Chinesische Elektroautos bald „Made in Turkey“?

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Sebastian Henßler
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Die Türkei befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit den chinesischen Elektroautoherstellern BYD und Chery Automobile über Investitionen in Produktionsstätten im Land. Diese Schritte könnten den Unternehmen helfen, ihre Verkäufe nach Europa zu steigern, wie aus einem Bericht von Bloomberg hervorgeht.

Industrie- und Technologieminister Fatih Kacir äußerte in einem Interview in Ankara die Hoffnung, die Gespräche bald abzuschließen. Zusätzlich laufen separate Verhandlungen mit SAIC Motor Corp., dem Eigentümer von MG, sowie mit Great Wall Motor Co. Diese umfassenden Verhandlungen verdeutlichen, dass die Türkei nicht nur mit einzelnen Herstellern verhandelt, sondern generell versucht, chinesische Autohersteller für Investitionen zu gewinnen. Für die chinesischen Unternehmen bietet sich hier ein Vorteil: Durch die Zollunion mit der Europäischen Union erhalten sie leichteren Zugang zum europäischen Markt.

Der türkische Markt selbst gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Im Jahr 2023 machten Elektroautos 7,5 Prozent aller Autoverkäufe in der Türkei aus. Die nationale Energiemarktregulierungsbehörde prognostiziert, dass die Zahl der Elektroautos im Land bis 2025 um etwa 180.000 steigen wird. Das Forschungsunternehmen BMI geht davon aus, dass der Anteil der Elektroautos an den türkischen Autoverkäufen bis 2032 auf 30,4 Prozent ansteigen wird.

Michael Shu, Geschäftsführer von BYD Europe, erklärte kürzlich, dass er für 2025 Platz für ein zweites europäisches Werk sehe, zusätzlich zu einem bereits im Bau befindlichen in Ungarn. Diese Investitionen könnten BYD helfen, mögliche neue Importzölle zu umgehen, die aus einer EU-Untersuchung zu staatlichen Subventionen für chinesische Elektroautohersteller resultieren könnten. Gleichzeitig erhebt die Türkei zusätzliche Steuern auf die meisten im Ausland produzierten Elektroautos.

Die türkische Regierung versucht, den ersten heimischen Elektroautohersteller TOGG vor Konkurrenz zu schützen, bis sich die neue Marke auf dem heimischen Markt etabliert hat. Im vierten Quartal 2023 war der türkische Automarkt der viertgrößte in Europa. Eine endgültige Investitionsentscheidung eines der chinesischen Unternehmen wäre ein großer Erfolg für die türkische Regierung, die seit Jahren ihre geografische Lage zwischen Asien und Europa nutzt, um ausländische Investitionen im Fertigungssektor anzuziehen. Bisher war dieser Erfolg jedoch begrenzt.

Der Minister betonte, dass die Türkei eine ideale Basis für Exporte in die EU sei. Im Jahr 2023 gehörten Autos zu den wichtigsten Exportgütern der Türkei, mit einem Verkaufswert von 35,7 Milliarden US-Dollar (ca. 32,8 Mrd. Euro) für Fahrzeuge und Ersatzteile, verglichen mit 21,6 Milliarden US-Dollar (ca. 19,8 Mrd. Euro) vor einem Jahrzehnt, so Daten des Verbands der Automobilhersteller.

Eine Entscheidung zur Eröffnung eines Autowerks in der Türkei würde den chinesischen Unternehmen auch „privilegierte Möglichkeiten für Batterieinvestitionen“ bieten, so Kacir. Er betonte jedoch, dass die Gespräche möglicherweise nicht in eine endgültige Investitionsentscheidung münden könnten. Weitere Informationen werden in den nächsten Wochen erwartet.

Quelle: Bloomberg – Turkey Holds ‘Advanced’ Talks With BYD, Chery for EV Plants

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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