Catena-X hat gemeinsam mit dem chinesischen Herstellerverband CAAM und VDA China ein grenzüberschreitendes Datenökosystem für die Automobilindustrie gestartet. Es ist nach Angaben der Beteiligten das erste seiner Art, das Europa und China verbindet. Betrieben wird die neue Infrastruktur künftig von Zhonglian, das damit als erster Betriebspartner außerhalb Europas fungiert. Unterstützt wird der Aufbau von Cofinity-X, dem bisherigen Betriebspartner von Catena-X, der die technische Lizenzierung und die Interoperabilität sicherstellt.
Hintergrund ist der wachsende regulatorische Druck auf globale Lieferketten. Ab Februar 2027 schreibt die EU-Batterieverordnung verpflichtende Batteriepässe für Batteriepacks in Elektroautos und Plug-in-Hybriden vor, die in Europa eintreffen. Verlangt werden dabei eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Lieferkette sowie Daten zum CO2-Fußabdruck. Ohne einen solchen Batteriepass ist künftig kein Markteintritt mehr möglich.
Gleichzeitig regeln Chinas eigene Datenschutzbestimmungen, wie strategisch wichtige industrielle Daten übertragen werden dürfen, darunter auch als „wichtige Daten“ eingestufte Kategorien. Fehlt eine gemeinsame Infrastruktur, müssen Unternehmen für die grenzüberschreitende Datenübertragung einen Antrag bei der chinesischen Cyberspace Administration stellen. Dieses Verfahren kann laut Catena-X bis zu fünf Monate dauern, eine Genehmigung ist dabei nicht garantiert.
Ein Pilotprojekt ebnete den Weg zum Rollout
Genau an dieser Stelle setzt das neue Ökosystem an. Batteriepässe sollen künftig einmalig auf Basis realer Lieferkettendaten erstellt und anschließend auf beiden Seiten der Grenze anerkannt werden, sowohl nach chinesischen als auch nach europäischen Vorschriften. Ein entsprechendes Pilotprojekt wurde nach Angaben der Organisation bereits erfolgreich getestet. Mit Zhonglian als operativem Partner soll der Ansatz nun in großem Maßstab ausgerollt werden, der reguläre Betrieb ist für Mitte November 2026 vorgesehen.
Oliver Ganser, Vorstandsvorsitzender von Catena-X, ordnet den Schritt als Reaktion auf eine strukturelle Entwicklung ein: „Globale Automobil-Lieferketten sind zunehmend auf vertrauenswürdigen Datenaustausch angewiesen. Ohne ihn wird die Einhaltung von Vorschriften komplexer, teurer und stärker fragmentiert.“ Mit einem eigenen Betriebspartner in China entstehe die Infrastruktur für einen sicheren, souveränen Datenaustausch im großen Maßstab, der es Unternehmen erlaube, regulatorische Vorgaben zu erfüllen und gleichzeitig ihr geistiges Eigentum zu schützen.
Nach Darstellung von Catena-X handelt es sich ausdrücklich nicht um ein geschlossenes System mit fester Anbieterbindung. Jeder qualifizierte Technologieanbieter, App-Entwickler oder Servicepartner kann sich über ein Zertifizierungsverfahren anschließen und seine Lösungen zu gleichen, diskriminierungsfreien Bedingungen auf dem offenen Marktplatz anbieten. Neue Anwendungsfälle sollen dabei direkt aus der Industrie heraus entwickelt werden.
Neues Ökosystem soll E-Auto-Handel mit China erleichtern
Datensouveränität bildet laut Catena-X das zentrale Prinzip des Modells. Jeder Teilnehmer behalte die volle Kontrolle über seine eigenen Daten und lege vor jedem Austausch die Zugriffsrechte einzeln fest, sodass ein Zugriff durch unbefugte Dritte ausgeschlossen sei. Auf dieser Grundlage sollen sich regulatorische Anforderungen erfüllen lassen, ohne wirtschaftlich sensible Informationen offenzulegen.
Organisatorisch stützt sich der Start auf zwei Vereinbarungen: Zhonglian wird formell als Betriebspartner in China etabliert, während Zhonglian und Cofinity-X gemeinsam die technische Lizenzierung übernehmen. Zhonglian betreibt die zentralen Marktdienste und fungiert als regulatorische Schnittstelle, während Catena-X, CAAM und VDA China die Führung bei Strategie, Standards und Governance behalten. Cofinity-X bleibt Inhaber der Technologielizenz und unterstützt den Hochlauf finanziell sowie fachlich.
Der Schritt baut nach Angaben von Catena-X auf fast vierjähriger Vorarbeit in China auf. Bereits etabliert ist eine Partnerschaft mit dem China Automotive Technology & Research Centre Lin-Gang, das über ein nationales Mandat zur Definition von Datenwhitelists verfügt. Ergänzend wurde ein Digital Clearing House am Suzhou International Data Port eingerichtet, betrieben von Sungent Digital und unterstützt vom CAICT.









Wird geladen...