E-Lkw: Welche Ladestandorte sind besonders attraktiv?

E-Lkw: Welche Ladestandorte sind besonders attraktiv?
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Felix Katz
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Das Fraunhofer Institut hat im Projekt „HoLa – Hochleistungsladen Lkw-Fernverkehr“ 1700 öffentliche Standorte in Deutschland ausgewertet und diese im Hinblick auf ihre Attraktivität und Eignung als Lkw-Ladestandort untersucht. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass weniger einzelne, sondern die Kombination mehrerer Merkmale entscheidend für die Attraktivität eines Standortes seien.

Der Aufbau von öffentlicher Ladeinfrastruktur für batterie-elektrische Lkw ist ein wichtiger Baustein zur Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs und spielt eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der deutschen und europäischen Klimaziele„, so das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI). im Hinblick auf die Attraktivität von konkreten Standorten bestehe jedoch noch Unklarheit. Eine neue Studie, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) geförderten Projekts „HoLa – Hochleistungsladen Lkw-Fernverkehr“ realisiert wurde, setzt hier an und befasst sich mit der Attraktivität von öffentlichen Lkw-Parkflächen und deren potenzieller Eignung für Lkw-Ladeinfrastruktur.

Analyse verknüpft öffentliche Daten mit Standortmerkmalen

Als Ausgangspunkt für die Analyse zur Standortattraktivität und künftiger Ladeinfrastruktur-Eignung dienten öffentlich zugängliche Daten zu gegenwärtigen Lkw-Parkflächen sowie eine vorherige Studie zu Lkw-Halteorten in Europa. Diese Daten wurden mit Informationen zu Standortmerkmalen wie der Anbindung an Autobahnen, dem Vorhandensein von Tankstellen und Autohöfen sowie Industrie- und Geschäftsinformationen aus dem Umfeld kombiniert, aggregiert und anhand einer multi-kriteriellen Entscheidungs- sowie Archetypenanalyse untersucht.

Die Auswertung der gut 1700 öffentlichen Standorte verdeutliche, dass weniger einzelne, sondern die Kombination mehrerer Merkmale entscheidend ist für die Attraktivität eines Standortes: Über 70 Prozent aller Stopps liegen an einem von drei Clustern bestehend aus einer Kombination von Gewerbe- und Industriegebieten, Parkplätzen mit Service-Arealen sowie Rastanlagen. Folglich lautet eine Empfehlung, sich beim Aufbau von öffentlicher Ladeinfrastruktur für E-Lkw an Orten zu orientieren, die genau diese Merkmale aufweisen: Hier verweilen schon heute viele Lkw für eine gewisse Zeit und die Fahrer künftiger E-Lkw könnten während ihres Ladevorganges vorhandene Serviceangebote nutzen und danach ihre Fahrt zügig fortsetzen.

Wo sich die attraktivsten und am besten geeigneten möglichen Ladeorte für E-Lkw genau befinden, soll eine interaktive Karte des Fraunhofer Instituts zeigen, die auf Basis von OpenStreetMaps.org (OSM) erstellt wurde. Durch einen Klick auf einzelne Standorte werden deren Geokoordinaten und Attraktivität auf einer Skala von eins (unattraktiv) bis 100 (hochattraktiv) angezeigt. Je höher also der Wert, desto größer die Eignung für den potenziellen Aufbau einer Ladeinfrastruktur. Die Attraktivität wird zusätzlich durch die Farbskala verdeutlicht. Sollten sich in einem kleinen Umkreis mehrere mögliche Standorte befinden, zum Beispiel auf unterschiedlichen Seiten der Autobahn, so ist lediglich der Mittelpunkt auf der Karte abgebildet.

E-Lkw: Welche Ladestandorte sind in Zukunft besonders attraktiv?
Empfehlenswert sei, sich beim Aufbau von E-Lkw-Ladestationen an Orten mit Gewerbe- und Industriegebieten, Parkplätzen mit Service-Arealen sowie Rastanlagen zu orientieren. | Bild: Screenshot Fraunhofer ISI

„Es ist wichtig, die Elektrifizierung im Schwerlastverkehr voranzutreiben“

Dr. Patrick Plötz, der am Fraunhofer ISI das Geschäftsfeld Energiewirtschaft und dort auch das Projekt HoLa leitet, hebt den hohen Nutzwert der Datenauswertung für die Planungen künftiger potenzieller Ladestandorte hervor: „Angesichts der Tatsache, dass der Verkehrssektor für über ein Fünftel der Treibhausgasemissionen Deutschlands verantwortlich ist und ihr relativer Anteil zuletzt sogar zunahm, ist es wichtig, die Elektrifizierung gerade im Schwerlastgüterverkehr schnell voranzutreiben, der einen Löwenanteil dieser Emissionen verursacht. Unsere Auswertung im Projekt HoLa kann daher einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Aufbau der Ladeinfrastruktur für E-Lkw voranzutreiben und E-Lkw schnell auf die Straßen zu bringen. Unsere interaktiven Karten können Ausgangspunkt für konkrete Planungen sein – für politische Entscheidungsträger:innen genauso wie für Privatunternehmen – um aktuell bereits aktiv genutzte und attraktive Lkw-Halteorte mit Ladeinfrastruktur auszustatten.“

Im vom Fraunhofer ISI geleiteten und unter der Schirmherrschaft des VDA stehenden Projekt „HoLa – Hochleistungsladen Lkw-Fernverkehr“ werden an vier Standorten je zwei Hochleistungsladepunkte mit dem Megawatt Charging System (MCS) aufgebaut und im realen Logistikbetrieb untersucht. Die Ladepunkte sind Grundlage für einen flächendeckenden Ausbau der MCS-Technologie. Das HoLa-Projekt ist eines von mehreren Innovationsclustern für klimafreundliche Lkw-Antriebstechnologien, die das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) im Rahmen der Umsetzung des Gesamtkonzeptes klimafreundlichen Nutzfahrzeuge fördert. Am Projekt sind insgesamt 13 Konsortial- und acht assoziierte Partner aus Industrie und Forschung beteiligt – darunter die Lkw-Hersteller Daimler Truck, MAN, Scania, Traton und Volvo.

Quelle: Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) – Pressemitteilung vom 18.04.2023

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Felix Katz

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Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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