Analyst: China wird 2020 keinen weiteren E-Auto-Rückgang verzeichnen

Analyst: China wird 2020 keinen weiteren E-Auto-Rückgang verzeichnen
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Matthias Schmidt, Automobil-Analyst, der bereits die Verdopplung der E-Autozulassungen für 2020 prophezeit hat, geht davon aus, dass China 2020 keinen weiteren E-Auto-Rückgang verzeichnen wird. Am Ende des dritten Quartals konnte man festhalten, dass die Elektroauto-Zulassungen im Vergleich zum Vorjahr in China um 11,6 Prozent zurückgegangen sind, was eindeutig auf die Reduzierung/Abschaffung von entsprechenden Subventionen zurückzuführen ist.

Chinas E-Auto-Quote wird Zulassungsrückgang stoppen…

China blickt Ende des 3. Quartals 2019 dennoch auf 692.000 zugelassenen E-Autos zurück, und damit 27,8 Prozent mehr als gegenüber dem Vorjahr (541.500 Einheiten). Beziehungsweise 3,8 Prozent Anteil am gesamten PKW-Markt Chinas. Und dennoch zeigt sich auch hier, dass man hinsichtlich des eigenen Wachstums stark hinter Europa (89,8 Prozent) zurückliegt, auch wenn die absoluten Zulassungen um den Faktor 2,7 – aufgrund der Marktgröße – höher liegen als in Europa.

Für 2020 geht Schmidt davon aus, dass die Zulassungszahlen nicht weiter zurückgehen. Ausschlaggebend sei die Elektroauto-Quote, die ab 2019 greift und 2020 ausgeweitet wird. Erste Details zur Quote in China wurden bereits vor gut zwei Jahren bekannt. Diese verpflichtet die Hersteller zu einem Mindestabsatz von elektrifizierten Autos, dieser wird nicht rein über die Anzahl verkaufter Fahrzeuge bemessen, sondern über ein Punktesystem, welches rein elektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride unterschiedlich gewichtet. Betroffen sind Hersteller, die mindestens 30.000 Autos jährlich produzieren.

Ab 2019 müssen die Automobilhersteller sogenannten NEV-Punkte (New Energy Vehicles) im Wert von zehn Prozent ihrer Produktionsmenge sammeln. 2020 steigt dieser Wert auf zwölf Prozent an. Hinsichtlich der Bewertung werden reine Elektroautos mit einer Reichweite größer 300 Kilometer mit 4,4 Punkten und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge mit 2,0 Punkten gewertet. Erfüllt der Hersteller seine Quote, kann er die “überschüssigen” Kreditpunkte an andere Hersteller verkaufen. Im Umkehrschluss muss man beim Nichterfüllen der Quote entsprechende Punkte hinzukaufen.

Start-Ups, Politik und ausländische Automobilhersteller pushen E-Auto-Absatz

Zudem sollen Fahrzeuge mit Alternativem Antrieb künftig in China einfacher zugelassen werden können. Unabhängig von bestehenden begrenztem Kennzeichenkontingenten. Zudem hat man eine Vielzahl von E-Autos von der Kaufsteuer befreit, wodurch attraktivere Preise am Markt möglich werden. Dies gekoppelt mit der Fertigung des Model 3 in China könnte nochmals für einen Aufschwung sorgen.

Des Weiteren wartet China mit einigen interessanten Start-Ups auf, welche durchaus eine Rolle am dortigen Markt spielen könnten. So konnte NIO im dritten Quartal ein Absatzplus für seine zwei E-Auto-Modelle verzeichnen, weitere Varianten sollen folgen. XPENG Motors nährt sich der Serienreife und auch Automobilhersteller Chery profitiert vom Elektroauto-Absatz in China und setzt für die Zukunft auf eine breite Basis Alternativer Antriebe im eigenen Portfolio.

Im nächsten Jahr bestätigte Volkswagen, dass sie 300.000 Plug-in-Fahrzeuge in China (E-Autos und PHEV) verkaufen wollen. Der Markt liegt in diesem Jahr weiterhin im Plan für über 900.000 E-Auto-Lieferungen. Daher kann China wohl eher freudig in die Zukunft blicken, hinsichtlich des Absatzes elektrifizierter Fahrzeuge.

Quelle: Matthias Schmidt – West European Electric Car Market Intelligence Monthly Report September 2019

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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