Wie VW neue Batteriesysteme entwickelt: „Ohne Agilität läuft nichts“

Wie VW neue Batteriesysteme entwickelt: „Ohne Agilität läuft nichts“
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Volkswagen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Im Powerhouse von Volkswagen Group Components sind sie ganz früh im Prozess dabei: Dr. Ingke-Christine Grau und ihr Vorentwicklungs-Team, das die Batteriesysteme der Zukunft denkt und bis zur Vorserie entwickelt. Unterschiedliche Spezialisten für Sicherheit, Konstruktion, Bauteil-Architektur und Fahrzeug-Ingenieurwesen arbeiten hier markenübergreifend zusammen, um optimale Batteriesysteme für die Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns zu realisieren, so der Hersteller in einer aktuellen Mitteilung.

War gerade noch das Thema Cell-to-pack im Trend, denke das Team um Dr. Ingke-Christine Grau schon in Cell-to-car. Cell-to-pack bedeutet, dass Batteriezellen künftig ohne Bündelung in Modulen direkt ins Batteriegehäuse verbaut werden. Cell-to-car heißt, dass die Zellen direkt im Fahrzeugboden eingefügt und damit integrierter Teil der Chassis-Konstruktion werden. Themen, die mit einiger Sicherheit in den nächsten Jahren in Fahrzeugen der Volkswagen Konzern-Marken verwirklicht werden sollen. Denn: Ganz sicher ist in einer Vorentwicklungs-Abteilung nur, dass nicht jede Idee am Ende auch umgesetzt wird.

Jede Idee werde erst einmal gründlich geprüft. Tief ins Detail könne Grau nicht gehen, wenn sie von ihrer Arbeit spricht, denn vieles unterliege der Geheimhaltung. „Wir arbeiten unter anderem am Batteriesystem für ein internes Projekt mit dem Arbeitstitel ‚Trinity‘, soviel kann ich verraten“ sagt Grau. ‚Trinity‘ ist der Arbeitstitel für ein künftiges Fahrzeugmodell von Volkswagen, das auf einer hochmodernen Elektro-Flach-Plattform basieren soll. Grau koordiniert ein Team aus Konstrukteuren, Berechnern und Systementwicklern, das unter anderem im Auftrag der Technischen Entwicklung arbeitet.

Bei der Vorentwicklung müssen viele Dinge von Anfang an mitgedacht werden: Die richtige Kühlung, die hohen Sicherheitsvorgaben, die Elektronik, die Steuerung. Zuerst als Simulation rein virtuell, danach werde das System bis zur Level 2 Freigabe für Prüfstand und Testgelände innerhalb des Teams der Vorentwicklung mit Unterstützung der Serienentwicklung perfektioniert. Gemeinsam mit dem Vorserien-Center werden die Systeme aufgebaut und zusammen mit der Serienentwicklung getestet und freigegeben.

Agiles Arbeiten gehöre in der Vorentwicklung längst zum Alltag; immer wieder werden Zwischenschritte hinterfragt und überprüft. „Nur so können wir im Team zu einem logischen nächsten Schritt und in der Konsequenz zu einem guten Ergebnis kommen“, erklärt Grau. Von der ersten Idee bis zum Vor-Serien-Modell kann sich ein Batteriesystem auch komplett verändern, das bringt die Arbeitsweise mit sich. Komplex seien Änderungen allemal, da von einer einzigen Änderung auch andere Bauteile betroffen sein können, die wiederum Auswirkungen auf andere Bauteile haben. Hierbei den Überblick nicht zu verlieren und diese Komplexität zu managen, ist die Hauptaufgabe von Ingke Grau.

E-Mobilität hat im Volkswagen Konzern bekannterweise einen hohen Stellenwert erlangt ‒ insofern werden auch immer wieder neue Anforderungen an das Team gestellt. Gefragt sei Schnelligkeit, Beweglichkeit und das Erfassen von komplexen Zusammenhängen. Die Vorentwicklerinnen und Vorentwickler sind die kreativen Köpfe bei der Entstehung eines Batteriesystems und ihrer Zeit gedanklich voraus. Damit sorgen sie dafür, dass die Batterie auch in Zukunft das elektrische Herz eines Elektroautos bleibt.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 24.06.2021

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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