China hat zum 1. Januar den weltweit ersten rechtlich bindenden Energieverbrauchsstandard für Elektroautos eingeführt. Lokalen Medien zufolge ist die rechtliche Grundlage die nationale Norm GB 36980.1–2025 mit dem Namen „Grenzwerte für den Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen – Teil 1: Pkw“. Diese Verordnung staffelt den maximal zulässigen Stromverbrauch nach Fahrzeugleergewicht und gilt für alle neu produzierten, rein elektrischen Modelle.
Mit dem neuen Regelwerk ersetzt die Regierung frühere Empfehlungsvorgaben durch verpflichtende Grenzwerte – ein globales Novum der Elektromobilität. Ziel ist es, technologische Weiterentwicklungen gezielt auf Effizienz zu lenken, denn die Effizienzsteigerungen sollen eher durch Verbesserungen auf Systemebene erhöht werden, als lediglich durch eine Erhöhung der Batteriekapazität. Zugleich sollen Herstellern wirtschaftlich tragbare Optimierungsmöglichkeiten offengehalten werden. Dazu berücksichtigt der Standard zwar unterschiedliche Antriebsarchitekturen, Einsatzbedingungen und technische Lösungen, definiert aber eine einheitliche nationale Messbasis.
Vorgaben um 11 Prozent verschärft
Im Vergleich zu den zuvor empfohlenen Richtwerten sinkt der zulässige Energieverbrauch mit der neuen Norm um rund 11 Prozent. Für Elektroautos mit einem Leergewicht von zwei Tonnen liegt die Obergrenze künftig bei 15,1 Kilowattstunden pro 100 Kilometer auf Basis des in China geltenden Messverfahrens. Bei dem in Europa gültigen WLTP-Standard entspricht das einem Verbrauch von etwa 17 Kilowattstunden. Behörden und Ingenieurteams gehen davon aus, dass Fahrzeuge mit gleicher Batterie allein durch Optimierungen – etwa im Antrieb oder beim Thermomanagement, bei Software, Aerodynamik oder durch Gewichtsreduktion – im Schnitt sieben Prozent mehr Reichweite erzielen könnten.
Der Standard gilt ausschließlich für rein elektrische Pkw. Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range-Extender fallen nicht unter die Verbrauchsdeckelung, müssen aber gesonderte Effizienzkriterien erfüllen, die ihren elektrischen Energieanteil und die Mindestreichweite betreffen. Bei Elektroautos mit Range-Extender, die vor allem in China besonders beliebt sind, ist ein kleiner Verbrennungsmotor eingebaut, der Energie für das elektrische Antriebssystem liefert.
Steueranreize an Technik gekoppelt
Chinesische Behörden, darunter das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, das Finanzministerium und die staatliche Steuerverwaltung, haben an die neuen Effizienzvorgaben die Zulassungskriterien für die Kaufsteuerbefreiung gekoppelt. Wer die Grenzwerte einhält, behält also den Zugang zu finanziellen Vorteilen. Modelle, die bereits bis Ende 2025 für die Subventionen gelistet waren und auch den neuen Anforderungen entsprechen, sollen 2026 weiterhin begünstigt werden. Andernfalls drohen das Ende der steuerlichen Förderung und potenziell das Auslaufen der Produktion. Für Hersteller von schwereren oder technisch veralteten Elektroautos erhöht sich der Druck, Komponenten oder sogar komplette Fahrzeugarchitekturen schneller zu modernisieren.
Viele Modelle sind bereits effizient genug
Trotz der Verschärfung dürfte der Standard für einen großen Teil der chinesischen Autoindustrie keine Hürde darstellen. Einige der aktuellen Elektroauto-Modelle liegen bereits deutlich unter den künftigen Grenzwerten. Dazu gehört der Xiaomi SU7 mit knapp 12,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer bei einem Leergewicht von knapp zwei Tonnen sowie der größere SUV Luxeed R7, der trotz der höheren Masse von fast 2,2 Tonnen nur 13,2 Kilowattstunden auf 100 Kilometer verbraucht.
Politische Stoßrichtung mit Signalwirkung
Bereits im Juli 2025 wurde von staatlicher Seite in China auf einem Symposium bekanntgegeben, dass ein Interesse der Politik an beschleunigten Standards für den Energieverbrauch und das Recycling von Batterien besteht. Die Effizienzregulierung fügt sich damit in Chinas nationale Klima- und Energieziele ein und treibt die technologische Innovation dafür weiter voran.
Für Marken wie BYD, Geely oder andere große Hersteller bedeutet die Vorgabe vor allem eine rechtliche Fixierung dessen, was in vielen Entwicklungsabteilungen längst Priorität hat. Mit dem Schritt rückt ein bislang nachrangiger Wettbewerbsfaktor ins Zentrum: Nicht nur Leistung und Kosten, sondern auch der tatsächliche Energieverbrauch soll künftig über Marktchancen entscheiden – in China und möglicherweise bald auch darüber hinaus. Auch in der Europäischen Union sowie in Deutschland wird diskutiert, ob beispielsweise Effizienzklassen zur Kennzeichnung von Elektroautos oder Verbrauchsstandards eingeführt werden.
Quelle: Global China EV – China to tighten EV energy standard by 11% in 2026, limiting to 15.1 kWh/100 km / Car News China – China to enforce world’s first mandatory EV energy standard in 2026, capping two-tonne models at 15.1 kWh per 100 km








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