T&E: Deutschland ist Europas „SUV-Steuerhimmel“

T&E: Deutschland ist Europas „SUV-Steuerhimmel“
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Michael Neißendorfer
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Die steuerlichen Anreize in Deutschland, Unternehmen hin zu Elektroautos zu lenken, gehören zu den schwächsten in Europa und sind dreimal niedriger als in Frankreich. Auch Polen, Spanien und Italien schneiden bei der Entwicklung eines grüneren Steuersystems schlechter ab als ihre Nachbarländer, so Transport & Environment (T&E) in einer aktuellen Mitteilung.

Deutschland bietet demnach eine der kleinsten „Steuerlücken“ zugunsten von elektrischen Firmenwagen. Der Steuerunterschied, den Unternehmen für ein Benzinauto im Vergleich zu einem Elektroauto zahlen, beträgt nur knapp 9000 Euro über vier Jahre, verglichen mit mehr als 24.000 Euro in Frankreich, wie eine neue T&E-Analyse zeigt. Noch attraktiver ist der Umstieg auf Elektroautos in Österreich (mehr als 31.000 Euro Steuerersparnis), Irland (mehr als 34.000 Euro) und Norwegen (mehr als 39.000 Euro). Am teuersten kommt Unternehmen das Festhalten am Verbrenner in Dänemark, wo sie über vier Jahre hinweg 43.340 Euro mehr dafür einkalkulieren müssen. Mit einigen der höchsten Steuern auf umweltschädliche Firmenwagen zeigen die diese Länder, dass das Verursacherprinzip auch zu höheren Elektrifizierungsraten führt.

Die Kluft zwischen den beiden größten Automobilmärkten der EU Deutschland und Frankreich wird hingegen sogar noch größer, je größer das Auto ist, bis zu dem Punkt, dass kein anderes EU-Land großen umweltschädlichen SUV-Firmenautos so viele Steuervorteile biete wie Deutschland, moniert der Verband. Eine größere Steuerlücke wäre ein wichtiger Anreiz, die Nachfrage nach Elektroautos zu beschleunigen, heißt es im Good Tax Guide von T&E, der sich mit Steuerlücken in 31 europäischen Ländern befasst.

EU-Länder-Steuern-Elektroautos-Verbrenner
T&E

Firmenwagen machen 60 Prozent aller Neuwagen in der EU aus und sind daher ein wichtiger Markt, um die Elektrifizierung des Verkehrssektors zu beschleunigen, da viele dieser Autos nach wenigen Jahren auf dem Gebrauchtwagenmarkt landen. Allein die fünf wichtigsten Märkte (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen) machen 71 Prozent der Firmenautoverkäufe und 42 Prozent aller Neuverkäufe in der EU aus. Aber nur Frankreich schaffe aus diesem Quintett wirklich effektive Anreize für den Kauf von elektrischen Firmenwagen.

Spanien, mit einer sehr geringen Steuerlücke zugunsten von gewerblich genutzten Elektroautos (3200 Euro), könne die Elektrifizierung nicht signifikant fördern. Italien hat eine größere Steuerdifferenz (14.700 Euro), was aber immer noch weniger als die Hälfte ist von Portugal (30.300 Euro), dem südeuropäischen Land mit der in dieser Hinsicht strengsten Besteuerung in der T&E-Rangliste.

Die Besteuerung von Firmenwagen treibt insgesamt den Trend Europas zu großen SUVs an. Im Jahr 2024 entfielen auf große Benzin- und Diesel-SUVs (Segmente D bis G) 10,3 Prozent der Neuwagen-Zulassungen für Unternehmen, fast doppelt so viel wie der Anteil auf dem privaten Markt (5,5 Prozent), während der Anteil schwererer SUVs (Segmente E bis G) viermal höher war als im privaten Segment (2,5 Prozent gegenüber 0,8 Prozent).

Schwere SUV sparen mehr Steuern, als sie kosten

Deutschland hat demnach die schlechteste Politik, wenn es darum geht, stark umweltschädliche Firmenwagen zu besteuern. Unternehmen erhalten für Dienstwagen sogar mehr steuerliche Vorteile – durch Mehrwertsteuerabzüge und Abschreibungen – als die Steuern, die sie letztendlich noch zahlen müssen auf das Fahrzeug. Infolgedessen landen 40 Prozent der in der EU verkauften schwereren Verbrenner-SUV in Unternehmen auf dem deutschen Markt. Im Gegensatz dazu bestraft Frankreich diese Umweltverschmutzer, etwa mit bis zu 70.000 Euro einmaliger Zulassungssteuer, wodurch diese Fahrzeuge einen Anteil von nur 0,3 Prozent erreichen. Auch andere große Märkte wie Italien, Spanien oder Polen geben keine besonderen Anreize für diese Fahrzeuge.

Deutschland-Europa-Steuerersparnis-Verbrenner
Beispielrechung für einen SUV im E-Segment/ T&E

T&E schlussfolgert, dass die Neuordnung des Steuersystems für Dienstwagen gerade in Deutschland unerlässlich sei, um den Trend zu großen umweltschädlichen SUVs einzudämmen. Frankreich, Portugal und Slowenien etwa hätten viel umweltfreundlichere Steuersysteme und besteuern Firmenwagen auf der Grundlage ihrer CO2-Emissionen und ihres Gewichts. Deutschland ist eines von nur noch sieben EU-Ländern, die noch keine Zulassungssteuer für Verbrennerfahrzeuge haben.

„Regierungen sollten mutiger sein“

„Viele Regierungen in Europa – insbesondere die großen Länder wie Deutschland – haben eine Steuerpolitik für Autos, die schlecht für das Klima und schlecht für die Zukunft unserer Automobilindustrie ist und reiche Fahrer für die Umweltverschmutzung sogar noch belohnt“, moniert Stef Cornelis, T&E-Direktor für Electric Fleets. Die Lösung sei „ziemlich einfach: Regierungen sollten den Mut haben, Autos daraufhin zu besteuern, wie sehr sie die Umwelt verschmutzen und wie viel Platz sie einnehmen.“ Dies könne mehr Einnahmen generieren und die Nachfrage nach Elektroautos ankurbeln.

Harsche Kritik übt T&E in dieser Hinsicht am deutschen Automobilverband VDA, der sich gegen höhere Steuern auf Verbrenner ausspricht: „Sie können sich nicht über mangelnde Nachfrage nach E-Autos beschweren und die Europäische Kommission bitten, ihre CO2-Ziele abzuschwächen und gleichzeitig grüne Steuerreformen ablehnen oder die Pläne der Europäischen Kommission zur Beschleunigung der Elektrifizierung von Firmenwagenflotten zurückdrängen“, so Cornelis.

Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 23.04.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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