Chile bringt Rio Tinto ins Lithiumgeschäft

Chile bringt Rio Tinto ins Lithiumgeschäft
Copyright:

shutterstock / 2401622089 | Symbolbild

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

In Chiles Norden soll ein neues Lithiumprojekt entstehen. Codelco, das staatliche Bergbau- und Kupferunternehmen, hat dafür einen Partner gefunden: Rio Tinto. Der australisch-britische Konzern will mit bis zu 801 Millionen Euro in das Vorhaben einsteigen. Die Vereinbarung markiert einen bedeutenden Schritt für beide Seiten – und bringt Bewegung in eine Branche, die in Chile lange von SQM und Albemarle dominiert wurde. Nun soll sich mit dem Einstieg von Rio Tinto das Kräfteverhältnis verändern. Der Konzern erhält knapp 50 Prozent der Anteile am Maricunga-Projekt, das bisher nicht erschlossen ist, wie Reuters berichtet. Codelco behält die Mehrheit. Das Gebiet zählt zu den lithiumreichsten Orten weltweit, allerdings steckt das Projekt noch in den Anfängen.

Für Rio Tinto ist es nicht der erste Schritt in Südamerika. Bereits 2021 übernahm das Unternehmen ein Lithiumprojekt in Argentinien. Auch in den USA hat der Konzern in diesem Bereich expandiert. Mit dem Einstieg in Maricunga setzt er seine Strategie fort, sich in der Region langfristig zu positionieren. Laut einem Analysten bringt die Partnerschaft Kapital und Erfahrung – beides sei notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Vereinbarung sieht drei Zahlungen vor: 312 Millionen Euro sollen beim Abschluss des Deals fließen, 445 Millionen bei einer endgültigen Investitionsentscheidung und weitere 45 Millionen, falls bis Ende 2030 die kommerzielle Produktion startet. Noch sind viele Fragen offen. Vor allem die technische Umsetzung könnte sich als Herausforderung erweisen.

Codelco prüft den Einsatz der sogenannten Direct Lithium Extraction. Diese Methode gilt als schneller und umweltschonender als die herkömmliche Verdampfung. Statt monatelang Wasser verdunsten zu lassen, soll ein chemisches Verfahren das Lithium direkt aus der Sole filtern. Weltweit arbeiten mehrere Firmen an dieser Technologie, doch bisher fehlt der Beweis, dass sie im großen Stil zuverlässig funktioniert. Laut früheren Angaben von Codelco ist ein Einsatz dieser Technik ab dem Jahr 2033 denkbar. Die Besonderheiten jeder Salzebene machen eine einheitliche Lösung schwierig. Deshalb ist unklar, wann der industrielle Start in Maricunga erfolgen kann. Beobachter die Entscheidung positiv. Chile wolle die Kontrolle über die eigene Lithiumproduktion stärken und dabei moderne Methoden nutzen, so ein Analyst.

Die Regierung verfolgt seit einiger Zeit das Ziel, den Einfluss des Staates auf die Lithiumbranche auszubauen. Das staatliche Unternehmen Codelco spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Zusammenarbeit mit Rio Tinto könnte helfen, dieses Vorhaben schneller voranzutreiben. Auch andere internationale Konzerne hatten Interesse an dem Projekt gezeigt. Rio Tinto sieht in der Region weitere Synergien. Bereits jetzt arbeitet das Unternehmen mit Codelco an einem Kupferprojekt in der Nähe. Gemeinsam will man Infrastruktur nutzen und den Wasserverbrauch gering halten.

Maricunga liegt südlich des bekannten Salar de Atacama. Dort ist bereits SQM und Albermarle aktiv – ebenfalls mit hohen Lithiumkonzentrationen in der Sole. Codelco will sich künftig auch an diesen Aktivitäten beteiligen. Zusammen mit dem neuen Projekt könnte so eine breite Basis für Chiles Lithiumwirtschaft entstehen. Die Branche gilt als Schlüssel zur globalen Elektromobilität.

Quelle: Reuters – Chile lithium deal deepens Rio Tinto’s push into ‚white gold‘ EV metal

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Rohstoffe

R3 Lithium startet Recycling für Batterie-Lithium

R3 Lithium startet Recycling für Batterie-Lithium

Arun Niemann  —  

R3 Lithium will in Georgia Lithiumcarbonat aus Altbatterien herstellen. Die übernommene Anlage soll die US-Lieferkette für Batterierohstoffe stärken.

Porsche treibt Kreislaufwirtschaft bei Batterien voran

Porsche treibt Kreislaufwirtschaft bei Batterien voran

Sebastian Henßler  —  

Porsche hat gemeinsam mit Cylib erstmals Batteriezellen hergestellt, deren Kathodenmaterial zu 100 Prozent aus recycelten Rohstoffen besteht.

Mehr Lithium mit weniger Ressourcen: Wie gelingt das?

Mehr Lithium mit weniger Ressourcen: Wie gelingt das?

Sebastian Henßler  —  

Mehr Lithium, weniger Wasser: Wie der Salar de Atacama Produktion und Ressourcenverbrauch entkoppelt und was die Zahlen wirklich aussagen.

LG Energy Solution sichert sich US-Lithium aus Arkansas

LG Energy Solution sichert sich US-Lithium aus Arkansas

Arun Niemann  —  

Ein Zehnjahresvertrag mit Smackover Lithium soll LG Energy Solution unabhängiger von Importen machen und die US-Lieferkette für Batterien stärken.

Neues Vulcan-Projekt: Lithium für eine Million E-Autos

Neues Vulcan-Projekt: Lithium für eine Million E-Autos

Sebastian Henßler  —  

Nach Lionheart bei Landau plant Vulcan Energy in Ludwigshafen ein zweites Projekt zur kombinierten Gewinnung von Lithium und geothermischer Wärme.

Circular Design: Produktdesign der Kreislaufwirtschaft

Circular Design: Produktdesign der Kreislaufwirtschaft

Maria Glaser  —  

Ein Gespräch zwischen Expertinnen im Bereich Circular Design vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik.

Kreislaufwirtschaft: Forschungsprojekt liefert seriennahe Innovationen

Kreislaufwirtschaft: Forschungsprojekt liefert seriennahe Innovationen

Michael Neißendorfer  —  

Das Projekt FSCM will zeigen, wie Forschung und Unternehmen zusammenarbeiten können, um Kreislaufwirtschaft im Automobilbau in die Serie zu bringen.