Zweites Leben für MAN Batteriepacks

Zweites Leben für MAN Batteriepacks
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MAN Truck & Bus

Iris Martinz
Iris Martinz
  —  Lesedauer 2 min

Langsam hat sich herumgesprochen, dass man mit der Nachnutzung und dem Recycling von Batterien aus Elektroautos und -nutzfahrzeugen die Effizienz von Batteriesystemen steigern und im besten Fall sogar Geld verdienen kann. Jüngstes Beispiel: der Nutzfahrzeughersteller MAN Truck & Bus initiiert ein Projekt zum Einsatz von gebrauchten Fahrzeugbatterien als stationärer Energiespeicher und ist Teil des Volkswagen Group Recyclingnetzwerkes. So sollen wertvolle Ressourcen weitergenutzt bzw. als Sekundärrohstoffe wieder in den Materialkreislauf zurückgebracht werden.

Auch in der Nutzfahrzeugbranche hat die Transformation zum emissionsfreien Antrieb Fahrt aufgenommen. MAN geht davon aus, dass im Jahr 2030 batterieelektrische Antriebe etwa 60 Prozent des Verteiler- und 40 Prozent des Fernverkehrs abdecken werden. Elektro-Busse gehören im urbanen Bereich zwar schon zum Stadtbild, bis die eingesetzten Batterien aber ausgetauscht werden müssen, werden noch Jahre vergehen. Im Nutzfahrzeugbereich zeigt sich also das, was sich im E-PKW-Segment vor zehn Jahren gezeigt hat: es sind einfach noch zu wenige gebrauchte Batterien verfügbar, damit die Aufbereitung oder das Recycling industrielle Maßstäbe annehmen kann.

Dennoch arbeitet MAN bereits an einer Strategie zur Folgenutzung. Batterien, die aus dem Fahrzeug zurück zu MAN kommen, werden dahingehend analysiert, ob eine Weiterverwendung im Fahrzeug nach einer Instandsetzung möglich ist. Wenn nicht, werden die Batterien so aufbereitet, dass sie als Pufferspeicher für erneuerbar erzeugte Energie eingesetzt werden können („2nd Life“). Sind sie auch dafür nicht mehr geeignet, werden sie einem ressourcenschonenden, also stofflichen Recycling zugeführt.

Die notwendigen Tätigkeiten macht MAN aber nicht selbst: im Bereich des 2nd Life arbeitet man mit der Universität Kassel gerade an realen Projekten. 120 LKW-Batteriepacks wurden an einen Speicherhersteller übergeben, der daraus einen Speicher zur Spitzenlastabdeckung in der Industrie baut. Dieser wird hinsichtlich der Sicherheit, der Leistung der Batterie und den Restladezyklen eingehend getestet. Ein weiteres Pilotprojekt wird mit Batterien aus dem ersten vollelektrischen Serien-Stadtbus Lion’s City E definiert.

Sind die Batterien endgültig am Ende ihres Lebens angekommen, gehen sie ins Recycling. Auch hier arbeitet MAN mit lokalen Recyclingpartnern zusammen, die die enthaltenen Rohstoffe wie Nickel, Mangan, Kobalt oder Lithium wiedergewinnen und in die Neuproduktion zurückschleusen. Aktuell liegt die Recyclingquote bei mehr als 70 Prozent bezogen auf das Gewicht der Batterie. Dabei setzt man auf ein mechanisches Verfahren, mit anschließender hydrometallurgischer Aufbereitung. Nur so lassen sich alle Wertstoffe aus den gebrauchten Batterien wiedergewinnen. MAN ist Teil des Volkswagen Group Recyclingnetzwerkes mit Recycling-Partnern in ganz Europa.

Quelle: MAN Truck & Bus – Pressemitteilung vom 02. November 2022

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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