Rund 5000 Beschäftigte haben sich bei der zweiten Betriebsversammlung des Jahres im Audi-Werk Ingolstadt über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens informiert. Die Veranstaltung in der Halle B sowie an den zugeschalteten Außenstandorten Neuburg an der Donau und Münchsmünster stand im Zeichen einer klaren Botschaft: Ein reiner Sparkurs reiche nicht aus, um Audi langfristig zu stabilisieren.
Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jörg Schlagbauer eröffnete die Versammlung mit einem Appell an den gemeinsamen Zusammenhalt. Als symbolischen Impuls präsentierte er den neuen Supersportwagen Audi Nuvolari, der in kurzer Zeit durch ein kleines, bereichsübergreifend arbeitendes Team entstanden war. Schnelle Entscheidungen und unkomplizierte Zusammenarbeit hätten dabei eine zentrale Rolle gespielt. „Wenn wir genau diesen Audi Spirit leben, dann ist wieder möglich, was viele heute kaum noch für möglich halten“, so Schlagbauer.
Auslastung vor Einsparen: Betriebsrat setzt Prioritäten
Betriebsrätin Rita Beck zeichnete ein nüchternes Bild der aktuellen Stimmung in der Belegschaft. Steigende Lebenshaltungskosten, Diskussionen über soziale Absicherung und die wirtschaftliche Gesamtlage hätten dazu geführt, dass viele Beschäftigte die Fragen zur eigenen Zukunft konkreter wahrnähmen als bisher. Verlässlichkeit entstehe dabei nicht durch Hoffnung, sondern durch klare Regelungen und Mitbestimmung.
Als handlungsleitende Prioritäten nannte Beck konkrete Maßnahmen: das geplante automatisierte Großteilelager, das Arbeitsplätze sichern und gleichzeitig Fabrikkosten pro Fahrzeug senken soll, sowie die Rückholung von Fertigungsumfängen in die Hausteilfertigung. Hinzu komme der Anlauf des Audi Q3 in Ingolstadt und künftige Projekte wie der Audi A2 e-tron, die für Beschäftigung und Auslastung sorgen sollen. „Wir brauchen Entscheidungen, die das Ganze im Blick haben“, betonte Beck.
Auch der Standort Neckarsulm war Thema. Beck formulierte die Position des Betriebsrats eindeutig: Eine Schließung komme nicht infrage. „Neckarsulm ist Teil der Audi DNA – darüber wird nicht verhandelt. Unsere Standorte stehen nicht im Wettbewerb gegeneinander, sondern stehen gemeinsam für die Zukunft von Audi.“
Vereinbarung aus dem März gerät unter Druck
Arbeitsdirektor Xavier Ros gab einen Überblick über den Umsetzungsstand der Zukunftsvereinbarung, die Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter im März 2025 geschlossen hatten. Darin war vereinbart worden, bis Ende 2027 bis zu 6000 Stellen im indirekten Bereich abzubauen. Rund 4500 davon seien bereits umgesetzt oder vertraglich fixiert.
Gleichzeitig machte Ros deutlich, dass sich die Ausgangslage seit Unterzeichnung der Vereinbarung erheblich verändert habe. „Märkte schrumpfen, neue Wettbewerber greifen an, unser bisheriges Geschäftsmodell trägt so nicht mehr“, sagte er. Der Handlungsdruck sei gestiegen. Nur ein konsequentes gemeinsames Vorgehen, eng abgestimmt mit dem Volkswagen-Konzern, könne Audi dauerhaft wettbewerbsfähig halten und Beschäftigung sichern. Der Beitrag zum konzernweiten Transformationsprogramm sei dabei nicht optional, sondern Voraussetzung.
Quelle: Audi – Pressemitteilung









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