BMW: Wasserstoffautos vielleicht irgendwann so günstig wie E-Autos

BMW: Wasserstoffautos vielleicht irgendwann so günstig wie E-Autos
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Unter den europäischen Autoherstellern ist BMW ein Exot, wenn es um die Wasserstoffstrategie geht. Während sich die meisten anderen Hersteller auf einen vollelektrischen Kurs begeben haben, agiert der Münchner Autobauer „technologieoffen“ und zieht auch für den Pkw-Bereich alternative Lösungen wie mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge in Betracht. Wie es bei BMW nach der Testreihe von BMW iX5 Hydrogen mit dem Thema weitergehen soll, schilderte nun Projektleiter Jürgen Guldner im Gespräch mit der Automobilwoche.

Demnach sei der Testlauf bislang durchaus erfolgreich verlaufen, und selbst für einen deutlich breiteren Markt scheint die Brennstoffzelle aus Sicht Guldners geeignet zu sein. „Eine neue Technologie werden Sie immer eher zuerst in oberen Segmenten einführen, aber Ziel muss sein, auf das Kostenniveau eines vergleichbaren BEV-Modells zu kommen“, sagte er – und nährt damit die Hoffnung vieler, irgendwann statt batterieelektrisch mit einem Wasserstoffauto fahren und tanken zu können. Allerdings sind „vergleichbare BEV-Modelle“ bei BMW alles andere als Schnäppchen – und der Weg hin zu diesem „günstigen“ Kostenniveau ist offenbar noch ein weiter.

Viel Interesse im Mittleren Osten

Als er über die Reaktionen auf den H2-iX5 spricht, klingt der Projektleiter sehr angetan. „Wir sind mit den Fahrzeugen wirklich in allen Wasserstoff-Regionen unterwegs gewesen. Und egal in welchem Markt wir waren, haben unsere iX5 Hydrogen Begeisterung ausgelöst“, sagt er. In Ländern wie Saudi-Arabien oder dem Oman sei das Interesse an Wasserstoff-Fahrzeugen stark gestiegen. Und auch für den chinesischen Markt seien Wasserstofffahrzeuge im Portfolio ein guter Weg, da dort mittlerweile nicht mehr nur über Wasserstoff-Nutzfahrzeuge intensiver nachgedacht werde.

Bis der iX5 Hydrogen serienreif ist, dürfte aber noch etwas Zeit vergehen. „Die Entwicklung der Infrastruktur muss weiter zügig vorangehen, und auch am Fahrzeug ist in der jetzigen Entwicklungsphase noch Arbeit zu leisten“, erläutert Guldner. Bei den „kundenrelevanten Eigenschaften“ sei der Wagen bereits auf einem sehr guten Niveau, Themen wie die Reichweite würden noch diskutiert. In die Tanks passen etwa sechs Kilo Wasserstoff, laut „Promi-Tester“ Hubert Aiwanger (Freie Wähler, Wirtschaftsminister in Bayern) braucht das Fahrzeug im Alltag 1,3 Kilo auf 100 Kilometer – macht eine Reichweite von 460 Kilometern, die aber niemand angesichts der derzeit noch dünnen Tankstellendichte auskosten wird. Getankt ist dann in etwa vier Minuten.

Und nicht nur der Anschaffungspreis von Wasserstoff-Fahrzeugen ist aktuell noch herausfordernd. Bei einem Wasserstoffpreis von aktuell knapp 14 Euro pro Kilo kostet der Treibstoff für 100 Kilometer Fahrt gut 18 Euro. Damit kommt ein für 0,50 Euro pro Kilowattstunde öffentlich geladenes Elektroauto beinahe doppelt so weit – und ein günstig zuhause geladenes sogar dreimal so weit.

Wird Toyota missverstanden?

Der BMW-Projektleiter weist zudem zurück, dass sich Toyota zunehmend von der Wasserstoff-Technologie vor allem für Pkw abwende. „Cheftechniker Hiroki Nakajima ist hier falsch interpretiert worden und das hat Toyota kurz nach dieser Aussage auch direkt klargestellt. Und selbst wenn: Eine Konzentration auf Nutzfahrzeuge ist keine Abkehr von Wasserstoff-Plänen“, sagte er. Die Zusammenarbeit mit den Japanern gehe unvermindert weiter.

Hoffnung für einen Hochlauf der Technologie macht Guldner zudem die europäische Alternative Fuel Infrastructure Regulation (AFIR), die bis 2030 eine deutliche Ausweitung des verfügbaren Tankstellen-Netzes für Wasserstofffahrzeuge vorsieht – auch wenn in den Mitgliedsländern die konkrete Umsetzung noch näher angegangen werden muss. Dass es nicht genug grünen Wasserstoff für alle Anwendungsfälle geben könnte, weist der BMW-Mann ebenfalls von sich und verweist auf den Oman: „Da ging es vor zwei Jahren noch um die Frage: Wo bekommen wir genug grünen Wasserstoff her – heute hat sich diese Frage schon gedreht. Jetzt heißt es: Wer nimmt uns den ganzen grünen Wasserstoff ab?“

Quelle: Automobilwoche – „So geht es mit den Wasserstoff-Plänen von BMW weiter“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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