ADAC: Digitale Außenspiegel noch nicht ausgereift

ADAC: Digitale Außenspiegel noch nicht ausgereift
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Kamerasysteme im Auto, etwa statt klassischer Rückspiegel, können für mehr Sicherheit und Komfort sorgen. In der Praxis allerdings zeigt sich, wie wir schon bei mehreren Testwagen festgestellt haben, dass manche Systeme noch nicht wirklich ausgereift sind. Das sagt nun auch der ADAC, und weist in einer aktuellen Mitteilung darauf hin, dass Kamerasysteme nicht nur Chancen bieten, sondern auch Risiken und Kostenfallen mit sich bringen.

Gerade in unübersichtlichen Fahrzeugen erleichtern zum Beispiel Front-, Rückfahr- oder 360-Grad-Kameras das Einparken und Rangieren erheblich. Der ADAC bewertet seit dem Jahr 2000 im Autotest die Sicht aus dem Auto: Von mehr als 3000 seither getesteten Fahrzeugen haben nur 20 mit sehr gut und 121 mit gut abgeschnitten. Die USA haben auf diese Entwicklung bereits reagiert, dort sind Rückfahrkameras seit 2018 in Neuwagen vorgeschrieben.

Einzelne Hersteller setzen neben Rund-um-Kameras inzwischen auch auf digitale Seiten- oder Innenspiegel, die unter anderem durch ein größeres Sichtfeld die Übersicht verbessern sollen. Der Blick nach hinten per Kamera ist auch dann frei, wenn die eigentliche Sicht durch Insassen oder Gepäck versperrt ist. Auch in Transportern oder Campern, die oft gar keine Heckscheibe haben, ist ein digitaler Rückspiegel hilfreich. Anders als bei einer Rückfahrkamera, wird das Bild direkt im Spiegel angezeigt und ist immer sichtbar.

Virtuelle Außenspiegel sollen aufgrund der kleineren Kameras den Luftwiderstand verringern, gleichzeitig kann damit der tote Winkel minimiert werden. Allerdings sind die Displays in der Türverkleidung oft ungünstig positioniert und es fehlt die Möglichkeit, das Sichtfeld durch Verändern der Kopfposition zu vergrößern. Außerdem ist die Tiefenwahrnehmung bei Displaydarstellungen erheblich eingeschränkt, was die Entfernungseinschätzung erschwert. Für Brillenträger bergen die Systeme zusätzliche Risiken, da Reflexionen und Blendungen auf den Displays die Sicht beeinträchtigen können.

Hohe Reparaturkosten drohen im Schadensfall

Ein zentrales Risiko kamerabasierter Systeme liegt in den hohen Reparaturkosten, die selbst bei kleinen Parkremplern entstehen können. Die außen angebrachten Kameras sind oft exponiert und bei geringsten Kollisionen gefährdet. Ein leichter Kontakt mit einem Poller kann ausreichen, um die empfindlichen Kamerasysteme zu beschädigen. Oft ist ein vollständiger Austausch der Kameraeinheit erforderlich, einschließlich Linse, Sensor und Gehäuse. Dieser Austausch geht schnell in die Hunderte Euro, insbesondere wenn danach eine aufwendige Kalibrierung mit spezieller Diagnoseausrüstung notwendig ist. Hinzu kommt, dass die Teilkaskoversicherung, obwohl sie Glasschäden abdeckt, Schäden an den Kameralinsen in der Regel nicht abdecken.

Der ADAC rät Verbrauchern, vor dem Kauf eines Fahrzeugs mit Kamerasystemen gründlich zu überlegen, ob der potenzielle Mehrwert die erhöhten Kosten rechtfertigt. Eine ausführliche Probefahrt ist unerlässlich, um die Systeme unter realen Bedingungen zu testen. Die Fahrzeughersteller fordert der Mobilitätsclub auf, Kamerasysteme robuster gegen Schäden auszulegen und die Reparaturmöglichkeiten zu verbessern.

Quelle: ADAC – Pressemitteilung vom 29.08.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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