Tesla: Datenschutzbedenken wachsen

Tesla: Datenschutzbedenken wachsen
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die Frage des Datenschutzes ist in Europa und besonders in Deutschland ein stets aktuelles Thema. Während Tech-Konzerne mit strengen Regulierungen konfrontiert sind, scheint es eine große Lücke im Bewusstsein zu geben, wenn es um Fahrzeuge geht.

Die Mozilla-Stiftung hat kürzlich eine Untersuchung von Infotainmentsystemen verschiedener Autohersteller durchgeführt. Die Ergebnisse waren alarmierend. Nach ihren Erkenntnissen sind Autos hinsichtlich der Privatsphäre problematisch: 84 Prozent der überprüften Hersteller übermitteln oder veräußern demnach Daten an externe Anbieter. Ein noch höherer Anteil, nämlich 92 Prozent, erlaubt den Autobesitzern nicht, ihre eigenen Daten zu überwachen oder zu kontrollieren.

Mozilla-Studie: Autos als Datenkraken

Tesla, der Pionier im Bereich der Elektroautos, hat in dieser Studie besonders schlechte Ergebnisse erzielt. Das Unternehmen verwendet nicht nur Kameras zur Datenerfassung, sondern nutzt diese Daten auch, um seine eigenen künstlichen Intelligenzsysteme zu trainieren. Während dies heute einzigartig für Tesla zu sein scheint, könnten ähnliche Praktiken bald zur Norm werden. Denn mit der Zunahme teilautonomer Fahrzeuge wächst auch der Bedarf an Datenverarbeitung durch KI-Systeme.

Obwohl die Mozilla-Studie hauptsächlich den US-amerikanischen Markt sondiert, wo der Datenschutz bekanntlich lockerer ist als in der EU, sind auch die europäischen Datenschutzgesetze nicht unfehlbar. Ein besonderes Anliegen sind die sogenannten Telematik-Tarife von Versicherungsunternehmen. In solchen Fällen rüsten die Kunden ihre Autos mit einer sogenannten Blackbox aus, die diverse Fahrparameter misst, von der Geschwindigkeit bis hin zum Bremsverhalten. Das Versprechen: sicheres, faires, vorausschauendes Fahren kann zu niedrigeren Versicherungsprämien führen. Aber es gibt einen Haken: Einige dieser Daten können direkt zu den individuellen Fahrern zurückverfolgt werden.

Es ist erstaunlich, welche Menge und Art von Daten von modernen Fahrzeugen erfasst wird. Alles, von der Nutzung bestimmter Apps im Infotainmentsystem bis hin zur Häufigkeit und Art der Bremsung des Fahrzeugs, wird aufgezeichnet. Zwar sind Autohersteller grundsätzlich an die Datenschutzrichtlinien der EU gebunden, es gibt jedoch Grauzonen. In vielen Fällen stimmen die Kunden einer umfangreicheren Datenerfassung zu, ohne dies zu realisieren, und ziehen oft den Kürzeren, wenn sie versuchen, dem zu widersprechen.

Blackbox im Auto: Segen oder Fluch?

Tesla informiert etwa die Kunden, dass das Ablehnen bestimmter Datenerfassungspraktiken dazu führen kann, dass viele Funktionen des Fahrzeugs deaktiviert werden, einschließlich wichtiger Updates und App-Zugriffe. Und diese Praxis ist nicht auf Tesla beschränkt; sie ist weit verbreitet in der gesamten Branche.

Es ist wichtig, dass Autokäufer sich der immensen Datenmengen bewusst sind, die von ihren Fahrzeugen erfasst und weitergeleitet werden. In der idealen Welt würden Autohersteller den Kunden mehr Autonomie und Kontrolle über ihre eigenen Daten geben. Für diejenigen, die eine vollständige Datenschutzgarantie suchen, scheint der Rat von Don Dahlmann zumindest vorerst klar zu sein: Es könnte an der Zeit sein, in einen Oldtimer zu investieren.

Quelle: Gruenderszene.de – Wem seine Daten heilig sind, kauft keinen Tesla

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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