor Ort in Shanghai die Entwicklungen, war unter anderem in Joint Ventures wie Shanghai Volkswagen unterwegs und hat über Jahrzehnte hinweg verschiedene Länder Asiens bereist […]

Cover Image for Alpitronic CEO: „Laden muss immer funktionieren“

Alpitronic CEO: „Laden muss immer funktionieren“

Sebastian Henßler  —  

Im exklusiven Interview verrät Philipp Senoner, warum 400 kW für den Massenmarkt reichen, 850 kW und darüber hinaus aber als Sonderlösung kommen werden.

Cover Image for Diese 7 günstigen E-Autos unterstützen Plug & Charge

Diese 7 günstigen E-Autos unterstützen Plug & Charge

Daniel Krenzer  —  

Stecker rein und einfach losladen: Diese unkomplizierte Art des E-Auto-Ladens gibt es für immer mehr Modelle. Doch welche sind die günstigsten?

Cover Image for Volkswagen richtet Produktion auf KI-gestützte Zukunft aus

Volkswagen richtet Produktion auf KI-gestützte Zukunft aus

Michael Neißendorfer  —  

Effizienter, intelligenter und resilienter will Deutschlands größter Autohersteller werden: Dafür setzt der VW-Konzern in der Produktion verstärkt KI ein.

Cover Image for Neuer Volvo XC70: Der Plug-in-Hybrid für die Langstrecke

Neuer Volvo XC70: Der Plug-in-Hybrid für die Langstrecke

Michael Neißendorfer  —  

Im stadtnahen CLTC-Zyklus fährt der neueste Plug-in-Hybrid von Volvo 200 Kilometer weit. Ob er nach Europa kommt, ist noch offen.

Cover Image for Nio: 200.000 Akku-Wechsel in Europa, aber kaum neue Stationen

Nio: 200.000 Akku-Wechsel in Europa, aber kaum neue Stationen

Daniel Krenzer  —  

Mit der Anzahl der getauschten Akkus geht es für Nio in Europa voran, doch von den 170 geplanten Standorten gibt es bislang nur 60.