Bugatti-Rimac: Machtpoker zwischen Rimac und Porsche

Bugatti-Rimac: Machtpoker zwischen Rimac und Porsche
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Der Autobauer Rimac aus Kroatien strebt offenbar die vollständige Kontrolle über Bugatti-Rimac an. In den vergangenen Wochen soll Rimac ein Angebot vorgelegt haben, um die verbleibenden Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen zu übernehmen. Aktuell hält Rimac 55 Prozent, Porsche besitzt 45 Prozent. Beide Unternehmen hatten das Joint Venture im Jahr 2021 gegründet, um exklusive Luxusautos unter den Marken Bugatti und Rimac zu produzieren. Zuletzt gab es ähnliche Pläne im Dezember 2024 von Seiten Porsche.

Die Pläne von Rimac deuten darauf hin, dass sich das Unternehmen auch Unterstützung von anderen Investoren sichern könnte. Die Gespräche befinden sich nach Angaben von Eingeweihten noch in einem frühen Stadium. Eine Entscheidung ist bisher nicht gefallen. Gleichzeitig wird spekuliert, dass das Angebot auch taktische Gründe haben könnte. Durch den Vorstoß könnte der Wert des Unternehmens künstlich steigen. Rimac selbst hatte in der Vergangenheit bereits Interesse daran signalisiert, den eigenen Anteil auszubauen.

Porsche denkt offenbar ebenfalls über einen Strategiewechsel nach. Medienberichten zufolge prüft der Sportwagenhersteller schon seit Monaten, ob ein Rückzug aus dem Gemeinschaftsprojekt sinnvoll sein könnte. Die aktuell unsichere Lage in der Autobranche und notwendige Investitionen in neue Produktionsstandorte könnten den Ausschlag geben. Ein Verkauf der Bugatti-Anteile würde Kapital einbringen, das an anderer Stelle eingesetzt werden könnte. Dabei sind Porsche und Rimac finanziell eng miteinander verbunden. Der Stuttgarter Autobauer besitzt nicht nur 45 Prozent an Bugatti-Rimac, sondern auch 21 Prozent an der Rimac Group, der Muttergesellschaft des kroatischen Unternehmens. Auf dem Papier läge Porsches Einfluss damit sogar leicht über dem von Rimac. Doch im Tagesgeschäft hat Mate Rimac das Sagen. Als CEO trifft er operative Entscheidungen und gibt die Richtung vor.

Das Joint Venture beschäftigt heute rund 900 Menschen. Ein Großteil davon arbeitet in Zagreb und im französischen Molsheim, dem traditionellen Sitz von Bugatti. Bis Ende dieses Jahres wird das Unternehmen zusätzlich von Bugatti Engineering unterstützt. Diese technische Hilfe stammt noch aus der Zeit, als Bugatti direkt zum Volkswagen-Konzern gehörte.

Während im Hintergrund um Eigentumsanteile gerungen wird, laufen die Vorbereitungen für das nächste Modell auf Hochtouren. Mit dem Tourbillon steht eine neue Generation von Hypercars kurz vor dem Start. Das Auto soll ab 2026 ausgeliefert werden. Es kombiniert einen V16-Motor mit drei Elektromotoren. Insgesamt ergibt sich eine Systemleistung von etwa 1800 PS. Mate Rimac selbst sagte in einem früheren Interview, dass er das Modell gern noch weiterentwickelt hätte. Einige seiner Ideen seien aus Kostengründen nicht umgesetzt worden.

Ob Porsche oder Rimac am Ende die Führung bei Bugatti-Rimac übernimmt, ist offen. Möglich ist auch, dass ein dritter Akteur überraschend zum Zug kommt. Die Marke Bugatti bleibt jedenfalls ein begehrtes Gut. Das zeigt nicht nur der aktuelle Wettbewerb um Anteile, sondern auch die technischen Ambitionen, die beide Partner mit dem Projekt verbinden. Der Ausgang der Verhandlungen wird auch darüber entscheiden, wie Bugatti sich künftig weiterentwickelt. Rimac hat bereits mehrfach bewiesen, dass das Unternehmen große Visionen verfolgt. Gleichzeitig steht Porsche unter Druck, sich klarer zu positionieren und Investitionen zu priorisieren. In diesem Spannungsfeld fällt die Entscheidung über die Zukunft einer der traditionsreichsten Luxusmarken Europas.

Quelle: Manager Magazin – Bieterschlacht um die Sportwagenmarke Bugatti / roadandtrack.com – Rimac Looking Into Buying Porsche Out of Its Stake in Bugatti, Report Claims

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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