Elektro-Lkw-Bax: 7,5 Tonner aus Deutschland ist im Verkauf

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BAX

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

„Ein Lkw dient dem Transportprozess – und nicht umgekehrt“: Nach dieser Maxime wurde der erste elektrische Lkw der Marke BAX entwickelt, der bereits im vergangenen Herbst am Hauptsitz der BPW Bergischen Achsen KG offiziell enthüllt wurde. Viele Spediteure waren aktiv an der Entwicklung des 7,5 Tonners beteiligt. Das erklärt sein konstruktives Layout und technische Leistungsdaten, die konsequent auf den Transportalltag ausgerichtet wurden: Mit einem reinen Chassisgewicht von nur 3,5 Tonnen schultert der neue BAX 7.5 eine Netto-Nutzlast von vier Tonnen. Das mache ihn dem Hersteller zufolge zum idealen Träger von Aufbauten aller Art: Mit einem ab Werk lieferbaren festen Kofferaufbau mit Palfinger-Ladebrücke verbleiben immer noch drei Tonnen Zuladung – mancher Diesel-Lkw der 8-Tonnen-Klasse komme an diesen Wert nicht heran. 15 Europaletten haben in dieser Version Platz.

Auch führende Aufbauten-Spezialisten haben an der Entwicklung aktiv mitgewirkt. Der BAX 7.5 ist deshalb mit zwei verschiedenen Radständen – 3465 und 4475 mm – lieferbar und kann ohne konstruktive Einschränkungen mit denselben Aufbauten individualisiert werden wie ein Dieselfahrzeug: Container-Shuttle, Hubsteiger, Tankwagen oder Müllfahrzeug.

Die Batterie- und Ladetechnik unterstützt ebenfalls unterschiedlich logistische Einsatzszenarien: Mit „Long Range“-Batteriesatz mit 126 kWh großem Akku fährt der BAX 200 Kilometer weit, die „Medium Range“-Version mit 84 kWh und einer Reichweite von 130 Kilometern zielt auf die City-Logistik. Die Reichweitenangaben sind laut eigener Aussage keine theoretischen Laborwerte, sondern seien im realen Testeinsatz bei batteriezehrenden Winter-Temperaturen gemessen worden. Die Batterien werden von BMW i zugeliefert, der Elektro-Sparte des Münchner Autoherstellers. Auch der Fahrzeughersteller Isuzu ist beteiligt: Die Japaner liefern das Chassis des Elektro-Lkw zu.

In weniger als 40 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen

In puncto Ladetechnik kann der BAX sowohl mit 22 kW AC oder auch 100 kW DC geladen werden, je nachdem welche Ladeinfrastruktur und welche Anzahl von Schichten der Fahrzeugbetreiber plant. Mit 100 kW DC lädt der BAX im typischen Ladefenster von 20 Prozent auf 80 Prozent SoC (State of Charge/Ladezustand) in weniger als 40 Minuten. Im Mehrschichtbetrieb kann der BAX so in den vorgeschriebenen Pausen oder während des Schichtwechsels geladen werden.

Die hohe Zuladung des BAX erklärt sich vor allem aus der besonderen Antriebstechnik: Sie sitzt nicht vor oder unter dem Fahrer, wie sonst bei batterieelektrischen Lkw üblich, sondern in der Hinterachse: Die Antriebsachse von BPW wuchtet mit zwei jeweils 50 kW starken E-Motoren ein Drehmoment von jeweils 3290 Newtonmetern auf die Räder – das sorge für kraftvolle Fahrleistungen. Die maximale Achslast liegt bei 5,6 Tonnen. Das Antriebskonzept, das sich bereits seit 2018 bei der elektrischen Umrüstung von Lkw bewähre, benötigt weder Differenzialachse noch Kardanwelle – das kommt der Zuladung zugute, aber auch der Wartungsfreundlichkeit: was nicht vorhanden ist, kann auch nicht kaputt gehen.

Fahrer auf Augenhöhe mit Radfahrern, einfacher Ein- und Ausstieg

Weniger Gewicht, mehr Bauraum und mehr Zuladung ermöglicht auch das Chassis. Vor allem aber sorge es für mehr Sicherheit im urbanen Verkehr – und entlaste gleichzeitig den Fahrer. Im BAX sitzt er nicht hoch über dem Verkehr, sondern nahezu auf Augenhöhe mit Radfahrern. Auch das Ein- und Aussteigen fällt so erheblich leichter. Für Sicherheit sollen auch umfassende Assistenzsysteme sorgen, darunter Spurhalteassistent, Notbrems- und Abbiegeassistent und eine Rückfahrkamera. Der Fahrer freut sich zudem über serienmäßige Komfort-Features wie Klimaanlage, Sitzheizung, Freisprecheinrichtung, Apple Carplay/Android Auto und vieles mehr.

Der BAX 7.5 ist serienmäßig mit einem Transport-Telematiksystem des europäischen Marktführers idem telematics ausgerüstet und bietet ein besonderes Extra: Der Fahrer, aber auch der Fuhrparkmanager oder Disponent in der Zentrale können nicht nur in Echtzeit alle Fahrzeug-, Batterie- und Tourdaten online einsehen, sondern auch die Zuladung. Auf diese Weise können Touren auch spontan optimiert werden. Die Telematik unterstützt den Fahrer dabei, sicher und effizient zu fahren. Der Wendekreis liegt mit 16,4 Metern auf klassenüblichem Niveau.

Hinter der neuen Lkw-Marke BAX stehen zwei bekannte Spezialisten der Nutzfahrzeugbranche: Die BPW Bergische Achsen KG im nordrhein-westfälischen Wiehl und die Paul Nutzfahrzeuge GmbH. BPW entwickelte neben der Antriebstechnik auch die Vernetzung und Systemintegration des Fahrzeugs, Paul übernimmt die mechanische Integration sämtlicher Antriebs-Komponenten, sowie die Homologation für den gesamteuropäischen Markt. Beide Unternehmen kooperieren seit Jahren bereits bei der Umrüstung von Lkw von Diesel- auf Elektroantrieb. Das Fahrzeug ist nach ISO 26262 entwickelt und erhält eine EG-Typgenehmigung. Ab Mitte 2022 soll der neue Elektro-Lkw dann auch in ganz Europa gekauft werden können.

In Deutschland ist der Elektro-Lkw bereits im Verkauf, muss aber noch eine Einzelabnahme durchlaufen. Nach der EU-Typengenehmigung entfällt diese Prozedur. Die Preise beginnen bei 160.000 Euro, die Variante mit langem Radstand und großer Batterie kostet 189.000 Euro.

Quelle: BPW Bergische Achsen Kommanditgesellschaft – Pressemitteilung vom 14.10.2021 / Edison – Bax Elektro-Laster stromert auf der eigenen Achse

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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