Die automobilen Höhepunkte der CES 2025 in Las Vegas

Die automobilen Höhepunkte der CES 2025 in Las Vegas
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Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
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Kaum ein Messestand auf der Consumer Electronic Show 2025, der CES in Las Vegas, wirbt nicht auf blinkenden Displays mit dem Trendthema künstliche Intelligenz. Doch was hat die wichtigste Tech-Messe des Jahres an echten automobilen Neuheiten zu bieten?

Die bahnbrechenden Neuerungen, die großen Stars und spektakuläre Shows – man sucht sie zumindest in automobiler Hinsicht auf der CES in Las Vegas weitgehend vergeblich. BMW zeigt sein neues Anzeige- und Bedienkonzept des Panoramic iDrive, dessen Betriebssystem Operating System X unter dem Strich wohl wichtiger ist, als die Abkehr von Dreh- / Drücksteller und Rundinstrumenten hinter dem griffigen Dreispeichen-Lenkrad. Sony sowie Honda festigen ihre Kooperation mit dem windschlüpfrigen Afeela 1 und Schaeffler lässt seine humanoiden Roboter auf die Kunden aus der Tech-Branche los.

Die Displays werden immer größer, die Prozesse schneller und nicht nur die neuen Superchips von Nvidia sorgen für ungeahnte Rechenleistungen auf vier Rädern, während das Thema künstliche Intelligenz auch in der Wüste Nevadas über nahezu allem wacht. „Künstliche Intelligenz ist ein Innovationsbooster und kann die Industrie weltweit verändern“, sagt Dr. Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung und CDO von Bosch.

Die Autoindustrie ist auf dem wichtigsten Tech-Event des Jahres auch diesmal nur Nebendarsteller. Gigantische Imagebauten wie auf Automessen vergangener Zeiten, millionenschwere Key-Note-Events oder automobile Katapultsprünge in die Zukunft – das alles fehlt auf der CES mehr als in den Jahren zuvor. Große Neuerungen finden eher im Kleinen statt.

Bei den Zulieferern der zweiten oder dritten Reihe (Tier-2 / Tier-3) abseits des großen Rampenlichts gibt es feine Programmierungen, findige Ideen und einen Gründergeist, der glänzen kann. Doch was davon den Sprung auf die große internationale Bühne der Auto- und Mobilitätsszene schaffen wird, scheint ungewisser denn je.

Unverändert ist die CES eine kunterbunte Kontaktbörse, ein bisweilen wildes Panoptikum der Skurrilität zwischen blassen Ideen und kühnen Verheißungen. Die großen Auftritte kommen aus Asien und hier zumeist aus China. „Es sind auf der CES im Januar immer sehr viele Asiaten hier“, lächelt Fernanda, Bedienung aus einem der Frühstücksrestaurants am legendären Las Vegas Strip, „die geben immer so wenig Trinkgeld. Was ist die CES überhaupt für ein Event – etwas mit Film?“ Fast. Die gibt es ab Sommer in neuen Mercedes-Modellen zu bestaunen: mit dem Entertainmentdienst Ridevu.

In Las Vegas ist die Consumer Electronic Show als viertägige Fachmesse mit zuletzt rund 130.000 Besuchern kein wirkliches Großereignis. Da ziehen die Sportgroßereignisse in der Spielerstadt mehr, und wenn am Wochenende die vergnügungssüchtigen Partypeople in die Wüstenstadt einfallen, erinnert sich an die CES und deren Bedeutung niemand mehr.

In der Tech-Szene sieht das ganz anders aus. Gegen alle anderen Events in Asien, Europa und den USA hat sich die CES mit dem geschäftstüchtigen Organisator Gary Shapiro durchgesetzt. Wer unter den Tekkies etwas gelten will, muss hier entweder im Licht der LED-Spots strahlen oder eifrig Klinken putzen. Da macht die Autoszene keine Ausnahme, auch wenn die großen Nachrichten in diesem Jahr fehlen.

Europäische Hersteller sucht man nahezu vergeblich

Europäische Hersteller sucht man nahezu vergeblich – deutsche Firmen aus der ersten Reihe ohnehin. Selbst die großen Messestars vergangener Jahre wie Hyundai, Kia, General Motors, Ford oder die automobilen Start Ups – die meisten nehmen sich eine Auszeit, die ihren Grund kaum in allzu übertriebenen Kostendeckungsmaßnahmen haben dürfte. Selbst von den chinesischen Autoherstellern trumpft in der Spielerstadt kaum eine Marke auf und die Neuerungen von Xpeng, Zeekr oder Great Wall sind keine großen Nachrichten.

Die großen Fortschritte beim Thema Fahrerassistenzsysteme fehlen trotz neuer Kameras, imposanter Sensortechnik und rasend schneller Prozessoren – auch weil die Komponentenpreise nicht sinken und die Regulatorik mauert. Keine einfachen Zeiten für Marktführer wie Waymo, Mobileye oder autonome People Mover wie Zoox oder Suzuki Glydways.

Die Gründe für die Zurückhaltung in der Autobranche sind vielfältig. Der große Trend in Richtung Elektromobilität hakt, stolpert und hinkt – mehr denn je in den Vereinigten Staaten mit einem Präsidenten Donald Trump am politischen Horizont. So gehen auch einige Neuheiten in der Akku- und Ladetechnik in den prall gefüllten Messehallen unter. Brake by Wire, natürliche Sprachbedienung oder innovative Displaytechnik wie von BMW oder Hyundai – doch der große Sprung nach vorn ist auf der CES des Jahres 2025 kaum zu sehen.

So ist es diesmal eher ein Branchentreff, ein Meinungsaustausch und eine Plattform, von der viele Firmen ihr Topmanagement eine Etappenreise durch die USA machen lassen. Das Silicon Valley, Austin oder Phoenix sind schließlich gleich um die Ecke, bevor es wieder zurück nach Europa geht.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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