VW verteidigt die Einführung der hochpreisigen ID.3-Version

VW verteidigt die Einführung der hochpreisigen ID.3-Version
Copyright ©

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 1214054179

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen hat seine Entscheidung verteidigt, einen teureren ID.3 für Early Adopters auf den Markt zu bringen, deutlich bevor die deutlich günstigere Einstiegsversion seines ersten vollelektrischen Massenautos zu haben sein wird. VW hatte zunächst damit begonnen, nur Bestellungen für die ID.3-Erstausgabe entgegenzunehmen, deren Preis in Deutschland unter 40.000 Euro liegen soll.

Dabei sagte Volkswagen stets, der ID.3 sei ein Auto „für Millionen und nicht für die Millionäre“, und betonte wiederholt die Erschwinglichkeit des Autos für den alltäglichen Käufer.

Der ID3 wird jedoch nicht gleich zum Massenauto, da VW sich entschlossen hat, zunächst eine limitierte Kleinserien-Erstausgabe des Elektroautos im Golf-Format auf den Markt zu bringen, deren Preis sogar noch höher ist als jener der Mittelklasse-Limousine Passat. Dies lag zum Teil an der Entscheidung der VW-Führungskräfte, dass das Unternehmen zuerst Interesse an der ID.3-Technologie wecken musste, bevor sich die Massenkunden wohl fühlen würden, ein Auto mit einem anderen Antriebsstrang als ein Benzin- oder Dieselaggregat zu kaufen, so Automotive News Europe.

VW zielt auf die „Early Adopters“

Auf dem Automotive News Europe Congress im vergangenen Monat sagte VW-Marken-Marketingchef Jochen Sengpiehl, der Autohersteller konzentriere sein erstes Marketing für den ID.3 bewusst auf die „Early Adopters“ der Elektroauto-Technologie. Der auf 30.000 Exemplare limitierte ID.3 1ST richte sich eigens an diese spezielle Kundengruppe, die neue Produkte möglichst früh nutzen wollen und dafür auch einen Aufpreis in Kauf nehmen. Selbiges hat Tesla auch mit dem Model 3 gemacht.

In den Wochen und Monaten vor der Premiere hatte VW den ID.3 stets als erstes erschwingliches Langstrecken-Elektroauto im Kompaktsegment angepriesen, dessen Preis vergleichbar sei mit einem Golf-Diesel. Der Hersteller sei jedoch zu dem Entschluss gelangt, dass es „falsch“ sei, den ID.3 in einer Ausführung mit geringerer Reichweite und weniger Ausstattung in den Markt einzuführen. Early Adopter, die früh auf einen E-Pkw umsteigen, wollten mehr Funktionalitäten wie etwa ein Augmented Reality Head-up-Display, so die für Vertrieb und Marketing der neuen Elektro-Baureihen verantwortliche Managerin Silke Bagschik.

Volkswagen will spätestens im Jahr 2025 den US-Hersteller Tesla als E-Auto-Spitzenreiter bei den Verkäufen eingeholt haben und dann eine Million E-Autos pro Jahr absetzen. Tesla strebt in 2019 zwischen 360.000 und 400.000 verkaufte Stromer an. Für seinen Massenstromer Model 3 hatte der E-Auto-Pionier schon einige Wochen nach seiner Vorstellung fast eine halbe Million Reservierungen verzeichnet.

VW zufolge haben bislang etwa 22.000 Interessenten einen der ersten VW ID.3 per Prebooking reserviert. Damit ist das Kontingent von 30.000 Einheiten für die sogenannte „1st Edition“ noch nicht ausgeschöpft.

VW will 100.000 Einheiten pro Jahr verkaufen

Der ID.3 soll mit drei unterschiedlichen Batteriegrößen zwischen 45 und 77 kWh in den Handel kommen, die Reichweiten der Modelle liegen zwischen 330 und 550 Kilometern nach WLTP. Serienmäßig ist eine Schnellladefunktion mit bis zu 125 kW verfügbar. Auch mit der kleinsten Batterie soll der ID.3 innerhalb einer halben Stunde an entsprechenden Ladesäulen – etwa von Ionity – ausreichend Energie für mindestens 260 Kilometer Reichweite tanken können. Diese Basisvariante soll weniger als 30.000 Euro kosten.

Die 1st Edition des ID.3 ist mit der mittleren 58 kWh-Batterie ausgestattet, ihre Reichweite liegt bei bis zu 420 Kilometern. Die Produktion des ID.3 läuft Ende dieses Jahres in Zwickau an, zunächst werden die Fahrzeuge der Vorbesteller gebaut und ab Sommer 2020 ausgeliefert. Erst mit dem Marktstart dieser Modelle soll auch die Basisversion erhältlich sein. Insgesamt will VW jährlich mehr als 100.000 Einheiten des Stromers verkaufen.

Quellen: Automotive News Europe – VW defends launch of high-priced ‚mass-market‘ EV // Ecomento – VW-Manager erklären hohen Startpreis des ID.3

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.