Zellfertigung für Elektroauto-Batterien würde Bosch 20 Milliarden Euro kosten – „finanziell kein Problem“

Zellfertigung für Elektroauto-Batterien würde Bosch 20 Milliarden Euro kosten – „finanziell kein Problem“
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Robert Bosch GmbH

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Mit Bosch will der weltweit größte Automobilzulieferer nach monatelanger Bedenkzeit bis Ende des Jahres entscheiden, ob der Konzern nun tatsächlich in die Batteriezellenfertigung für Elektroautos einsteigt. Bosch-Chef Volkmar Denner nannte dazu in einem Interview mit dem Handelsblatt erstmals konkrete Ziele und Zahlen. „Eine führende Position bei Batteriezellen würde etwa 20 Prozent Marktanteil bedeuten“, sagte Denner. Um den gewünschten Marktanteil zu erreichen, müsste der Zulieferer bis 2030 etwa 200 Gigawattstunden Produktionskapazität aufbauen, „was etwa 20 Milliarden Euro kosten würde“.

Obwohl diese Investitionssumme für Bosch „finanziell kein Problem“ darstelle, müsse so eine Entscheidung wohlüberlegt sein, so Denner. Es gebe „viele Risiken dabei. Und was die Batterietechnologie angeht, macht der Einstieg in die aktuelle Technik ohnehin für uns keinen Sinn.“ Bosch forsche deshalb an der nächsten Generation, der Festkörperzelle.

„Der Übergang zur Elektromobilität braucht Zeit und Investitionen. Um den Transformationsprozess zu managen, werden wir sicherlich zehn Jahre benötigen. Das gilt sowohl für die Beschäftigung als auch für die Produktion“. – Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung Robert Bosch GmbH

Neuer Kodex wegen Dieselskandal

Der Bosch-Chef habe im Zuge des Dieselskandals außerdem persönlich einen neuen Kodex für das Unternehmen erarbeitet. „Ich habe selbst für Bosch einen sogenannten Produktentwicklungskodex formuliert. Das ist für mich Chefsache“, sagte Denner dem Handelsblatt.

Der Kodex enthalte drei glasklare Prinzipen: „Erstens gehen Legalität und Bosch-Werte vor Kundenwunsch.“ Zweitens sei der Einbau von Funktionen zur sogenannten Zyklus- oder Testerkennung verboten. Damit sei „ausgeschlossen, dass Produkte erkennen, ob sie sich in einem Testmodus oder im Regelbetrieb befinden“, erklärte Denner. „Und drittens: Eine Optimierung auf solche Tests ist ebenfalls nicht erlaubt. Wir wollen mit unseren Produkten die Lebensqualität der Menschen verbessern und die natürlichen Ressourcen bestmöglich schützen.“

Die Schwaben wollen mit gutem Beispiel vorangehen und in Europa keinen Auftrag mehr für Benzinmotoren ohne Partikelfilter annehmen. Bosch will sogar über die Vorgaben der Gesetzgeber hinausgehen. „Benziner und Diesel dürfen künftig, vereinfacht gesagt, nur das ausatmen, was sie einatmen“, sagte Denner.

Selbst Umsatzeinbußen seien einkalkuliert. „Das zu schützende Ziel ist wichtiger – nämlich die Reputation und Glaubwürdigkeit des Unternehmens“, betonte Denner. „Wir vertreten den Kodex offensiv und nehmen keine anderen Geschäfte mehr an. Das wissen unsere Kunden.“

Quellen: Handelsblatt – Vorabmeldungen vom 15.12.2017 und 14.12.2017

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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