Herber Rückschlag für E-Fuels: Ørsted stoppt europäisches Großprojekt

Herber Rückschlag für E-Fuels: Ørsted stoppt europäisches Großprojekt
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Viele Vertreter aus Politik und Gesellschaft setzen große Hoffnungen auf synthetische Kraftstoffe wie sogenannte E-Fuels, mit denen sich Autos und Nutzfahrzeuge auch ohne Elektromotor klimafreundlicher antreiben lassen könnten. Die FDP hatte sogar erstritten, dass in der EU eventuell Neufahrzeuge ab 2035 weiterhin zugelassen werden könnten, wenn sie ausschließlich mit E-Fuels – also mithilfe von viel Strom hergestelltem Kraftstoff – betrieben werden. Diese Hoffnungen erleben nun jedoch einen herben Rückschlag. Wie die FAZ berichtet, wird das größte europäische Vorhaben für E-Methanol gestoppt – und auch andere Projekte stehen auf der Kippe.

Der dänische Windstromkonzern Ørsted wollte eigentlich eine Fabrik errichten, die bereits ab dem kommenden Jahr jährlich 55.000 Tonnen E-Methanol herstellen sollte – vor allem für die Schifffahrt und die Verwendung in der Industrie. „Das E-Methanol sollte fossile Brennstoffe ersetzen und wird aus Wasserstoff und Kohlendioxid hergestellt, unter Einsatz von Windenergiestrom„, heißt es in der FAZ. Doch daraus wird nun nichts. „Der Markt für flüssige E-Kraftstoffe in Europa entwickelt sich langsamer als erwartet, und wir haben die strategische Entscheidung getroffen, unsere Bemühungen auf diesem Markt zurückzustellen und die Entwicklung von Flagship-One zu beenden“, sagte demnach Vorstandschef Mads Nipper.

Shell stoppt Biokraftstoff-Projekt

So ist es offenbar nicht gelungen, genug Abnahmeverträge für die Zukunft abzuschließen, dass sich der Betrieb rechnen könnte. Der Abbruch der Projekts verursache einen Schaden von etwa 200 Millionen Euro. Allerdings heiße das nicht, dass man seitens des Unternehmens nicht an eine Zukunft von E-Fuels glaube. So heißt es seitens des Windstromkonzerns: „Wir glauben nach wie vor an den langfristigen Markt für E-Fuels, aber die Industrialisierung der Technologie sowie die kommerzielle Entwicklung des Absatzmarktes sind deutlich langsamer vorangekommen als erwartet.“

Die FAZ nennt im Artikel zudem weitere Projekte zu E-Fuels, Biokraftstoffen und Wasserstoff, die auf der Kippe stehen. Fortescue aus Australien gab demnach Pläne für grünen Wasserstoff auf, weil die Kosten dafür zu hoch geworden seien. Vor Kurzem habe zudem Shell bekanntgegeben, „dass es den Bau einer der größten europäischen Anlagen für Biokraftstoff in Rotterdam pausiert“. Die Nachfrage nach den Kraftstoffen sei einfach zu niedrig. Was kaum verwundert, schließlich sind die klimafreundlichen Alternativen an der Tankstelle noch spürbar teurer als fossile Kraftstoffe. Ohne massive Subventionen oder Verschiebungen durch den stetig steigenden CO2-Preis dürfte sich daran auch erst einmal wenig ändern.

Kritiker von E-Fuels bemängeln, dass bei Umsetzung aller geplanten Projekte diese dennoch bei Weitem nicht ausreichen würden, um eine echte Alternative zu Elektroautos zu ermöglichen. Nun sieht es aber zunehmend danach aus, dass selbst von den geplanten Projekten in absehbarer Zeit längst nicht alle tatsächlich umgesetzt werden können.

Quelle: FAZ – „Ein Rückschlag für die großen E-Fuel-Träume“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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