Streit um EU-Pläne zum Laden an Supermärkten

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Daniel Krenzer
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Die Europäische Union will mit neuen Vorgaben den Ausbau von Ladeinfrastruktur für Elektroautos an Märkten in den Mitgliedsstaaten deutlich beschleunigen. Die Händler wehren sich aber mitunter massiv gegen die Ideen der EU, der Handelsverband Deutschland (HDE) hat sich nun in einem offenen Brief an die Bundesregierung gewandt. Darüber berichtet die Wirtschaftswoche.

Die Vorschläge der Europäischen Union klingen im Sinne der Elektromobilität erst einmal sehr gut: Bei Parkplätzen von neuen und zu renovierenden Nichtwohngebäuden soll jeder fünfte Stellplatz mit einer Ladesäule ausgestattet, alle übrigen Parkplätze müssten passend verkabelt werden. Bei Bestandsimmobilien soll indes jeder zehnte Parkplatz mit einem Ladepunkt ausgestattet werden.

Dass eine Pflicht zum Aufbau von Ladeinfrastruktur vorgesehen ist, ist in Deutschland nichts Neues, allerdings geht die EU in ihrem Vorschlag in einigen Details deutlich weiter. So sieht das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (Geig) vor, dass bei neuen Nichtwohngebäuden mindestens jeder dritte Stellplatz mit der Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität ausgestattet wird und zusätzlich mindestens ein funktionierender Ladepunkt errichtet wird. Auch bei mehr als 20 Stellplätzen gilt für Bestandsgebäude ab 2025 eine Pflicht zur Errichtung mindestens eines Ladepunktes – allerdings gibt es dafür derzeit noch eine Reihe von Ausnahmen.

„Die geplanten Zielvorgaben stellen besonders den Einzelhandel mit seinen umfassenden Parkflächen vor immense Herausforderungen, die geradezu realitätsfern sind“, kritisiert nun der HDE, unter anderem haben Geschäftsführer von den meisten großen Lebensmittelhändlern, aber auch des schwedischen Möbelhauses Ikea unterschrieben. Die Umsetzung der Vorgaben würde alleine schon an den fehlenden Netzanschlüssen scheitern, heißt es. Der von der EU angedachte Ausbau gehe am Bedarf vorbei. „Wenn das geschieht, kann man das kaum anders umschreiben als ein staatlich initiiertes Programm zum Aufbau von Elektroschrott“, kritisiert der Verband.

Vier Milliarden Euro Investitionsbedarf

Bei der Anpassung von durchschnittlichen Bestands-Parkplätzen an Märkten sei mit einem Kostenaufwand von 135.000 Euro zu rechnen, bei neu gebauten Parkplätzen sei der finanzielle Aufwand sogar doppelt so hoch – exklusive der Kosten für die Vorverkabelung. „Hochgerechnet bedeutet das, dass allein für den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ein sofortiges Investitionsvolumen von rund vier Milliarden Euro anfallen würde, nur im Bestand“, schreibt der HDE. Man bekenne sich zwar zur Mobilitätswende, solche Zusatzinvestitionen seien derzeit wirtschaftlich aber nicht darstellbar.

Der Handelsverband rät dazu, statt auf Quantität bei Ladepunkten auf Qualität zu setzen, also deutlich weniger Ladepunkte mit dafür höherer Ladeleistung anzubieten. Schnellladesäulen seien für die Kunden am Ende deutlich sinnvoller – und für den Handel zudem die wesentlich günstigere Lösung. Die Errichtung einer Schnellladesäule kostet laut Schreiben aktuell etwa 30.000 Euro. Die Mobilitätswende gelinge laut HDE nur, „wenn hier im unternehmerischen Sinne die richtigen Anreize für die notwendigen Investitionen gesetzt werden“.

Quelle: Wirtschaftswoche – „Staatlich initiiertes Programm zum Aufbau von Elektroschrott“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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