VW-Aufsichtsratschef: „Wir brauchen Elektroautos“

VW-Aufsichtsratschef: „Wir brauchen Elektroautos“
Copyright:

David MG / Shutterstock.com

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Autos sollen mit dem Umstieg auf Elektrofahrzeuge einem Medienbericht zufolge deutlich teurer werden, günstige Kleinwagen zunehmend aus dem Programm der Hersteller verschwinden. „Wir haben das klare Ziel, die Elektromobilität auch für breite Bevölkerungsschichten zugänglich, das heißt erschwinglich zu machen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen, Hans Dieter Pötsch, in einem Interview mit der Welt am Sonntag. „Das Thema Einstiegsfahrzeuge“ werde in diesem Zusammenhang aber „ohne Zweifel schwierig“. Deren heutiges Preisniveau sei nicht zu halten, wenn auch diese Autos mit Elektromotoren ausgestattet werden sollen. Daher werde es vor allem im Kleinwagensegment zu erheblichen Preiserhöhungen kommen müssen, so Pötsch.

Die Frage, ob sich Menschen mit niedrigem Einkommen künftig noch einen eigenen Pkw leisten können, dürfte somit „ein Thema werden“, so Pötsch, der meint, dass bei der Festlegung neuer CO2-Grenzwerte seitens der EU wohl nicht „alle gesellschaftlich relevanten Aspekte ausreichend berücksichtigt worden“ seien. Die EU-Kommission habe zwar auf diese Entwicklung frühzeitig hingewiesen. „Leider haben EU-Parlament und EU-Rat diese soziale Frage der individuellen Mobilität nicht mehr aufgegriffen.“

Der erste als Elektroauto entwickelte Pkw von Volkswagen, der I.D., soll ab einem Preis von rund 30.000 Euro zu haben sein. Das entspreche einem vergleichbar ausgestatteten VW Golf. Elektroautos seien „cool, weil sie leise sind und schnell beschleunigen, also Fahrspaß bieten“, sagt Pötsch. Angesichts einer realistischen Reichweite von 300 bis 400 Kilometern und einer „alles andere als zufriedenstellenden“ Ladeinfrastruktur müssten Elektroautofahrer „Kompromisse machen“, meint der VW-Aufsichtsratsvorsitzende. Dennoch sein man bei Volkswagen „fest davon überzeugt“, dass sich Elektroautos durchsetzen, „sonst würden wir in den kommenden Jahren wohl kaum rund 30 Milliarden Euro in die E-Mobilität investieren“.

Volkswagen habe allerdings auch „keine Alternative“ zum Bau von Elektroautos. Die gerade von der EU beschlossene weitere Absenkung des CO2-Ausstoßes um 37,5 Prozent bis 2030 bedeutet, dass Pkw dann im Schnitt nur noch 60 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. „Das ist auch mit den allerbesten Verbrennungsmotoren nicht möglich. Wir brauchen also Elektroautos“, sagte der Aufsichtsratschef. „In unserem Fall bedeuten die Vorgaben aus Brüssel einen Anteil von etwa 40 Prozent E-Fahrzeuge ab 2030“. Das sei als Ziel auch zu erreichen – „wenn die Kunden mitmachen“.

„In unserer Gesellschaft besteht ein breiter Konsens darüber, dass wir alle zum Klimaschutz beitragen müssen. Und vielen Menschen ist klar, dass die individuelle Mobilität ein Feld ist, auf dem ein solcher Beitrag möglich ist. Hierfür bieten Elektroautos große Chancen – unter der Voraussetzung, dass die Primärenergie CO2-frei erzeugt worden ist. Dieses Argument wird viele Kunden dazu bringen, sich für ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug zu entscheiden.“ – Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen

Pötsch kündigte an, der VW-Konzern werde sich mit der Entwicklung von emissionsfreien, digital vernetzten und autonom fahrenden Autos grundlegend verändern und „auch zu einem Softwarekonzern“ werden. Die entscheidenden Fähigkeiten zur Entwicklung von Fahrzeug-Software müsse das Unternehmen in eigenen Händen halten. „Was die digitale Vernetzung von Autos angeht, sind wir weit vorangeschritten und kooperieren eng mit Microsoft“. Beim Thema autonomes Fahren werde man von Volkswagen „in den nächsten Monaten“ einiges hören, kündigte Pötsch an.

Außerdem wolle Volkswagen massiv in den Bau von Antriebsbatterien investieren. Am Batteriezell-Kompetenzzentrum in Salzgitter soll gemeinsam mit dem kalifornischen Unternehmen QuantumScape an der nächsten Generation von Batteriezellen geforscht werden, so Pötsch. „Gemeinsames Ziel ist es, eine Großserienproduktion von Feststoffbatterien zu ermöglichen.“

Quelle: Welt – VW-Aufsichtsratschef bereitet Kunden auf steigende Preise vor

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.