Concept Car von Renault: Vollgestopft mit Zukunftstechnologien

Concept Car von Renault: Vollgestopft mit Zukunftstechnologien
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Renault

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Das erst vor zwei Jahren gegründete Innovationsnetzwerk Software République präsentiert auf der Messe Viva Technology 2023 in Paris als Weltneuheit ein kollaboratives Concept Car mit insgesamt 20 Innovationen, die eine auf den Menschen ausgerichtete Mobilität der Zukunft repräsentieren sollen. Das schreibt Renault in einer Pressemitteilung. Der Name des Technologiedemonstrators ist demnach H1st vision („Human First vision“).

Als Besonderheit verfüge der physische H1st vision über einen virtuellen Zwilling in einem digitalen Universum, in dem derzeit noch unabhängige Systeme (Infrastruktur, Energie, öffentliche Dienste, Nutzer verschiedener Kategorien) miteinander kommunizierten. Auf diese Weise ließen sich die verschiedenen realen Anwendungsfälle modellieren, visualisieren und simulieren. Dank der Vernetzung mit seiner Umgebung stehe der H1st vision in ständigem Dialog mit digitalen und physischen Ökosystemen. Dies mache ihn nicht nur zu einem Konzeptfahrzeug, sondern zu einer greifbaren Vision des Mobilitätserlebnisses von morgen.

20 teils verblüffende Innovationen

Die 20 Innovationen des Technologiedemonstrators sollen den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Sie seien ausnahmslos voll funktionsfähig und beinhalten laut Renault unter anderem:

  • eine völlig neuartige und sichere biometrische Zugangskontrolle
  • ein einzigartiges Klangerlebnis im Innenraum
  • optimierte Fahrzeugreichweite und Aufladung
  • einen Fahrer- und Fahrzeuggesundheitsmonitor und -assistenten
  • vorausschauende Warnungen zum Schutz von Insassen und anderen Verkehrsteilnehmern
  • Geballtes Know-how für eine nachhaltige, souveräne und sichere Mobilität

Als offenes Innovationsökosystem, das von sechs großen Unternehmen gegründet worden sei (Atos, Dassault Systèmes, Orange, Renault Group, STMicroelectronics und Thales), habe sich Software République klare Ziele gesetzt, um zu einem europäischen Ökosystem für nachhaltige, souveräne und sichere Mobilität beizutragen. Der Fahrplan sehe vor, bis 2025 zehn neue digitale Dienste und Produkte auf den Markt zu bringen, mindestens 50 Start-ups zu fördern und digitale Services in mehr als 50 Regionen der Welt anzubieten.

100-köpfiges Team am Werk

Im H1st vision stecke das gesammelte Know-how der Software-République-Mitglieder sowie vielversprechender Start-ups. Das Fahrzeug sei von einem 100-köpfigen Team in der Rekordzeit von sechs Monaten entwickelt worden. Damit beweise Software République die Relevanz seines Modells der offenen Innovation für die Entwicklung realer Industrieprojekte, die dazu beitragen sollen, Europa zu einem herausragenden Zentrum für die Mobilität der Zukunft zu machen.

Hierzu sagte Eric Feunteun, Chief Operating Officer Software République: „Das Concept Car H1st vision ist ein vernetztes, physisches und virtuelles Objekt, das sowohl eine belastbare Methode der Zusammenarbeit zwischen den Partnern als auch die Komplementarität der Technologien von Dassault Systèmes, Orange, ST Microelectronics, der Renault Group und Thales bei der Entwicklung der Mobilität der Zukunft demonstriert.“

Der H1st vision vereine bahnbrechende Technologien, die Sicherheit und Wohlbefinden der Insassen steigern sowie die Auswirkungen der Fahrzeugnutzung auf die Umwelt verringern sollen. Hierzu zähle eine Software zur Erkennung der Körperhaltung und des Gesichts, die sich aktiviere, wenn der Fahrer sich dem Wagen nähert, und den Zugang zum Fahrgastraum sowie den Start des Fahrzeugs ermögliche.

Neuartiges Authentifizierungssystem

Die Nutzer erstellen zuvor ein Profil auf einem Tablet. Ihre Daten (Name, Größe, ein Foto ihres Gesichts und ein Video von ihnen beim Gehen) werden verschlüsselt und im Fahrzeug gespeichert„, führt Renault aus. Ein Avatar, der auf die Fensterscheibe und anschließend auf die Mittelkonsole projiziert werde, begrüße den Nutzer und helfe ihm bei der Bedienung aller verfügbaren Fahrzeugfunktionen. Zusätzlich bewege sich der Fahrer- oder Beifahrersitz automatisch in die richtige Position. Dieses neuartige Authentifizierungssystem helfe dabei, Autovermietung, Carsharing, Pooling und Führerscheinkontrollen zu vereinfachen.

Das in Zusammenarbeit mit dem Musiker und Musikproduzenten Jean-Michel Jarre entwickelte immersive Audiosystem mit 16 Lautsprechern hülle den Benutzer in einen Soundkokon ein und sorgt in Kombination mit einem innovativen Mikrofon für ein räumliches Klangerlebnis auf jedem Sitz. Besonderes Detail: Einer der beiden Hochtöner in der Kopfstütze warne den Fahrer akustisch vor einem herannahenden Einsatzfahrzeug.

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Renault

Der H1st vision verfüge außerdem über eine Bezahlsystem-Schnittstelle im Auto und einen intelligenten Parkassistenten. Die Basis bilde die Vernetzung mit anderen Fahrzeugen und Mobilitätsdienstleistern. Ja nach Bedarf habe der Fahrer die Wahl zwischen dem nächstgelegenen Parkplatz, einem Stellplatz in der Nähe öffentlicher Verkehrsmittel oder einer Abstellmöglichkeit an einer V2G-tauglichen Ladestation (Vehicle to Grid), die es erlaubt, Batteriestrom ins Netz zu speisen.

Steigerung der Reichweite

Um die Mobilität nachhaltig zu gestalten, kämen in Wechselrichtern, Ladegeräten und Gleichspannungswandlern Siliziumkarbid-Komponenten zum Einsatz. Im Vergleich zu herkömmlichen Siliziumbauteilen ermöglichten diese Komponenten eine erhebliche Verkürzung der Ladezeit, da sie auch die Effizienz von Ladestationen erheblich erhöhen. Dies wiederum erlaube eine Steigerung der Fahrzeugreichweite oder eine Verringerung der Batteriegröße und damit den Bau leichterer Fahrzeuge. Außerdem verlängere sich die Reichweite durch Entlastung des Akkus. Bereits in der nächsten Renault-Modellgeneration werde diese Technik zum Einsatz kommen.

Die Powerbox-Ladegeräte des H1st vision funktionierten in beide Richtungen, so dass das Fahrzeug Batteriestrom ins Netz einspeisen oder bei Verbrauchsspitzen die Stromversorgung zu Hause sicherstellen könne. Dieses intelligente Energiemanagementsystem helfe, die Kosten bei Verbrauchsspitzen zu steuern und die Nutzung erneuerbarer Energien zu optimieren.

Der H1st vision sei darüber hinaus in der Lage, den Gesundheitszustand der Insassen zu überwachen. So kontrollierten Sensoren im Lenkrad des H1st vision unmerklich den Herzschlag des Fahrers. Ein weiterer Sensor im Sicherheitsgurt analysiere die Atemfrequenz. Das System vergleiche die Daten mit dem „üblichen“ Profil des Fahrzeuglenkers und informiere diesen nach der Analyse über seinen Gesundheitszustand. Eine Kamera im Fahrzeug und das Mikrofon unter dem Rückspiegel könnten ferner die Stimmung des Fahrers erkennen, indem sie seine Stimme und Mimik analysieren. Stelle die E-Mood-Technologie fest, dass der Fahrer gereizt oder gestresst ist, schlage sie ihm eine Atemübung vor, um ihn zu entspannen.

Wie gesund ist der Fahrer – und das Auto?

Der Gesundheitsüberwachungsassistent des H1st vision analysiere die Gesundheitsdaten des Fahrers und kann diesem eine Pause vorschlagen, bevor er fahruntauglich wird. Während der Pause kann das System die Gesundheitsdaten mit Zustimmung des Fahrers an einen medizinischen Hilfsdienst senden und eine Videokonferenz mit einem Arzt einrichten. Bei einem Zwischenfall ist der H1st vision außerdem in der Lage, einen Notruf an die Rettungsdienste abzusetzen.

Renault-Konzept-H1st-vision-Cockpit
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Auch der Verschleißzustand wichtiger Fahrzeugkomponenten wie der Batterie oder der Reifen werde überwacht. Der H1st vision könne ein fälschungssicheres „Fahrzeug-Gesundheitszertifikat“ erstellen. Neben Angaben zum Zustand wichtiger Komponenten enthalte es Informationen zur Anzahl der Besitzer und Inspektionen sowie Bescheinigungen der Werkstätten, welche die Wartung vorgenommen haben.

Der H1st vision verarbeite ständig Daten, die er in Echtzeit aus dem gesamten vernetzten Ökosystem erhält. Hinzu kämen archivierte Daten. Seine Softwareplattform sammele, teile und analysiere Informationen aus dem Stadt- und Straßennetz, von anderen Fahrzeugen und Verkehrsteilnehmern sowie Wetterdaten und mehr. Das Concept Car sei deshalb in der Lage, Gefahren wie Unfälle oder Glatteis vorauszusehen und warne den Fahrer in Echtzeit über ein Display im Instrumententräger.

Quelle: Renault – Pressemitteilung vom 14.06.2023

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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