Bosch-Geschäftsführer rät zu breiter Antriebsvielfalt

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Michael Neißendorfer
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Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn hält eine allzu einseitige Ausrichtung der Autoindustrie auf die Batterie-Elektromobilität für riskant. „Wir sehen ja gerade, welche Folgen der Gasmangel für Deutschland und Europa hat, weil wir zu wenig Alternativen vorbereitet haben“, sagte Heyn in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung. „In der Autoindustrie sollten wir uns aus diesem Anlass fragen, was wir tun können, sollte es einmal zu wenig Batteriezellen geben.“ In diesem Fall wünsche sich „sicher jeder eine Alternative zum Batterieantrieb. Diese wird es aber nur geben, wenn wir sie rechtzeitig vorbereitet haben“, so der Bosch-Geschäftsführer.

Als eine dieser Alternativen nannte Heyn die Brennstoffzelle, mit Wasserstoff als Energieträger. Die aktuell im Aufbau befindliche Tankinfrastruktur für Langstrecken-Lkw sei auch sehr gut als „Rückgrat für die Versorgung von Pkw geeignet“, sagte Heyn, der bei Bosch dem Unternehmensbereich Mobility Solutions vorsitzt. Auch die Infrastruktur für Diesel sei zunächst nur für Lkw gebaut und erst später um Zapfsäulen für Pkw erweitert worden.

Im Zeichen des Klimaschutzes wird sich der Güterverkehr vielfältiger bewegen als bisher. Durch alternative Antriebe erwarten wir im Laufe der Dekade einen Wachstumsschub für unser Geschäft“, sagte Heyn einige Tage nach dem Interview auf der diesjährigen IAA Transportation in Hannover. Bosch-Prognosen zufolge werden 2025 weltweit noch mehr als 80 Prozent aller Nutzfahrzeuge mit mehr als sechs Tonnen von einem Diesel angetrieben. Danach soll die Antriebsvielfalt zunehmen: Bis 2035 soll jedes zweite neue Nutzfahrzeug elektrisch angetrieben sein – entweder batterieelektrisch oder wasserstoffbasiert.

Besonders im Nutzfahrzeug ist Technologieoffenheit sinnvoll. Je nach Anwendung wird es mehr als einen klimaneutralen Lkw-Antrieb geben“, sagte Heyn. Bei Bosch arbeiten allein 3400 Entwickler am Nutzfahrzeug-Antrieb von morgen. Große Pläne hat Bosch laut eigener Aussage mit der Brennstoffzelle: Bis 2025 will das Unternehmen mehr als 40.000 eigene Brennstoffzellen-Systeme auf die Straße gebracht haben. Dafür produziert Bosch auch die Stacks selbst und baut weltweit Produktionen in Kundennähe auf – in den Werken Anderson (USA), Wuxi (China) und Bamberg (Deutschland).

Nicht nur in Brennstoffzellen kann Wasserstoff zum Vortrieb von Lkw dienen, sondern auch in H2-Motoren. Bosch entwickelt dafür die benötigten Steuergeräte sowie die Einspritztechnik und hat in Indien bereits ein Serienprojekt gewonnen.

Quelle: RND – Elektromobilität zu einseitig: Bosch-Geschäftsführer warnt vor Batterie-Knappheit / Bosch – Pressemitteilung vom 19.09.2022

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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