Elektroautos in Deutschland: Ausbau der Ladeinfrastruktur muss Schritt halten

Elektroautos in Deutschland: Ausbau der Ladeinfrastruktur muss Schritt halten
Copyright:

shutterstock / 1983519266

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Die Elektromobilität ist ein zentrales Element, um die Klimaziele und einen geringeren Verbrauch fossiler Energieträger im Verkehr zu erreichen. Mit Blick auf den eigenen Umstieg haben Privathaushalte in Deutschland insbesondere Bedenken bezüglich der Ladeinfrastruktur, wie eine Sonderauswertung des KfW-Energiewendebarometers durch KfW Research zeigt. Vor diesem Hintergrund sei es bemerkenswert, dass der Fahrzeugbestand zuletzt deutlich stärker gewachsen ist als die Lademöglichkeiten, so die KfW in einer aktuellen Mitteilung.

„In den letzten beiden Jahren ist der Bestand an Elektroautos dreimal stärker gewachsen als die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte. Setzt sich dieser Trend fort, könnte dies für die Praxistauglichkeit der Elektromobilität zum Problem werden“, so Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Die Ladeinfrastruktur muss nun mit der dynamischen Entwicklung bei den Elektroautos Schritt halten, um den Umstieg auf die Elektromobilität attraktiv zu machen.“ Denn nur wenn die wachsenden Ladebedarfe erfüllt werden, können stärkere Anreize zum Umstieg auf die Elektrotechnologie gegeben und damit die gesetzten Klimaziele für den Verkehrssektor erreicht werden.

In Deutschland erfolgte bislang ein tendenziell gleichmäßiger Ausbau der öffentlichen Ladepunkte. Hier bestehe allerdings die Gefahr, dass insbesondere Ladepunkte in dünn besiedelten Regionen nicht kostendeckend angeboten werden können, da diese verhältnismäßig wenig genutzt werden. In Ballungsgebieten seien hingegen bei einem weiteren Anstieg der Elektroautos höhere Nutzungsraten zu erwarten. Öffentliche Ladepunkte werden daher insbesondere in dicht besiedelten Gebieten benötigt, so die KfW.

In ländlichen Regionen können hingegen verstärkt private Ladepunkte genutzt werden. Dies erklärt sich unter anderem aus der Verfügbarkeit privater Stellplatzmöglichkeiten, wie die Ergebnisse des KfW-Energiewendebarometers 2021 zeigen. So gaben in kreisfreien Großstädten rund 19 Prozent der Haushalte mit Auto an, einen geeigneten eigenen Stellplatz nutzen zu können, während der Wert in ländlicheren Regionen mit 34 Prozent fast doppelt so hoch lag.

In allen Regionen Deutschlands ist der Wunsch nach mehr öffentlichen Lademöglichkeiten jedoch hoch. Im KfW-Energiewendebarometer gaben mehr als 50 Prozent der Haushalte an, sich die Anschaffung eines Elektroautos bislang aufgrund der unzureichenden öffentlichen Ladeinfrastruktur nicht vorstellen zu können. In kreisfreien Großstädten ist dies mit rund 56 Prozent sogar der meist genannte Grund. Der Staat müsse deshalb einerseits den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur weiter vorantreiben, so die KfW. Dabei aber andererseits auch das Zusammenspiel mit privater Ladeinfrastruktur und die Überleitung zu einer stärker markt- bzw. bedarfsbasierten Bereitstellung der Ladeinfrastruktur im Blick behalten.

„Aktuelle Forschungsergebnisse und die Antworten der Haushalte im KfW-Energiewendebarometer zeigen, dass der Ausbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur eine zentrale Stellschraube für die flächendeckende Akzeptanz und Nutzung der Elektromobilität ist. Alle staatlichen Ebenen müssen deshalb am Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur arbeiten – unter Berücksichtigung von Substitutionsmöglichkeiten durch private Ladepunkte. Dabei die Balance zwischen den Bedürfnissen der Elektroautonutzer auf der einen und der notwendigen Rentabilität bzw. Kosteneffizienz auf der anderen Seite zu finden, wird entscheidend dafür sein, das ehrgeizige Ziel von 15 Millionen elektrisch betriebenen Fahrzeugen bis 2030 auch tatsächlich zu erreichen“, so Dr. Fritzi Köhler-Geib.

Quelle: KfW – Pressemitteilung vom 20.04.2022

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

59 Gigawatt Solarpotenzial auf deutschen Parkplätzen

59 Gigawatt Solarpotenzial auf deutschen Parkplätzen

Sebastian Henßler  —  

Der Parkplatz soll laden, Strom erzeugen und Grün bieten. Auf deutschen Parkplätzen ließen sich rund 59 Gigawatt Solarleistung installieren.

Smart-Meter-Rollout bremst dynamische Stromtarife aus

Smart-Meter-Rollout bremst dynamische Stromtarife aus

Sebastian Henßler  —  

Knapp ein Fünftel der Deutschen nutzt einen dynamischen Stromtarif oder plant es. Doch nur sechs Prozent der Haushalte haben den nötigen Smart Meter verbaut.

Rund 40 Prozent sparen: E-Auto per Gehaltsumwandlung

Rund 40 Prozent sparen: E-Auto per Gehaltsumwandlung

Sebastian Henßler  —  

Octopus Electric Vehicles überträgt das Jobrad-Prinzip aufs Elektroauto. Achim Hirsch schildert, wie Beschäftigte rund 40 Prozent zum Privatleasing sparen.

Bund gibt weitere Autobahnflächen für Schnelllader frei

Bund gibt weitere Autobahnflächen für Schnelllader frei

Daniel Krenzer  —  

Der Bund will zusätzliche Flächen für Schnelllader an Autobahnen freigeben. Private Betreiber sollen ab 2027 neue Ladeparks errichten können.

Laden im Bordstein: Hessische Städte testen die Technik

Laden im Bordstein: Hessische Städte testen die Technik

Arun Niemann  —  

Ladepunkte direkt im Bordstein sollen das Laden in engen Wohnvierteln erleichtern. In Hessen sammeln Kassel und Bad Homburg erste Praxiserfahrungen.

Gefährdet die EU die europäische Ladeinfrastruktur-Branche?

Gefährdet die EU die europäische Ladeinfrastruktur-Branche?

Daniel Krenzer  —  

Die EU will Europas Industrie stärken, lässt Ladehardware aber weitgehend außen vor. Hersteller fürchten wachsende Konkurrenz aus China.

VoltFracht: Wie ein Spiel Lücken im Ladenetz sichtbar macht

VoltFracht: Wie ein Spiel Lücken im Ladenetz sichtbar macht

Sebastian Henßler  —  

In VoltFracht disponierst du E-Lkw durch Europa, und zwar an realen Ladesäulen. Wo das Netz Lücken hat, merken das inzwischen auch rund 1000 Spieler:innen.