Chinesischer Elektroauto-Boom könnte Ölpreise stürzen

Chinesischer Elektroauto-Boom könnte Ölpreise stürzen
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Sobald es Elektroautos geschafft haben, sich am Massenmarkt durchzusetzen, könnte sich das massiv auf den Ölpreis auswirken, berichtet Oilprice.com. Etliche Analysten gehen in langfristigen Prognosen davon aus, dass die Nischenidee Elektromobilität zunehmend Marktanteile vom traditionellen Verbrennungsmotor übernehmen wird. Dafür gebe es viele Gründe – Politik und Markt stärken sich gegenseitig, was die Elektroauto-Revolution immer wahrscheinlicher mache.

Bloomberg New Energy Finance (BNEF) zufolge dürften Elektroautos durch die fallenden Kosten für Batterien zwischen 2025 und 2029 billiger werden als benzin- oder dieselbetriebene Fahrzeuge. BNEF prognostiziert, dass Elektroautos bis 2040 mehr als die Hälfte aller Neuwagenverkäufe erfassen werden.

Die Regierungspolitik einiger wichtiger Länder könnte diesen Trend sogar noch beschleunigen. Großbritannien und Frankreich haben bereits angekündigt, Benziner und Diesel bis 2040 verbieten zu wollen. Ähnliches haben die der US-Bundesstaat Kalifornien sowie die Niederlande, Norwegen und Schottland vor. China und Indien haben ebenfalls bereits Schritte in diese Richtung angekündigt, die, sofern sie beschritten werden, enormen Einfluss auf die Automobilwirtschaft haben werden.

Warum China so wichtig ist

Als der größte Automobilmarkt der Welt könnte Chinas Elektroauto-Politik die automobile Wirtschaft auf den Kopf stellen. Die massiven Investitionen, die für Elektroautos geplant sind, sowie die Beschränkungen für schmutzigere Mobilitätsformen, die zudem in einer Top-down-Wirtschaft durchgeführt werden, könnten den Wandel beschleunigen.

China hat mehrere ernsthafte Beweggründe, auf Elektromobilität zu setzen – es ist der größte Ölimporteur der Welt, viele chinesische Städte leiden unter schrecklicher Umweltverschmutzung, und die chinesische Regierung sieht auch die Chance, ein Top-Hersteller für Elektroautos und Exporteur zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will China bis 2025 sieben Millionen Elektroautos pro Jahr produzieren und bis 2020 knapp 60 Milliarden Euro dafür ausgeben.

Chinas Politik sollte ein Signal an die Autohersteller weltweit sein, dass sie sich auf einen post-fossilen Automarkt vorbereiten müssen. Schon jetzt reagiert eine wachsende Zahl von Autoherstellern und kündigte große Veränderungen in ihren Flotten an – in den kommenden Jahren werden Dutzende neue Elektroauto-Modelle auf den Markt kommen.

Dies setzt vor allem die großen Ölgesellschaften unter Druck. Shell, eines der größten Öl- und Gasunternehmen der Welt, hat sich erst vor wenigen Tagen NewMotion einverleibt, einen niederländischen Anbieter von Elektroauto-Ladestationen. Die Übernahme des größten Ladestationseigners in Europa ist eindeutig eine Absicherung gegen die sinkende Ölnachfrage. Shell sagte auch, dass Ladestationen an Zehntausenden Tankstellen installiert werden sollen. Auch BP soll langfristig planen, Ladesäulen an Tankstellen bereitzustellen.

Chris Watling, CEO von Longview Economics, dürfte die Ölbranche mit einer gewagten Prognose zusätzlich verunsichert haben. Er gehe davon aus, dass die Rohölpreise in den nächsten sechs bis acht Jahren von aktuell knapp 50 auf zehn Dollar pro Barrel sinken werden. Wohl dem, der frühzeitig auf Elektromobilität gesetzt hat.

Quelle: Oilprice.com – Chinese EV Boom Could Crash Oil Prices

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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