Wie die Zwangspause an der Wallbox verhindert werden kann

Wie die Zwangspause an der Wallbox verhindert werden kann
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Immer mehr Elektroautos und Wallboxen für die heimische Garage unterstützen eine Ladeleistung von bis zu 22 Kilowatt, womit sich in weniger als einer Stunde mehr als 100 Kilometer Reichweite nachtanken lassen. Doch ist damit bald Schluss? Statt der vollen Leistung fließen möglicherweise nur noch wenige Kilowatt oder gar kein Strom mehr – nämlich dann, wenn zu Spitzenzeiten das Netz überlastet ist.

Weil immer mehr Menschen E-Autos fahren und gleichzeitig laden wollen, rückt dieses Szenario für Stromnetzbetreiber vielerorts in den Fokus, hat allerdings von Bundesminister Peter Altmaier bereits eine Absage erteilt bekommen. Immer mehr kristallisiert sich nun heraus, dass Ladevorgänge smart gesteuert werden müssen, um die Sicherheit der Stromversorgung gewährleisten zu können. Denn verteilen sie sich gleichmäßiger über den Tag, wird das Netz nicht überlastet und Endverbraucher müssen keine Zwangspause an der Wallbox in Kauf nehmen.

In Zukunft können Preisanreize dabei eine entscheidende Rolle spielen: Dynamische Stromtarife können E-Auto-Fahrer dazu animieren, in verbrauchsarmen Zeiten zu laden oder ihnen die Freiheit geben, zu Spitzenzeiten mit voller Leistung – aber einem höheren Kilowattstundenpreis – zu tanken. Wie das preisgesteuerte Laden konkret funktionieren kann, zeigt die aktuelle Studie „Gesteuertes Laden von Elektrofahrzeugen über Preisanreize“, die im Förderprogramm Elektro-Mobil des Bundeswirtschaftsministeriums entstanden ist.

Ein Beispiel: Die Berliner Stadtreinigung hat im Zuge von Elektro-Mobil ihre elektrisch betriebenen Nutzfahrzeuge an fünf Standorten vernetzt und die Ladetechnik so ans Stromnetz angebunden, dass mögliche Ladezeiträume automatisiert an den Stromversorger übermittelt werden. Der Versorger meldet dann anhand von Strommarktprognosen die kostengünstigsten Ladezeitpunkte zurück. So konnte die Stadtreinigung – ohne die Bereitschaft ihrer zunehmend elektrifizierten Flotte einzuschränken – eine Netzüberlastung verhindern und zugleich die Beschaffungskosten je Kilowattstunde um rund 16 Prozent senken. Ein ähnlich hohes Einsparpotenzial bietet preisgesteuertes Laden für Endverbraucher.

Entsprechend einig sind sich die Studienautoren: Ungesteuertes Laden von Elektroautos ist mittel- bis langfristig aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll. Über die smarte Steuerung der Ladevorgänge können Kosten eingespart werden, sowohl für den Ausbau der Verteilnetze als auch für die Erzeugung notwendiger Regelenergie zum Ausgleich von Stromschwankungen. Gesteuertes Laden erhöht zudem die Nutzung von erneuerbarer Energie und verstetigt den Betrieb konventioneller Kraftwerke, was auch die CO2-Emissionen senkt.

Damit preisgesteuertes Laden Realität wird, sehen die Autoren u.a. folgenden Handlungsbedarf:

  • Neben der nötigen Vereinheitlichung von Hard- und Software kommt es auf die Umsetzung von Ladeinfrastruktur-Kommunikationsstandards an. Denn aktuell unterstützen nicht alle Ladesäulen- und Wallbox-Hersteller alle möglichen Funktionen. Das ist jedoch eine entscheidende Voraussetzung für flächendeckendes preisgesteuertes Laden.
  • Die Nutzungsforschung verdeutlicht, dass preisgesteuertes Laden für Nutzer möglichst einfach, d.h. in hohen Maße automatisiert und dennoch kosteneffizient sein muss.
  • Bei der Ausgestaltung von Anreizsystemen für preisgesteuertes Laden gilt es, finanzielle und nicht-finanzielle Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen.
  • Da Abgaben und Umlagen 80 bis 85 Prozent des Strompreises ausmachen, sollten diese für den Einsatzzweck des preisgesteuerten Ladens zumindest teilweise entfallen, damit die geringeren Ladestrompreise für die Verbraucher einen spürbaren Effekt haben.
  • Der Rechtsrahmen für Verteilnetzbetreiber sollte die Entwicklung von innovativen Geschäftsmodellen rund um preisgesteuertes Laden fördern und monetäre Attraktivität gewährleisten.
  • Nichtfinanzielle Aspekte können etwa in der Ausgestaltung der Nutzerschnittstellen adressiert werden, z. B. in Form App-basierten Feedbacks zum individuellen Umweltbeitrag.

Quelle: Begleitforschung Elektro-Mobil – Pressemitteilung per Mail

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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