Dieses E-Fahrzeug soll 50 Jahre halten

Dieses E-Fahrzeug soll 50 Jahre halten
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e.Volution

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die RWTH Aachen hat auf dem Aachener Werkzeugmaschinenkolloquium (AWK) ein Internet-of-Sustainable-Production-Konzept (IOSP) für eine wertsteigernde und lebensverlängernde Kreislaufwirtschaft vorgestellt. Das berichtet die e.Volution GmbH in einer Pressemitteilung. Dazu seien zahlreiche Demonstratoren präsentiert worden.

Das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen habe zusammen mit dem Spin-off e.Volution ein Circular-Economy-Fahrzeug entwickelt, das 50 Jahre halten soll. Erstmals werde ein Teil einer Upgrade Re-Assembly Factory gezeigt, in dem die Fahrzeuge alle fünf Jahre industriell erneuert und aktualisiert werden könnten. Professor Günther Schuh, der schon StreetScooter und e.GO gegründet hat, wolle zeigen, dass damit ein Next-Generation-Fahrzeugbau-Konzept möglich werde, mit dem E-Fahrzeuge wesentlich günstiger und nachhaltiger gebaut und betrieben werden könnten.

Selbsttragende Karosserie

Dieses Konzept erfordere eine neue Modularität der Autos, in dem die selbsttragende Karosserie durch ein langlebiges Chassis und austauschbare kurzlebigere Exterieur- und Interieur-Komponenten ersetzt werde. „Der Elektromotor macht das möglich, weil er vier bis fünf-mal so lange lebt wie ein Verbrennungsmotor“, heißt es in der Mitteilung. Voraussetzung für die Upgrade-Fähigkeit der Fahrzeuge seien weitergehende Standards. Eine Art Linux für Autos, genannt Oscar – Open Source Car Architecture Research –, wurde demnach auf dem RWTH Aachen Campus gegründet, um mit Herstellern, Zulieferern und Technologiepartnern die Communities zusammenzubringen, die die rollierenden Standards festlegen.

Auf dem AWK seien erste generische Aluminium-Profil-Chassis für verschiedene Fahrzeugkategorien gezeigt worden. Der Entwicklungs- und Homologationsaufwand für ein neues E-Fahrzeug werde dadurch drastisch reduziert und die Standardschnittstellen erhöhen die Economies-of-Scale bei den Komponenten. Bis zu 80 Prozent heutiger Werkzeugkosten für die Karosserie würden durch das Aluminium-Profil-Chassis und das Thermoplast-Exterieur eingespart. Elektroautos und Fahrzeuge in kleineren Stückzahlen könnten so wesentlich günstiger hergestellt werden.

Teile leicht austauschbar

Nahezu alle innovationsträchtigen und designrelevanten Komponenten wie Displays, Sensoren, Vehicle Computer, Batterie, Scheinwerfer, Außenhaut, Sitze, Interieur könnten in einer Re-Assembly Factory ausgetauscht werden. Nischenfahrzeuge und zusätzliches Customizing durch Sonderfahrzeugbauer und Drittanbieter würden wirtschaftlich möglich und eröffneten damit neue Marktsegmente für außergewöhnliche und emotionalisierende Elektroautos.

Auf dem AWK präsentierte e.Volution seine ersten beiden Fahrzeuge basierend auf dem Oscar Chassis, den Meta als Corporate Shuttle (sechs bis sieben Sitze) mit multimedialen Büroarbeitsplätzen für Berufspendler und den Space mit kurzem und langem Radstand (fünf und sieben Sitze) als Dienstwagen für Langstreckenfahrer oder als Family Shuttle.

„Gefühlte unendliche Reichweite“

Die hohe Bauweise des Space schaffe den Platz für Wasserstofftanks und Brennstoffzelle. Um echte Reichweiten von 750 Kilometer und mehr zu erreichen, bekomme der Space in fünf Jahren einen Brennstoffzellen-Range-Extender zu dem derzeit ein bauähnlicher Low Cost Elektrolyseur für die Heimanwendung entwickelt werde. Auf dem AWK stehe als Übergangslösung ein Prototyp des Space mit einem Zweizylinder-Range-Extender mit LPG-Tank, da vorerst noch kein grüner Wasserstoff in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. Auch wenn der Langstreckenfahrer zu 85 Prozent ohne den Range Extender auskommen werde, verschaffe ihm die Tankzeit von weniger als fünf Minuten die gefühlte unendliche Reichweite.

Damit die Nutzer grün und günstig fahren könnten, bietet e.Volution die Fahrzeugbatteriemodule baugleich zusätzlich als Heimspeicher für Photovoltaikanlagen an. Die Fahrzeugbatteriemodule dienten dort in ihrem zweiten Lebenszyklus der Erweiterung der Heimspeicherkapazität. Mit diesem Ansatz eines ganzheitlichen Ökosystems und dem Konzept der Circular Economy Fahrzeuge leiste e.Volution einen wichtigen Beitrag für konsequent nachhaltige Mobilität, schreibt es abschließend in seiner Mitteilung.

Quelle: e.Volution GmbH – Pressemitteilung vom 11.05.2023

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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