„Die Elektromobilität wird den Massenmarkt dominieren“

„Die Elektromobilität wird den Massenmarkt dominieren“
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Universität St. Gallen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Prof. Andreas Herrmann, Direktor des Instituts für Mobilität an der Universität St. Gallen, hat mit Frank Mertens von Autogazette über die Antriebswende gesprochen. Er verweist darauf, dass für eine klimafreundlichere Wirtschaft der Verkehrssektor essenziell ist, da er einer der größten Verursacher von CO2 ist: „In der Schweiz etwa stammen rund 40 Prozent der CO2-Emissionen aus dem Verkehr“, so Herrmann. „Diese Zahlen unterstreichen, wie groß der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist.“

In Deutschland entfällt gut ein Fünftel des CO2-Ausstoßes auf den Verkehr und bleibt das große Sorgenkind der europäischen Klimabemühungen, weil er seine Emissionen schon seit Jahren nicht groß senken kann.Es reicht aber nicht, nur auf Elektrofahrzeuge zu setzen“, sagt Herrmann, die Energie- und Mobilitätswende müsse als „ein integriertes System“ betrachtet werden.

Dazu gehöre auch Vehicle-to-Grid (V2G), ermöglicht durch bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen, die nicht nur Energie aus dem Stromnetz beziehen, sondern Strom auch wieder ins Netz zurückspeisen können. Das erhöht die Netzstabilität und die Nutzung erneuerbarer Energien. In vielen Pilotprojekten wurde V2G bereits erfolgreich getestet, unter anderem in der Schweiz: „Wir reden immer davon, dass wir einen hohen Überschuss an erneuerbaren Energien haben. Leider fehlt uns dafür das Speichernetz“, so Herrmann.

Daher sollte man auch Pkw, die ohnehin im Schnitt 23 Stunden am Tag geparkt sind, und Elektro-Lkw als rollende Energiespeicher nutzen und so Netzsicherheit und Netzstabilität erhöhen. Die sich durch die E-Mobilität erwachsenden Chancen für den Energie- und Strommarkt müsse man sich viel häufiger vergegenwärtigen, findet Herrmann. Dies in der Praxis umzusetzen, sei eine „Mammutaufgabe, die nicht von heute auf morgen bewältigt werden kann.“ Es brauche „eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Nur durch eine koordinierte Strategie auf allen Ebenen kann die Mobilitätswende erfolgreich umgesetzt werden“.

Für eine gelungene Mobilitätswende sei neben Industrie und Politik jeder einzelne gefragt: „Es handelt sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie berührt alle Bereiche des Lebens – von der Wirtschaft über die Umwelt bis hin zur sozialen Gerechtigkeit“. Einfache Lösungen dafür gebe es nicht. „Aber Nachhaltigkeit und Innovation werden die zentralen Treiber für die Mobilitätswende sein“, so der Wissenschaftler.

„Die Elektromobilität ist kein Allheilmittel, aber ein zentraler Baustein für die Mobilitätswende“

Der Einsatz von E-Fuels jedenfalls sei nicht zielführend im Pkw oder Lkw-Bereich:Der Energieaufwand zur Herstellung von E-Fuels ist enorm. Sie sind im Vergleich zur Elektromobilität keine praktikable Alternative für den breiten Markt“, erklärt er. „Auch wenn E-Fuels theoretisch CO2-neutral sein können, sind sie in der Herstellung extrem energieintensiv, was sie im Vergleich zu batteriebetriebenen Fahrzeugen deutlich ineffizienter macht.“ E-Fuels seien dort sinnvoll und werden dort weitaus dringender gebraucht, wo der batterieelektrische Antrieb nicht praktikabel ist, etwa bei Schiffen oder Flugzeugen.

Die Elektromobilität ist kein Allheilmittel, aber sie ist ein zentraler Baustein für die Mobilitätswende“, fasst Herrmann der Autogazette zufolge zusammen: „Wir werden in den nächsten Jahrzehnten eine Vielzahl von Antriebstechnologien parallel sehen. Aber die Elektromobilität wird den Massenmarkt dominieren.“

Quelle: Autogazette – „Es reicht nicht, nur auf Elektrofahrzeuge zu setzen“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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