CAM: Mercedes-Benz nun weltweit innovativster Automobilkonzern

CAM: Mercedes-Benz nun weltweit innovativster Automobilkonzern
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Mercedes-Benz

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 7 min

Innovationen sind der Antrieb der Automobilindustrie. Sie bringen seit jeher Gesellschaft und Industrie voran. Das Center of Automotive Management (CAM) ermittelt bereits seit dem Jahr 2005 herausragende Innovationsleistungen unter Herstellern und Zulieferern im Rahmen der AutomotiveINNOVATIONS Studie. Auf einer breiten Datenbasis von mehr als 1000 Innovationen jährlich zeichnet das CAM gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland seit elf Jahren die innovativsten Konzerne, Marken und Produkte der Automobilbranche aus.

Im aktuellen OEM-Ranking gewinnt die Mercedes-Benz Group AG den Titel als innovationsstärkster Automobilkonzern und wurde als Marke Mercedes-Benz in vier weiteren Kategorien ausgezeichnet. Mit einem Indexwert von 134 belegt der Stuttgarter Konzern wie zuletzt im Jahr 2019 Rang eins, vor der Volkswagen AG (125) und – mit bereits einigem Abstand – Tesla (87). SAIC (71) als Vorjahres-Fünfter kann sich um einen Platz auf Rang vier als bester chinesischer Konzern verbessern, vor Geely (70). BMW erreicht nach Platz vier im Vorjahr dieses Mal Rang sechs.

Ein wichtiger Grund für den Erfolg von Mercedes-Benz ist die mit knapp 50 Prozent höchste Weltneuheitenquote unter den globalen Automobilherstellern. Der Hersteller werde somit seinem Ruf als Pionier der Automobilwelt gerecht, so das CAM in einer aktuellen Mitteilung. Punkten könne Mercedes- Benz unter anderem im Bereich Elektroantrieb mit dem EQS, der den niedrigsten Verbrauch von E-Autos im Segment der Oberklasse aufweise. Im Technologiefeld Connectivity überzeuge Mercedes-Benz mit innovativen Funktionen im Bereich Lichtsysteme und Lenkung, die „over-the-air“ aktualisiert werden können.

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Zwar liegen unter den Konzernen mit Mercedes-Benz und VW zwei deutsche Hersteller vorn und sie führen mit ihren Kernmarken auch viele Technologie- Kategorien an. Aber erstmals kommen zwei chinesische Unternehmen unter die Top-5 der Automobilhersteller. Der Bereich der Elektroantriebe wird unter den Volumenmarken ebenfalls von chinesischen Marken wie BYD oder Maxus auf den ersten drei Plätzen geprägt. Dies sind die neuesten Befunde eines seit Jahren fortschreitenden Aufholprozesses von chinesischen Playern bei der Innovationsstärke. Auch in besonders innovativen Segmenten versuchen inzwischen Newcomer wie Xpeng oder Nio, sich mit den deutschen Marken zu messen und haben Tesla als Vorbild“, kommentiert Felix Kuhnert, Automotive Leader bei PwC Deutschland.

Die Entscheidungsgrundlage für die AutomotiveINNOVATIONS Awards bildet die jährliche Studie auf Basis der Innovationsdatenbank des CAM. Seit 2005 erhebt das Institut unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Bratzel die Produkt-Innovationen von globalen Automobilkonzernen und bewertet diese nach quantitativen und qualitativen Kriterien. Für das Jahr 2021 Jahr hat das CAM die Innovationen von 28 globalen Automobilherstellern und Newcomern mit rund 80 Automobilmarken analysiert. Dabei wurden insgesamt 657 einzelne Innovationen bewertet. Unter diesen befinden sich 179 Weltneuheiten. In die Evaluation flossen Kriterien wie Reifegrad, Originalität, Kundennutzen und Innovationsgrad ein.

VW bei den Volumen-, Mercedes-Benz bei den Premiummarken vorn, EQS gewinnt Modellwertung

Unter den Volumenherstellern führt wie im Vorjahr Volkswagen das Ranking als innovationsstärkste Marke 2022 an, gefolgt von Ford und BYD. VW punkte insbesondere im Bereich „Autonomes Fahren/ADAS“ und demokratisiere Innovationen wie einen adaptiven Abstandstempomat mit Topologie-Funktion oder das Level-2-System „Travel Assist“ in der Kleinwagenklasse (Polo) sowie bei kleinen SUV (Taigo). Im Antriebsbereich baue VW sein Angebot unter anderem mit dem ID.BUZZ aus und verbessere parallel bestehende Modelle, zum Beispiel mit einer höheren Ladeleistung im ID.3 als Weltneuheit im Segment.

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In der Kategorie „Interface & Connectivity“ entscheidet Volkswagen das Rennen der Volumenmarken ebenfalls für sich. Als neue Kategorie kommt ab 2022 der Bereich „Connected Services“ mit den immer wichtiger werdenden vernetzten Dienstleistungen aus den Bereichen Infotainment, Autonomes Fahren, E-Commerce und vernetzte Finanzdienstleistungen hinzu. Auch hier erzielt die Marke VW Platz eins vor dem chinesischen Newcomer Xpeng, gefolgt von Ford. Das VW-Angebot an Connected Services reicht von einem eigenen Ladenetzwerk (Electrifiy America) über die Freischaltung autonomer Fahrfunktionen bis hin zur Bezahl-Tochter PayByPhone.

Unter den Premiummarken hat Mercedes-Benz mit großem Abstand die Nase vorn. Unter die Top-3 in diesem Segment schaffen es außerdem wie im Vorjahr Tesla und BMW. Die Stärken von Mercedes-Benz liegen vor allem im Bereich des Elektroantriebs, aber auch bei Connectivity und innovativen Bedien- und Anzeigekonzepten. Insbesondere der Mercedes-Benz EQS punktet mit vielen Weltneuheiten, etwa dem Hyperscreen mit Force-Feedback-Funktion.

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So gewinnt der Mercedes-Benz EQS auch den Award als innovationsstärkstes Modell 2022. Auf Rang zwei folgt mit der neuen C-Klasse ebenfalls ein Mercedes-Modell, Platz drei belegt der BMW iX. Der EQS überzeuge als Leuchtturm-Technologieträger in mehreren Bereichen, beim Antrieb etwa neben dem niedrigen Verbrauch auch mit der weltweit zweithöchsten Reichweite im Oberklasse-Segment.

Wenig überraschend wird Mercedes-Benz somit auch Premiummarken-Sieger bei den Antrieben. Drei chinesische Unternehmen auf den ersten drei Plätzen des Antriebs-Rankings der Volumenmarken sind allerdings ein Novum in der Geschichte des AutomotiveINNOVATIONS Awards. BYD erzielt den ersten Platz vor Maxus (SAIC-Konzern) und GAC, es folgen Volkswagen und Ford auf Rang vier bzw. fünf. BYD rollt seine innovative „Blade“-Batterie-Technologie mit dem Dolphin in das Kleinwagen-Segment aus und gibt mit der Studie „X Dream Concept“ einen Ausblick auf ein besonders reichweitenstarkes und schnell ladendes SUV (145 km in 5 Minuten).

Tesla führend beim Autonomen Fahren und Connected Services

Im Bereich Autonomes Fahren/ADAS steht dagegen der kalifornische Hersteller Tesla als innovationsstärkste Premiummarke auf Platz eins. Tesla ist Vorreiter beim Autonomen Fahren auf Level 2+, bei dem das Fahrzeug in breiten Anwendungsfeldern wie Highway und Stadtverkehr zwar weitgehend selbständig fahren kann, der Fahrer das System aber permanent überwachen muss. Im Rahmen einer Beta-Version bietet Tesla diese Funktionalität in seinen Modellen (unter anderem Model 3) für eine beschränkte Nutzerzahl bereits an.

Tesla ist außerdem Preisträger in der neuen Kategorie „Connected Services“, bei der die vernetzten, fahrzeugbezogenen Dienstleistungen im Sinne einer Status-quo-Analyse von 2012 bis 2021 in die Wertung eingehen. Dabei deckt Tesla alle wichtigen Bereiche von den Ladediensten mit dem weltweiten Schnellladenetzwerk der Supercharger über das Infotainment mit der Arcade-Spieleplattform bis zur datenbasierten Kfz-Versicherung mit Echtzeit-Tarifen ab. Weiterhin sind autonome Fahr- und Parkfunktionen bei Tesla bereits OTA-Update-fähig und damit als Dienst verfügbar.

Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des CAM, sagt: „Neben der Elektromobilität wird ein ständig aktualisierbares Ökosystem von vernetzten Services zu einem zentralen Erfolgsfaktor der Automobilhersteller. Dazu müssen alle etablierten Hersteller ihre Kernkompetenzen in diesen Zukunftsfeldern massiv erweitern und für ein schnelles Time-to-Market strategische Kooperationen mit relevanten Digital-Playern eingehen.“

Vier Zulieferer mit wegweisenden technologischen Lösungen in den Zukunftsfeldern

Im Rahmen der Studie wurden auch rund 400 originäre Innovationen von Automobilzulieferern bewertet. Für die herausragendsten Neuerungen werden die AutomotiveINNOVATIONS Awards in vier Kategorien von einer fachkundigen Expertenjury vergeben. Im Bereich der Antriebe konnte sich eine Innovation im Bereich „Zellchemie“ von BASF durchsetzen. Hochenergetische HEDTM-NCM- Kathodenmaterialien sollen für eine höhere Energiedichte sorgen und damit verbunden eine höhere Reichweite des Elektroautos und niedrigere Kosten ermöglichen. Hyundai Mobis ist in der Kategorie „Chassis, Karosserie & Exterieur“ Preisträger mit dem E-Corner-Modul, das die Lenk-, Brems-, Federungs- und Antriebssysteme kombiniert. Es ermöglicht dank eines variablen Radstands die flexible Nutzung von Plattformen und eine Raddrehung um 90 Grad für das Fahren seitwärts und das Wenden an Ort und Stelle.

Kautex-Textron überzeugte mit einem „Allegro Premium“ genannten Software-gesteuerten Reinigungssystem für Umgebungs-Sensoren, deren Sauberkeit für assistierte oder autonome Fahraufgaben von essenzieller funktionaler und sicherheitstechnischer Bedeutung ist. Das System erhöht den Kundennutzen von Assistenzsystemen, da es die Verfügbarkeit von Systemen unter schwierigen Wetterbedingungen erhöht.

Die Kategorie „Interieur und Interface“ wird in diesem Jahr von Bosch mit seinen „Ridecare“ Carsharing-Diensten angeführt. Die erste Ridecare-Serienfunktion ist eine Rauch- und Schadenserkennung. Mittels cloudbasierter Datenauswertung und künstlicher Intelligenz erhalten Sharing- Anbieter so transparent und in Echtzeit wichtige Informationen darüber, ob ein Fahrzeug beschädigt ist oder im Innenraum geraucht wurde. Damit sei die Innovation ein Beschleuniger für die Verbreitung von Carsharing, da es den in der Praxis oft bemängelten Aspekt der Innenraumreinigung adressiert.

Quelle: CAM – Pressemitteilung vom 14.07.2022

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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