Knapp drei Jahrzehnte lang war Japan die unangefochtene Nummer eins unter den Fahrzeuglieferanten Australiens. Im Februar hat China diesen Platz übernommen – und das mit einer Geschwindigkeit, die selbst Branchenkenner:innen überrascht. Rund 25 Prozent aller Neuzulassungen auf dem australischen Markt entfielen in diesem Monat auf Autos chinesischer Herkunft, darunter sowohl Verbrenner als auch elektrifizierte Modelle.
„Diese Trendlinie ist sehr klar, und sie wird so schnell nicht aufhören“, sagte Tony Weber, Chef des australischen Branchenverbands Federal Chamber of Automotive Industries (FCAI). Besonders deutlich zeigt sich die Dominanz im Elektrosegment: Etwa zwölf Prozent aller Februarverkäufe waren E-Autos, chinesische Marken hielten daran einen Anteil von rund 80 Prozent.
Der Aufstieg chinesischer Automobilhersteller in Australien ist nicht nur bemerkenswert wegen der Zahlen, sondern vor allem wegen des Tempos. Noch kurz vor der Corona-Pandemie lag der Marktanteil chinesischer Importe bei unter zwei Prozent. Bis 2035 könnte er auf 43 Prozent wachsen, prognostiziert die Australian Automotive Dealer Association (AADA). „Es war eine enorme Wachstumsgeschichte, die unseren Markt in Echtzeit verändert“, so AADA-Chef James Voortman.
In den vergangenen fünf Jahren seien 28 neue Marken auf den australischen Markt gekommen, unterstützt von rund 750 neuen Händlerstandorten. Bis 2031 rechnet die AADA mit 75 aktiven Marken – gegenüber 39 im Jahr 2021. Das Wachstum geht nahezu ausschließlich auf chinesische Anbieter zurück.
Was den australischen Markt so offen macht
Australien hat in den vergangenen Jahrzehnten seine Handelsbarrieren stetig abgebaut. In den 1980er-Jahren lagen die Importzölle auf Fahrzeuge noch bei bis zu 57,5 Prozent. Inzwischen gelangen durch Freihandelsabkommen nahezu alle Autos zollfrei ins Land. Eigene Designvorschriften gibt es kaum, Sicherheits- und Emissionsregeln orientieren sich an der Europäischen Union. Für Automobilhersteller, die bereits in Europa aktiv sind, ist der Marktzugang damit vergleichsweise unkompliziert. Hinzu kommt: Seit 2016 existiert in Australien keine heimische Fahrzeugproduktion mehr – eine Schutzzoll-Debatte entfällt damit weitgehend.
„Wir wollen die besten Produkte von überall auf der Welt, und wenn das, was bei uns ankommt, anderswo subventioniert wurde, wird das schlicht als Bonus betrachtet“, so Weber. Trotz fehlender Franchise-Gesetze, die einen Direktvertrieb verhindern würden, setzen praktisch alle chinesischen Marken auf lokale Handelspartner. „Chinesische Hersteller wollen so schnell wie möglich Volumen in unseren Markt bringen, und sie haben erkannt, wie schwierig das in einem Land wie Australien im Alleingang ist“, erklärte Voortman.
Kanada öffnet die Tür einen Spalt
Ein Blick nach Kanada zeigt, wie unterschiedlich der Umgang mit chinesischen Importen ausfallen kann. Ottawa hat kürzlich den Zollsatz auf 49000 elektrifizierte Fahrzeuge aus China von 106 auf 6,1 Prozent gesenkt. Die jährliche Quote soll ab 2026 um jeweils 6,5 Prozent steigen, begrenzt den chinesischen Marktanteil kurzfristig aber auf etwa drei Prozent. Gleichzeitig sind die regulatorischen Hürden hoch: Kanadas Sicherheitsstandards orientieren sich an den USA, europäische oder asiatische Zulassungen sind dort kaum von Nutzen.
Der Schritt ist innenpolitisch umstritten. Ontarios Premierminister Doug Ford und mehrere Branchenvertreter kritisierten das Abkommen, ebenso der konservative Oppositionsführer Pierre Poilievre. Die kanadische Regierung hatte das Abkommen unter anderem damit begründet, chinesische Investitionen in die heimische Autoproduktion anstoßen zu wollen – konkrete Zusagen stehen bislang allerdings aus. Trotz der Kontroverse stehen kanadische Händler dem Abkommen mehrheitlich offen gegenüber. BYD, Chery und Geely führen bereits Gespräche mit lokalen Vertriebspartnern.
Quelle: Automotive Canada News – China is on its way to dominating Australia’s auto market. Could Canada be next?








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