TV-Doku: Kann das Elektro-Auto die Umwelt retten?

TV-Doku: Kann das Elektro-Auto die Umwelt retten?
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 31. Mai 2019 veröffentlicht. Hat aufgrund neuer Informationen allerdings am 03. Juni 2019 ein Update erfahren

Am Montag, 3. Juni, um 22.45 wird die TV-Doku „Kann das Elektro-Auto die Umwelt retten?“ von Florian Schneider und Valentin Thurn im Ersten (ARD) ausgestrahlt. „Die Story im Ersten“ macht sich auf Spurensuche, ob E-Autos wirklich die Rettung für die Umwelt sind. Was uns inhaltlich erwartet haben wir nachfolgend aufgegriffen.

Klimakiller Lithium-Ionen-Akku!

Thurn und Schneider setzen sich in ihrer Doku mit der Klimaschädlichkeit der Batterie auseinander. Diese ist bekanntermaßen das größte Bauteil in einem Elektroauto, sowie ausschlaggebend für den Preis. Gerade aufgrund der verwendeten Materialien wie Lithium, Kobalt, und anderer seltener Rohstoffe ist die Herstellung des Lithium-Ionen-Akkus alles andere als schonend für die Umwelt. Anfang Januar hat das Öko-Institut bis 2030 einen erheblichen Anstieg der Nachfrage für Lithium, Kobalt und Nickel prophezeit.

Laut der Doku verursacht die Herstellung eines 100-kWh-Akkus, notwendig für eine Reichweite von rund 400 Kilometer, eine Klimabelastung von 15 bis 20 Tonnen Kohlendioxid. Ein Wert, für den ein 6-Liter Mittelklassewagen mit Benzin- oder Dieselmotor bis zu 100.000 Kilometer weit fahren kann. Eine Aussage, welche man so nicht einfach stehen lassen kann. Vor allem, da sich Edison im März 2019 ausführlich mit dem Thema beschäftigt hat.

Diese haben aufgezeigt, dass in einem durchschnittlichen Elektroauto 15 Kilogramm Lithium stecken, was Berechnen von Edison zufolge einem Sole-Verbrauch von irgendwo zwischen 6000 Litern im besten und im ungünstigsten Fall von rund 30.000 Litern entspricht. Die selbe Menge Treibstoff verbraucht ein Diesel oder Benziner während seiner Lebenszeit, inklusive aller negativen Begleiterscheinungen in der Gewinnung des fossilen Energieträgers: Verseuchte und zerstörte Umwelt in den Abbaugebieten, Ölkatastrophen, Unmengen an CO2 in der Atmosphäre.

Und die 21.000 Millionen Liter im Salar sind nur ein Dreißigstel der Menge Wasser, die im Lausitzer Braunkohlerevier täglich abgepumpt werden muss“, schreibt Edison. Da sei es „schwierig, lateinamerikanischen Staaten die Lithiumförderung vorzuwerfen.“

Hohe Umweltbelastung bei der Herstellung eines E-Autos

Forscher des Wuppertal Instituts für Klimaforschung sagen: Der ökologische Rucksack, also die Summe der Umweltbelastung durch alle bei der Herstellung verwendeten Materialien, ist bei der E-Mobilität im Vergleich zu Verbrennungsmotoren doppelt so hoch.

Ob man die Aussage einfach so hinnimmt oder doch einen Blick über den Tellerrand wagt, bleibt jedem selbst überlassen. Denn mittlerweile wurde auch bewiesen, dass bei gleichen Fahrzeugmodellen mit unterschiedlichem Antrieb die Klimabilanz der batteriebetriebenen E-Varianten bereits heute besser als die der entsprechenden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Darüber hinaus bieten die E-Fahrzeuge ein weiteres hohes CO2-Einsparpotential in allen Phasen des Produktzyklus.

Von entscheidender Bedeutung für die CO2-Emissionen ist darüber hinaus, ob die Antriebsenergie aus fossilen oder regenerativen Quellen gewonnen wird. Zu diesem Ergebnis kommt ein zertifiziertes „Life-Cycle-Assessment“ (LCA) des Volkswagen Golf, das die CO2 Emissionen der verschiedenen Fahrzeugversionen mit Elektromotor und Verbrennungsmotor vergleicht.

Auch der sich hartnäckig haltende Mythos, dass bei der Produktion eines Elektroauto-Akkus 17 Tonnen CO2 freigesetzt werden, wurde mittlerweile mehr als einmal widerlegt. Denn dass dies so nicht stimmt, sagten die unfreiwilligen Urheber dieses Mythos bereits, als er in den Medien verbreitet wurde, das war vor etwa eineinhalb Jahren.

Nichtsdestotrotz ist sicherlich ein richtiger Weg, Mobilität umweltfreundlicher zu gestalten, den Individualverkehr zu reduzieren und den öffentlichen Nahverkehr zu stärken.

Alternative zum Verbrenner und E-Auto

Mobilität sei der Kraftstoff für eine erfolgreiche Wirtschaft und müsse einen Beitrag für saubere Luft leisten, sagte Verkehrsminister Scheuer erst kürzlich. Die Deutschen seien im Marketing nicht die besten, aber als Ingenieure. „Darum geht es: Was bedeutet Mobilität von morgen?“, sagte der Minister. Dabei sei Mobilität sektorübergreifend zu verstehen. Individualverkehr werde künftig ersetzt durch individuelle Mobilität, digital und verkehrsträgerübergreifend.

Mit der ersten Fahrt auf einer öffentlichen Straße stellen MOIA, der Mobilitätsdienstleister des Volkswagen Konzerns, die Stadt Hamburg und die HOCHBAHN die neuen vollelektrischen Fahrzeuge vor, welche teil einer solchen Lösung sein könnten. Aber auch Carsharing im Allgemeinen kann hierzu beitragen.

ZDF HD: planet e Der wahre Preis der Elektroautos

Zur Einstimmung auf die TV-Dokumentation haben wir zuvor eine andere Doku des ZDF eingebunden, welches sich mit dem „wahren“ Preis des E-Autos beschäftigt und im vergangenen Jahr bereits für Diskussionen gesorgt hat.

„Elektromobilität gilt als Heilsbringer: umweltfreundlich, sauber, nachhaltig. Doch die notwendigen Rohstoffe für die Akkus sind knapp und stammen oft aus problematischen Quellen. Besonders die Rohstoffe Lithium und Kobalt machen Probleme. In Südamerika werden immer mehr Fabriken in ökologisch sensiblen Regionen hochgezogen. Sie verursachen schwere Umweltschäden. Im Kongo fördern Arbeiter oft unter unmenschlichen Bedingungen Kobalt.“

Quelle: Das Erste – Die Story im Ersten: Kann das Elektroauto die Umwelt retten?

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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