VDA über ‚Fit for 55‘: Ambitionierte Ziele brauchen die richtigen Rahmenbedingungen

VDA über ‚Fit for 55‘: Ambitionierte Ziele brauchen die richtigen Rahmenbedingungen
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Michael Neißendorfer
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Die Automobilindustrie unterstützt das Ziel der EU-Kommission, Europa als ersten Kontinent der Welt bis spätestens 2050 klimaneutral zu machen“, erklärt VDA-Präsidentin Hildegard Müller zu den am Mittwoch verkündeten Plänen der EU-Kommission im Rahmen des ‚Fit for 55‘-Pakets. Die Automobilindustrie gehe daher bereits energisch voran und investiere bis 2025 mehr als 150 Milliarden Euro in klimaneutrale Antriebe, Elektromobilität und die Digitalisierung des Verkehrs. Deutschland sei „schon heute Europameister bei E-Autos“, so Deutschlands mächtigste Auto-Lobbyistin.

Das ‚Fit for 55‘-Paket, mit dem die Klimapolitik der EU umfassend neugestaltet werden soll, verfolge daher auch die richtigen Ziele. Es schlage dabei aber „an wichtigen Stellen den falschen Weg ein“, findet Müller. Sie stellt in den Raum, dass bei den ehrgeizigen Zielen zur Minderung der CO2-Emissionen von Fahrzeugen unberücksichtigt bleibe, dass wichtige Voraussetzungen für die erfolgreiche Transformation mit den vorgeschlagenen Instrumenten nicht geschaffen werden können.

Mit dem für 2035 vorgesehenen Flottengrenzwert von 0 Gramm schlägt die EU-Kommission faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren vor – das gilt auch für Hybride und für leichte Nutzfahrzeuge“, stellt Müller fest. Der VDA empfindet dies als „innovationsfeindlich und das Gegenteil von technologieoffen“. Müller sagt, dass „die dadurch geforderte Beschleunigung der Transformation vor allem für viele Zulieferer kaum zu schaffen“ sei. Interessant an dieser Stelle ist, dass Müller damit konkrete Vorhaben einiger deutscher Autohersteller ausblendet. Volkswagen etwa, der weltweit größte Autohersteller, will in Europa zwischen 2033 und 2035 komplett aus der Verbrenner-Technologie aussteigen, bei VW-Tochter Audi soll dies schon ein paar Jahre früher der Fall sein. Und Opel hat erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, ab 2028 in Europa als eine reine E-Auto-Marke aufzutreten.

Positiv hebt Müller hervor, „dass die Kommission das Instrument einer verbindlichen Regulierung für den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorschlägt“. Die Ideen der EU seien „ein Schritt in die richtige Richtung“ und letztendlich auch das Ergebnis der Bemühungen des VDA. „Die Vorgaben müssen jetzt aber auch schnell und in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden – und zwar flächendeckend“, fordert Müller. Neben Aufbauverpflichtungen seien deswegen „auch europaweit Förderprogramme und die Beseitigung regulatorischer Hemmnisse in vielen Mitgliedstaaten gefragt“. Und nicht zuletzt müsse dafür gesorgt werden, dass Elektroautos zu 100 Prozent Ökostrom laden. „Nur so können wir das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher gewinnen“, findet die VDA-Präsidentin. Auch die Tankinfrastruktur für Wasserstoff sollte deutlich schneller ausgebaut werden als von der Kommission vorgeschlagen, sagt sie.

Den Vorschlag für eine neue ‚Erneuerbare-Energien-Richtlinie‘ (RED) findet der VDA nicht ehrgeizig genug. Anzuerkennen sei dabei, dass die Quote für erneuerbare Kraftstoffe deutlich erhöht wird. „Allerdings springt der Vorschlag zu kurz. Nach Berechnungen des VDA sind 30 Prozent erneuerbare Kraftstoffe im Bestand für 2030 erforderlich, damit auch der Fahrzeugbestand ausreichend zur Erreichung der Klimaziele beitragen kann“, erklärt Müller.

Quelle: VDA – Pressemitteilung vom 14 .07.2021

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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