Werkstätten unter Druck: E-Autos schmälern Serviceerträge

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Mit jedem zusätzlichen Elektroauto auf Deutschlands Straßen wächst bei vielen Autohändlern und Werkstätten die Sorge um ein traditionell besonders lukratives Geschäftsfeld: den Service. Wie die Automobilwoche berichtet, geraten die Erträge im Werkstattbereich zunehmend unter Druck, weil batterieelektrische Fahrzeuge deutlich weniger Wartung benötigen als Verbrenner.

Nach Angaben der Branchenzeitung erzielen Händler mit Elektroautos im Servicegeschäft teilweise bis zu 50 Prozent weniger Umsatz als mit vergleichbaren Verbrennern. Der Grund liegt in der deutlich einfacheren Technik der Stromer. Ölwechsel, Zündkerzen, Zahnriemen, Kupplungen, Auspuffanlagen oder komplexe Motorreparaturen entfallen vollständig. Viele Arbeiten, die bislang regelmäßig Kunden in die Werkstätten brachten, fallen damit weg. Was den Kunden freut, entwickelt sich für Werkstätten zunehmend zum Problem.

E-Autos verändern das Geschäftsmodell der Händler

Während der Fahrzeugverkauf für viele Handelsbetriebe ohnehin margenschwach ist, galt das Werkstattgeschäft jahrzehntelang als verlässliche Ertragsquelle. Genau dieses Fundament beginnt nun zu wanken. Laut Automobilwoche berichten Händlerverbände und Branchenexperten von spürbaren Rückgängen bei den Serviceumsätzen. Besonders betroffen sind Betriebe mit einem hohen Elektroauto-Anteil im Kundenbestand. Hinzu kommt, dass moderne Fahrzeuge immer häufiger per Software aktualisiert werden können, wodurch zusätzliche Werkstattaufenthalte entfallen.

Deutlich zeigen sich die Auswirkungen bereits in Vorreitermärkten der Elektromobilität. Die Automobilwoche verweist auf Daten des norwegischen VW-Importeurs Møller, wonach die Umsätze aus Wartung und Service bei batterieelektrischen Fahrzeugen im Alter von bis zu vier Jahren rund 46 Prozent unter denen vergleichbarer Verbrenner liegen.

Auch in Dänemark verändert sich die Werkstattstruktur spürbar: Dort stieg der Anteil von Elektroautos am Werkstattvolumen der BMW-Händlergruppe Bayern AutoGroup innerhalb eines Jahres von zehn auf 30 Prozent. Branchenexperten gehen deshalb davon aus, dass sich die Entwicklung mit zeitlicher Verzögerung auch in Deutschland bemerkbar machen wird.

Mehr Investitionen, weniger Einnahmen

Die Entwicklung trifft die Branche zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt. Viele Autohäuser investieren derzeit gleichzeitig in Hochvoltschulungen, Spezialwerkzeuge und Ladeinfrastruktur, um für die Elektromobilität gerüstet zu sein. Die Transformation treibt demnach bei Weitem nicht nur die Hersteller selbst finanziell um.

Aus Sicht der Fahrzeughalter ist die Entwicklung allerdings überwiegend positiv. Denn die sinkenden Serviceerträge sind letztlich die Folge geringerer Wartungs- und Reparaturkosten. Erst kürzlich zeigte eine Auswertung des ADAC, dass Elektroautos bei Inspektionen und Wartungen im Durchschnitt rund ein Drittel günstiger sind als vergleichbare Verbrenner. In einzelnen Modellvergleichen lagen die Einsparungen sogar deutlich höher. Auch bei den laufenden Reparaturkosten profitieren viele Besitzer von der geringeren Komplexität elektrischer Antriebe.

Hinzu kommt, dass aktuelle Pannenstatistiken Elektroautos klar im Vorteil gegenüber Verbrennern sehen. Die oftmals geäußerte Sorge, die Hochvoltbatterie könne zu besonders hohen Werkstattkosten führen und Elektroautos besonders anfällig für ein Liegenbleiben sein, bestätigt sich im Alltag bislang nur selten und im Vergleich zum Verbrenner nicht.

Neue Einnahmequellen gesucht

Für Autohäuser und Werkstätten wird die Herausforderung darin bestehen, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Als mögliche Erlösquellen gelten unter anderem Batteriediagnosen, Software-Dienstleistungen, spazialisierter Reifenservice, Karosseriearbeiten, Ladeinfrastruktur sowie Energie- und Mobilitätsangebote rund um das Elektroauto.

Die Entwicklung zeigt damit, wie die Elektromobilität nicht nur Fahrzeuge verändert, sondern ganze Geschäftsmodelle. Was für Werkstätten sinkende Serviceerträge bedeutet, senkt gleichzeitig die Betriebskosten für Millionen Autofahrer. Langfristig dürfte sich deshalb die Frage stellen, wie sich das traditionelle Werkstattgeschäft an eine Fahrzeugwelt anpasst, die deutlich weniger Wartung benötigt. Klar ist aber, dass Werkstätten, die sich der Elektromobilität gegenüber nicht offen zeigen, keine allzu hohe Halbwertszeit haben dürften.

Quelle: Automobilwoche – E-Mobilität: Der Absturz im Service hat längst begonnen

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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