BMW baut Engagement für E-Autos in den USA weiter aus

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Zum 30-jährigen Produktionsjubiläum hat das BMW Group Werk Spartanburg, South Carolina, ein neues Presswerk eröffnet. Gleichzeitig bereitet sich das US-Werk, eine der weltweit größten Produktionsstätten des Münchner Autoherstellers, auf den Anlauf des neuen X3 vor. Die Außenhaut – wie Karosserieaußenwände, Türen, Kotflügel und die Heckklappe – erhält der X3 bereits aus dem eigenen Presswerk, so BMW in einer aktuellen Mitteilung.

BMW-Produktionsvorstand Milan Nedeljković betonte in Spartanburg die Bedeutung des Werks für das Unternehmen und zeigte Zukunftsperspektiven auf: „Nach 30 Jahren erfolgreicher Produktion bauen wir unser Engagement weiter aus. Ende 2026 wird hier in Spartanburg die Produktion vollelektrischer Sports Activity Vehicles starten. Ein weiterer Schritt zur Stärkung unserer globalen Resilienz.“

Bis 2030 sollen in dem US-Werk mindestens sechs vollelektrische Modelle anlaufen. Die Hochvoltbatterien für die künftigen Elektroautos aus Spartanburg werden aus dem nahegelegenen Woodruff kommen, wo BMW gerade eine Montage für Batterien der sechsten Generation aufbaut. Auch das neue Presswerk stärkt die lokalen Fertigungsumfänge in den USA.

Die fortschrittlichen Produktionsverfahren in unserem Presswerk garantieren unseren Kunden höchste Qualität und Effizienz der Karosserieteile“, sagte Robert Engelhorn, Präsident und CEO von BMW Manufacturing. „Dieses Presswerk vor Ort zu haben, entspricht unserer Local for Local-Strategie, bei der wir wichtige Teile dort produzieren, wo wir sie benötigen.

Die BMW Group investierte mehr als 200 Millionen US-Dollar in den Bau des etwa 20.000 Quadratmeter großen Presswerks. Von der Vorbereitung der Arbeiten vor Ort bis zum Pressen der ersten Komponente vergingen knapp zwei Jahre. Mit der Investition wurden zudem mehr als 200 neue Arbeitsplätze in Berufen wie Werkzeugtechniker sowie in der elektrischen und mechanischen Instandhaltung automatisierter Maschinen geschaffen. Dutzende Mitarbeitende aus Spartanburg wurden in den bestehenden Presswerken des Herstellers im britischen Swindon sowie in Leipzig ausgebildet.

Hightech-Presswerk produziert bis zu 10.000 Teile pro Tag

Im Presswerk beginnt der Automobilproduktionsprozess. Große Stahl- oder Alu-Coils, also Blechrollen, werden mit einem 55-Tonnen-Brückenkran bewegt. Sie werden zunächst in die Coil-Anlage eingespeist, wo das Blech mit bis zu 70 Hüben pro Minute in einzelne Platinen – das sind rechteckige Zuschnitte oder Sonderformen – geschnitten wird. Diese Platinen können dann der fünfstufigen Pressenlinie zugeführt und dort zu finalen Karosserieteilen umgeformt werden.

Die Linie ist mit moderner Servotechnik ausgestattet, die es der BMW Group ermögliche, hohe Stückzahlen sehr effizient zu fertigen. Ein Brückenkran bringt zu jeder Station das passende Presswerkzeug (Pressform). Die Platine wird in die erste Pressenstation eingelegt und von einer roboterähnlichen Automationstechnik – der sogenannten Crossbar Feeder – von Station zu Station transportiert, um weitere Form- und Schneidvorgänge durchzuführen. Die Anlage kann bis zu 18 Hübe pro Minute ausführen, so dass je nach Bauteilgröße täglich bis zu 10.000 Teile gefertigt werden können.

BMW-Presswerk-Spartanburg
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Nach dem Pressen werden die Teile einer Qualitätskontrolle unterzogen. Dazu wird eine spezielle Beleuchtung verwendet, die das natürliche Tageslicht imitiert. Anschließend werden die Pressteile in Transportbehälter gelagert, um im Karosseriebau weiter verarbeitet zu werden.

Wie bereits in anderen Werken von BMW wird auch im Werk Spartanburg ein geschlossener Materialkreislauf für Blechabfälle aus dem Presswerk aufgebaut. Dafür befinden sich sowohl unter den Pressen- als auch unter den Coil-Anlagen Bereiche, in denen die Metallreste gesammelt werden, die nach der Herstellung der Teile anfallen. Jeden Tag entstehen so bis zu 60 Tonnen Blechabfall. Eine etwa 300 Meter lange Fördertechnik transportiert die Metallreste, die dann auf Anhänger verladen werden. Das gesammelte Material wird außerhalb des Werks recycelt und für die Herstellung von neuen Stahl- oder Alu-Coils verwendet.

Fast 7 Millionen BMW in 30 Jahren Werk Spartanburg

Das Werk Spartanburg feiert das 30-jährige Produktionsjubiläum in South Carolina. In den drei Jahrzehnten wurden mehr als 6,7 Millionen BMW gefertigt. Das Werk beschäftigt mehr als 11.000 Mitarbeiter für die Produktion verschiedener BMW-Modelle und ist mit täglich mehr als 1500 produzierten Fahrzeugen eines der größten Werke der BMW Group weltweit. Das Werk erzeugt etwa 20 Prozent seines Strombedarfs aus recyceltem Methangas aus einer lokalen Mülldeponie und nutzt die Wasserstoffbrennstoffzellentechnologie, um etwa 800 Logistik-Fahrzeuge mit Strom zu versorgen.

Die BMW Group kündigte 2022 an, 1,7 Milliarden US-Dollar in ihre Geschäftstätigkeit in den USA zu investieren. 1 Milliarde US-Dollar fließen in die Elektrifizierung des Werkes Spartanburg sowie 700 Millionen US-Dollar in den Aufbau eines neuen Montagestandorts für Hochvoltbatterien in Woodruff. Nach der Fertigstellung im Jahr 2026 werden im Werk Woodruff (South Carolina) die Batterien der sechsten Generation für den Antrieb von vollelektrischen Fahrzeugen im BMW Group Werk Spartanburg montiert.

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 21.06.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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