Deutsche Autokonzerne bei Marge spitze – nur Tesla ist profitabler

Deutsche Autokonzerne bei Marge spitze – nur Tesla ist profitabler
Copyright:

Grisha Bruev / Shutterstock.com

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Die Autokonzerne trotzen der Chipkrise, Lieferkettenunterbrechungen und dem Krieg in der Ukraine und weisen von Quartal zu Quartal höhere Gewinne aus: Die 16 größten Autokonzerne der Welt haben im ersten Quartal einen operativen Gewinn von insgesamt 34,1 Milliarden Euro eingefahren – 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste je in einem ersten Quartal erwirtschaftete Gewinn.

Trotz eines kräftigen Absatzrückgang um elf Prozent kletterte der Umsatz um sieben Prozent. Die stärksten Absatzeinbußen verzeichneten die Unternehmen in China, wo die Verkäufe um 17 Prozent einbrachen. In den USA ging es um 16 Prozent nach unten, in Westeuropa um 12 Prozent. Spitzenreiter beim Umsatz war Volkswagen mit 62,7 Milliarden Euro, dicht gefolgt von Toyota mit 62,2 Milliarden Euro.

Die höchsten Gewinne verzeichneten Volkswagen (8,3 Milliarden Euro), Mercedes-Benz (5,2 Milliarden Euro) und Toyota (3,6 Milliarden Euro). Bei den Gewinnmargen hatte hingegen erneut Tesla die Nase vorn: Der kalifornische Elektroautobauer erzielte eine Marge von 19,2 Prozent und lag damit vor Mercedes-Benz (15 Prozent), Volkswagen (13,3 Prozent) und BMW (10,9 Prozent).

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY quartalsweise erstellt.

„Die nackten Zahlen zum ersten Quartal sind hervorragend, die tatsächliche Lage in der Autoindustrie ist hingegen extrem angespannt“, urteilt Constantin M. Gall, Managing Partner und Leiter Mobility bei EY für die Region Europe West. Die gute Umsatz- und Gewinnentwicklung sei vor allem auf den Chipmangel zurückzuführen: „Die raren Halbleiter werden vor allem in große und teure Neuwagen eingebaut; gleichzeitig müssen die Hersteller kaum noch Preisnachlässe gewähren, da die Nachfrage größer ist als das Angebot.“ Von dieser Ausnahmesituation profitieren vor allem Anbieter im Premiumsegment, so Gall: „Hochpreisige Neuwagen verkaufen sich bestens, Premium-Anbieter fahren derzeit Traummargen ein.“

Nicht alle Hersteller verzeichnen allerdings eine gestiegene Profitabilität. So schrumpfte die Marge von Toyota im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 9 auf 5,7 Prozent, Ford verzeichnete einen Rückgang von 8,5 auf 5,2 Prozent. Etliche Konzerne kämpfen nach wie vor mit einer niedrigen Marge: Die Hälfte der untersuchten Unternehmen meldet für das erste Quartal eine Marge von weniger als sechs Prozent. Gall: „Die Autokonzerne haben im ersten Quartal so viel Gewinn gemacht wie nie zuvor. Allerdings entfiel die Hälfte des Gesamtgewinns auf die Top-3-Verdiener. An einigen Unternehmen geht der aktuelle Gewinn-Boom vollständig vorbei.“

China bereitet zunehmend Sorgen

Die große Unbekannte sei derzeit die weitere Entwicklung auf dem wichtigen chinesischen Markt, der im ersten Quartal immerhin für 39 Prozent des Absatzes der deutschen Autokonzerne stand. Peter Fuß, Partner bei EY, betrachtet die Entwicklung dort mit Sorge: „In China gerät der Neuwagenabsatz wegen der harten Lockdown-Maßnahmen massiv unter Druck. Ein Ende der rigorosen Corona-Politik der chinesischen Behörden ist noch nicht absehbar, daher drohen hier weitere Absatzrückgänge in den kommenden Monaten. Zudem ist auch die Produktion vor Ort stark eingeschränkt – mit Folgen für die weltweiten Lieferketten.“ Die Einschränkungen in China dürften daher weltweit zu spüren sein, fürchtet Fuß.

Ausblick: Hoffen auf mehr Halbleiter

Die Hoffnungen der Hersteller ruhen derzeit vor allem auf einer besseren Versorgung mit Halbleitern. „Wenn sich die Situation bei den Chips tatsächlich in den kommenden Monaten langsam verbessert, könnte das zu steigenden Absatzahlen führen, denn die Orderbücher der Hersteller sind sehr gut gefüllt“, sagt Fuß. Allerdings werden sich gleichzeitig auch die massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten in den Bilanzen der Konzerne widerspiegeln. Ein weiteres Gewinnwachstum sei daher unwahrscheinlich – auch angesichts der schwierigen Lage in China.

Am Fokus auf Premiumfahrzeuge dürfte sich vorerst wenig ändern, erwartet Gall, wobei sich die Ressourcenallokation weiter von Verbrennern auf elektrifizierte Fahrzeuge verlagern: „Die Hersteller verdienen mit Elektroautos zunehmend richtig Geld. Gerade im gehobenen Preissegment kommen viele neue und sehr attraktive Elektroautos auf den Markt. Die Nachfrage ist sehr groß, die Bereitschaft, einen Premiumaufschlag zu zahlen, ebenfalls.“ Das Premiumsegment dürfte zudem am wenigsten unter der erwarteten weiteren Konjunkturabschwächung leiden, erwartet Gall: „Die Konjunkturaussichten sind derzeit alles andere als rosig. Die steigende Inflation reduziert die Kaufkraft, und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung etwa bei der Energieversorgung ist groß. Die Autohersteller sollten sich daher für stürmische Zeiten wappnen.“

Quelle: EY – Pressemitteilung vom 27.05.2022

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Welche Automobilhersteller werden 2035 den Weltmarkt anführen?

Welche Automobilhersteller werden 2035 den Weltmarkt anführen?

Daniel Krenzer  —  

Chinesische Automobilhersteller könnten bis 2035 den Weltmarkt dominieren. Eine KPMG-Studie zeigt, wie sich die globale Rangordnung verändern dürfte.

ICCT: Lockerungen durch EU könnte 185.000 Arbeitsplätze kosten

ICCT: Lockerungen durch EU könnte 185.000 Arbeitsplätze kosten

Daniel Krenzer  —  

Laut ICCT könnte eine Lockerung der EU-CO₂-Vorgaben bis 2035 rund 185.000 Arbeitsplätze kosten. Besonders betroffen wäre die deutsche Automobilindustrie.

Obrist pleite: Aus für HyperHybrid und Methanol-Pläne

Obrist pleite: Aus für HyperHybrid und Methanol-Pläne

Sebastian Henßler  —  

Ein Tesla mit Methanol-Motor und 1000 Kilometern Reichweite war das Aushängeschild. Nun sind Obrist Powertrain und Obrist Technologies im Konkurs.

Afrikanische Union will stärker auf E-Autos setzen

Afrikanische Union will stärker auf E-Autos setzen

Michael Neißendorfer  —  

Die Afrikanische Union hat große Pläne für den Ausbau der Elektromobilität – als Chance für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Auch für Europa.

Upgrade statt Neukauf: So soll das E-Auto 50 Jahre fahren

Upgrade statt Neukauf: So soll das E-Auto 50 Jahre fahren

Sebastian Henßler  —  

Prof. Dr. Günther Schuh denkt das E-Auto neu: Das Chassis hält 50 Jahre, während Design, Technik und Batterie in festen Abständen erneuert werden.

Europas Automobilregionen fordern klaren Fokus auf E-Autos

Europas Automobilregionen fordern klaren Fokus auf E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobilregionen der EU fordern gezieltere Investitionen zur Unterstützung des Übergangs zu Elektroautos und eine klare Richtung.

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

Sebastian Henßler  —  

Mehr als die Hälfte aller LFP-Patente stammt aus China. Europa kommt 2024 auf knapp sieben Prozent, obwohl die Grundlagen in den USA und Kanada entstanden.