VW-Betriebsratchef Osterloh: „Der Kunde wäre bereit für das Elektroauto, wenn die Infrastruktur zum Laden vorhanden wäre“

VW-Betriebsratchef Osterloh: „Der Kunde wäre bereit für das Elektroauto, wenn die Infrastruktur zum Laden vorhanden wäre“
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

In einem Interview mit der Zeit Online fordert der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh mehr staatliche Unterstützung, wenn es darum geht den Wandel zur Elektromobilität voranzutreiben. Osterloh findet ziemlich klare Worte in Richtung unserer Politiker und zeigt auf, dass die Kunden bereits heute bereit sind für das E-Auto. Wäre da nicht die Tatsache, dass keine oder kaum Infrastruktur zum Laden vorhanden wäre.

Bekanntermaßen erklärt der VW Konzern das Jahr 2019 zum Schlüsseljahr. Die E-Offensive startet, deutliche Effizienzsteigerungen sind geplant, aber auch ein großer Stellenabbau steht im Raum. Würde man bereits heute radikal auf E-Autos bei VW umstellen, bräuchte man laut Osterloh ein Drittel weniger Personal in der Produktion. Umso wichtiger scheint es daher, dass die Automobilbranche Rückhalt und Unterstützung durch die Politik erfährt.

Fehlende Lademöglichkeiten im Alltag als Hemmnis der Elektromobilität

In unserem Artikel „Wallbox in der Tiefgarage: Das endlose Warten auf die Lademöglichkeit daheim“, hatten wir eine der großen Hürden zur Ausweitung der E-Mobilität bereits aufgegriffen: eine fehlende, funktionierende Regelung für das Laden von E-Autos in mehrgeschossigen Mietshäusern.

Osterloh greift dieses Beispiel auf und geht auf die Problematik etwas alltagsnaher ein. So leben seiner Aussage nach 80 Prozent der Berliner Bevölkerung in Wohnungen in mehrgeschossigen Mietshäusern. Die Frage wo diese ihre Autos laden sollen erscheint gerechtfertigt. „Ganz davon abgesehen, dass oft die Leitungen nicht stabil genug sind. Das ist wie mit der Dreifachsteckdose. Wenn ich da einen Thermomix, einen Toaster und einen Wasserkocher gleichzeitig anstelle, springt die Sicherung raus, oder das Kabel wird heiß. Die Leitungen in vielen Straßen sind noch nicht stark genug“, so Osterloh weiter.

Einem aktuellen Diskussionsentwurf nach müssen Miteigentümer zukünftig alle Maßnahmen dulden und Mieter können vom Vermieter die „Erlaubnis zu baulichen Veränderungen“ für die Errichtung einer Lademöglichkeit verlangen. Verabschiedet ist das Ganze aber noch nicht.

Bernd Osterloh, VW-Betriebsratschef: „Ein bisschen Förderung reicht nicht“

Seit Mai 2016 ist die Entscheidung durch und die Elektroauto Kaufprämie – auch als Umweltbonus bekannt – beschlossen. Als zukünftiger Besitzer eines Elektroautos kann man sicherlich darüber freuen, dass man in Deutschland gesetzlich begünstigt wird. Das bisschen Förderung reiche aber nicht aus, dass man sich ein E-Auto zulegt, zumindest ist VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh dieser Meinung.

„Ich kaufe mir dann ein Elektroauto, wenn die Infrastruktur vorhanden ist. Die Leute sind ja total begeistert, wenn sie erst mal drinsitzen. Aber dann fragen die sich natürlich: Wo lade ich den denn auf?“, so Osterloh weiter.

Ausbau der Ladestruktur ist nur gemeinsam zu schaffen!

In diesem Zusammenhang sind einige der potentiellen Kunden der Meinung, dass das Ladenetz Aufgabe der Autoindustrie ist. Osterloh merkt im Interview mit der Zeit Online aber korrekterweise an „Aber wir waren bisher ja keine Mineralölgesellschaft und auch kein Energiekonzern. Da so locker zu sagen, die Ladeinfrastruktur könnt ihr ja machen, ist schon frech.“ Und dennoch geht man mit gutem Beispiel voran. Bis 2020 will Ionity, das von BMW, Daimler, Ford und dem Volkswagen-Konzern gegründete Konsortium, rund 400 Schnellladestationen entlang der wichtigsten Hauptverkehrsadern Europas betreiben.

Aber es reicht eben nicht aus: Deutschland braucht mehr Ladestationen für Elektroautos. Die Impulse scheinen vorhanden. Auch vonseiten der Politik. So fordern beispielsweise die Grünen eine Quote für Elektroauto-Ladestationen. Und auch die SPD-Chefin will die Zukunft der Automobilindustrie in der Bundesregierung zur Chefsache machen. Es gehe „um das Rückgrat der deutschen Wirtschaft“.

In Stuttgart soll die Zahl der Ladestationen mehr als verdoppelt werden und auch Firmen wie IKEA machen sich für E-Mobilität stark. Fast jeder scheint zu merken: „Der Hochlauf der Elektromobilität kommt in Europa“.

Selbst riesige Unternehmen aus Verbrenner nahen Branchen wie Shell scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und stellen sich entsprechend auf. In diesem Fall durch die Übernahme von NewMotion und dem Beitritt ins IONITY-Ladenetz.

Man kann festhalten, der Ausbau der notwendigen Ladeinfrastruktur kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen. So „…könnte die Regierung viele gesetzliche Hürden zum Bau der Ladesäulen endlich wegräumen“, um hier voranzukommen.

Die Quote für Elektroauto-Ladestationen, im Zusammenspiel mit der Reform des Miet- und Wohneigentumsrechts, mit der die Installation privater Ladepunkte erleichtert würde, könnte so zu einem schnellen Wachstum der E-Mobilität führen. Des Weiteren müsse das entsprechende Förderprogramm mit mehr Mitteln ausgestattet werden, um das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel von 100.000 Ladepunkten bis 2020 zu realisieren. Zudem gilt es konsequent Automobilhersteller, Firmen, usw… in den Ausbau des Ladenetzes einzubinden.

Man darf gespannt sein, ob Osterlohs Wunsch für „eine bessere Koordination der Fachministerien“ folge geleistet wird, und wir alle beim Wandel hin zur E-Mobilität davon profitieren.

Quelle: Zeit Online – Bernd Osterloh: „Ladesäulen bauen“

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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