Viele Elektroautofahrer fürchten Mangel an Ladepunkten

Viele Elektroautofahrer fürchten Mangel an Ladepunkten
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Fast die Hälfte (45 Prozent) der Elektroautobesitzer fürchtet in naher Zukunft einen Mangel an Ladepunkten. Das ist das Ergebnis der europaweiten EV-Driver-Umfrage 2020 von NewMotion, einer der größten jährlichen Umfragen unter E-Autofahrern (hier als vollständiges PDF-Dokument zu finden). Ebenso gaben rund die Hälfte der Befragten (46 Prozent) an, dass vor allem mehr Ladepunkte das Laden vereinfachen.

Auch den Zugang zu Ladepunkten verschiedener Anbieter mit nur einer Ladekarte empfinden die Befragten (41 Prozent) als deutliche Erleichterung, da es das Laden unterwegs vereinfacht. Auffallend ist, dass 77 Prozent der Befragten einen Ladepunkt zu Hause haben, während nur rund der Hälfte (55 Prozent) eine Lademöglichkeit am Arbeitsplatz zur Verfügung steht. 53 Prozent der Umfrageteilnehmer, die keinen Ladepunkt zu Hause haben, haben auch keinen am Arbeitsplatz. Aus der Umfrage geht außerdem hervor, dass 61 Prozent der Befragten, die keinen Ladepunkt zu Hause haben, ihr Fahrzeug über eine Standardsteckdose aufladen. Das ist allerdings unsicher, da dabei Überkapazitäten in der Steckdose oder dem Kabel entstehen können.

„Elektrisches Fahren ist unumstritten die Zukunft der Mobilität. Wir befinden uns derzeit am Scheideweg der Energiewende. Elektroautos werden immer beliebter. Damit beginnt die nächste Phase der Elektromobilität: die flächendeckende Anwendung. Um die E-Mobilität für jeden zugänglich zu machen, muss die gesamte Branche reifen. Es kommt hauptsächlich auf die Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern und Anbietern von Ladelösungen, aber auch von anderen an der Energiewende beteiligten Unternehmen an. Nur so können wir die vielversprechende Zukunft der Elektromobilität erfolgreich gestalten.“ — Sytse Zuidema, CEO NewMotion

Für Elektroautobesitzer ist es wichtig, nicht zu viele Ladekarten mit sich führen zu müssen. Die Realität sieht aber anders aus. 15 Prozent der europäischen Befragten besitzen fünf Karten oder mehr. Während E-Autofahrer in Deutschland durchschnittlich 3,37 Ladekarten besitzen, benötigen Fahrer in den Niederlanden deutlich weniger unterschiedliche Karten (1,82). Grund dafür ist vermutlich die dortige Verbreitung von Interoperabilität und dass die Abdeckung mit Ladepunkten dort europaweit am höchsten ist.

Der Ladepreis ist E-Autofahrern besonders wichtig. 43 Prozent der Befragten gaben an, den Preis des Ladevorgangs bereits zu kennen, bevor sie damit beginnen. 37 Prozent recherchieren den exakten Preis, bevor sie ihren Wagen aufladen. Zwei von fünf Umfrageteilnehmern erlebten mindestens einmal eine unwillkommene Überraschung: der tatsächliche Endpreis wich vom vorher am Ladepunkt angezeigten Preis ab.

„Die Umfrage zeigt, dass das Laden mit nur einer Karte sowie Preistransparenz E-Autofahrern am wichtigsten sind. Um die E-Mobilität für ein breites Publikum attraktiv zu machen, muss die Branche bei diesen Themen nachbessern. Bei NewMotion verfolgen wir den Ansatz, ein offenes und für jeden zugängliches Ladenetzwerk zu schaffen, mit dem E-Autofahrer ihren Wagen überall aufladen können. Mit unserem Roaming-Netzwerk, intelligenten Ladelösungen sowie einem umfangreichen Service-Angebot wollen wir das Laden so benutzerfreundlich wie möglich gestalten.“ — Sytse Zuidema, CEO NewMotion

Rund der Hälfte (52 Prozent) der Ladepunktbesitzer ist die Benutzerfreundlichkeit bei der Wahl einer Ladelösung am wichtigsten. Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) achtet hauptsächlich auf den Preis, während 26 Prozent der Befragten Empfehlungen Dritter, wie Autohändler oder Arbeitgeber, als Entscheidungsgrundlage nehmen.

Auch was die Abdeckung mit Ladepunkten am Arbeitsplatz angeht, liegen die Niederlande deutlich vor Deutschland. Während bei unseren Nachbarn 72 Prozent der Befragten eine Lademöglichkeit am Arbeitsplatz vorfinden, sind es hierzulande nur 41 Prozent.

Interessante Ergebnisse offenbart die Frage nach dem Hauptgrund für den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug. Als wichtigsten Grund für den Wechsel nannten 61 Prozent der Umfrageteilnehmer Kosteneinsparungen, 58 Prozent stiegen aufgrund des Fahrerlebnisses um. Allerdings gaben nur zehn Prozent der Befragten an, dass sie aus Umweltschutzgründen zur E-Mobilität gewechselt sind – obwohl sich 81 Prozent der E-Autofahrer im Allgemeinen als umweltbewusst sehen.

E-Autofahrer wollen nicht mehr zurückwechseln

Die überwältigende Mehrheit der E-Autobesitzer will nicht mehr auf Antriebe mit fossilen Brennstoffen zurückwechseln. 86 Prozent der Befragten planen, sich wieder ein Elektroauto zuzulegen – nur zwei Prozent würden wieder auf konventionelle Antriebe umsteigen. 90 Prozent der Umfrageteilnehmer würden ein Elektrofahrzeug weiterempfehlen, während nur drei Prozent das nicht tun würden.

Die Umfrageteilnehmer sagen der Elektromobilität eine glorreiche Zukunft voraus: 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass vollelektrisches Fahren im Jahr 2030 die dominierende Fahrzeug-Antriebsart sein wird. 14 bzw. 13 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen die Zukunft in Wasserstoff- respektive Hybridantrieben. Nur 12 Prozent sind der Ansicht, dass fossile Kraftstoffe künftig die primäre Antriebsart sein werden.

Quelle: NewMotion — Pressemitteilung vom 19.02.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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