China legt neue Quoten für Elektrofahrzeuge fest

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Michael Neißendorfer
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China hat einige der weltweit strengsten Regeln für die Produktion und den Verkauf von Fahrzeugen mit fossilen Brennstoffen, da es in seinen überfüllten Städten gegen massive Luftverschmutzung kämpft. Das Land hat nun die neuen Herstellerquoten für Elektrofahrzeuge festgelegt, die dazu beitragen sollen, die Luft in den Städten wieder besser zu machen. Dem chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) zufolge müssen die Quoten für „neue Energiefahrzeuge“ (NEV, neben Elektroautos und Plug-in-Hybriden auch Wasserstoffautos) für die Jahre 2021, 2022 und 2023 jeweils pro Jahr um 2-Prozentpunkten steigend 14, 16 bzw. 18 Prozent betragen. Für die Vorjahre 2019 und 2020 lag die Quote bei 10 bzw. 12 Prozent.

Die Quote wird zwar in Prozent ausgedrückt, ist in der Realität allerdings ein Punktesystem. Deren Vergabe beruht auf einer komplexen Formel und berücksichtigt mehrere Faktoren, etwa die Energieeffizienz und die Reichweite eines Elektrofahrzeugs. Für Verbrenner gibt es Minuspunkte. Diese können mit NEV wieder ausgeglichen werden. Autohersteller in China sind also verpflichtet, NEVs herzustellen, um Punkte zu gewinnen, um einen Teil der negativen Punkte auszugleichen, die ihnen bei der Herstellung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor entstehen.

Auf der Grundlage der für den Zeitraum 2021 bis 2023 festgelegten Quoten will China sicherstellen, dass der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch von neu zugelassenen Pkw bis 2025 auf 4 Liter pro 100 Kilometer sinkt und NEV mindestens 20 Prozent der gesamten Automobilproduktion bzw. -verkäufe ausmachen. Im Jahr 2019 wurden in China knapp mehr als eine Million NEV verkauft. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der Neuwagenflotte in 2019 lag bei 5,5 Litern pro 100 km und ging im Vergleich zu 2016 um mehr als zehn Prozent zurück.

Vollhybride sind im neuen Punktesystem besser gestellt als bislang und fließen mit weniger Minuspunkten in die Berechnung ein. Diese Neubewertung gilt als Reaktion auf die Kritik, wonach das vorherige System zu wenige Anreize geboten habe, Verbrenner effizienter zu machen, sei es mit einem zusätzlichen Elektromotor an Bord oder einem sparsameren Verbrennungsmotor. Experten und Branchenvertreter gehen deshalb davon aus, dass nun deutlich mehr Verbrenner durch Hybride ersetzt werden. Denn wenn Autohersteller Hybride verkaufen, hätten sie nicht so viele negative Punkte auszugleichen.

Quelle: Gasgoo — China’s NEV credit ratios from 2021 to 2023 required to be 14%, 16%, 18% // Electrive — China schreibt NEV-Quoten bis 2023 fest // Reuters — China eases green rules for petrol-electric hybrids, giving makers space to manoeuvre

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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