RWE integriert weiteren 100-MW-Elektrolyseur und Wasserstoff-Tankstelle in Lingen

RWE integriert weiteren 100-MW-Elektrolyseur und Wasserstoff-Tankstelle in Lingen
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RWE

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Der deutsche Elektrolyse-Spezialist Sunfire hat einen Großauftrag für einen industriellen 100-MW-Elektrolyseur für Wasserstoff am RWE-Standort in Lingen erhalten. Mit der Ausweitung der Zusammenarbeit unterstreicht Sunfire seine Position als wichtiger Partner für die Umsetzung von Großprojekten und leistet einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie. Der Auftrag erfolgt wenige Tage nach der finalen Investitionsentscheidung von RWE für das bislang größte Wasserstoffprojekt des Energieunternehmens, so RWE und Sunfire in aktuellen Mitteilungen. Außerdem baut RWE an dem Standort nun auch eine Wasserstoff-Tankstelle auf.

Für den Auftrag werde Sunfire insgesamt zehn Module seiner Druck-Alkali-Technologie mit einer Leistung von jeweils 10 Megawatt an RWE liefern. Damit werde der Elektrolyseur ein Drittel der Produktionskapazität der 300-Megawatt-Anlage von RWE bereitstellen. Zusätzlich übernimmt Sunfire die Installation und Inbetriebnahme des 100-MW-Elektrolyseurs, der Ende 2027 in Betrieb gehen soll. Die Anlage könne dann bis zu zwei Tonnen grünen Wasserstoff pro Stunde erzeugen, der überwiegend für Industriekunden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bestimmt sei. Die zwei weiteren der drei geplanten Elektrolyseure mit je 100 MW Leistung hatte RWE bereits 2022 bei Linde Engineering und dem Elektrolyse-Hersteller ITM Power bestellt.

Nils Aldag, CEO von Sunfire, unterstreicht die Bedeutung des neuen Auftrags für sein Unternehmen: „Mit der Realisierung von Großprojekten wie dem 100-MW-Auftrag von RWE unterstreicht Sunfire seine Führungsposition gleich doppelt. Sunfire gehört zu den wenigen Unternehmen weltweit, die bereits heute Elektrolyseure im industriellen Maßstab bereitstellen können. Mit unserem Auftragsbestand von über 800 MW sind wir ein favorisierter Partner für Großprojekte.“

Dr. Sopna Sury, COO Hydrogen bei RWE Generation SE: „Nachdem Sunfire für unsere Pilot-Elektrolyse in Lingen bereits einen Elektrolyseur stellt, freuen wir uns, diese Zusammenarbeit jetzt im Rahmen des GET H2 Nukleus fortzusetzen. Mit Sunfires Elektrolyse erreicht der GET H2 Nukleus 2027 seine volle Erzeugungskapazität. Zugleich erweitern wir damit unser Technologieportfolio um eine Alkali-Elektrolyse im dreistelligen Megawatt-Bereich.“

Starkes Signal für grünen Wasserstoff in der Industrie

Der 100-MW-Elektrolyseur von Sunfire ist ein zentraler Bestandteil des Projekts GET H2 Nukleus am RWE-Wasserstoffstandort Lingen. Die Beauftragung von Sunfire erfolgt im Rahmen der dritten Baulinie und erhöht die Erzeugungsleistung auf 300 MW. Erst vor wenigen Wochen hatten das Energieunternehmen und der Elektrolyse-Spezialist die Inbetriebnahme eines 10-MW-Alkali-Elektrolyseurs in Lingen gefeiert. Dabei waren auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil zu Gast.

Insgesamt hat RWE aktuell 14 MW Elektrolysekapazität im Gaskraftwerk installiert, damit gehören die Anlagen auf dem Gelände des Gaskraftwerks Emsland zu den größten in Betrieb befindlichen Elektrolyseuren in Deutschland.

Auch eine Wasserstoff-Tankstelle gehört zum Konzept

RWE und die Westfalen Gruppe haben in Lingen auch schon mit den Arbeiten für den Bau einer Tankstelle begonnen, die vor Ort erzeugten Wasserstoff abgeben werde. Der H2 Filling Hub Lingen umfasst einer Mitteilung von RWE zufolge eine öffentliche Wasserstoff-Tankstelle am Haupttor des Gaskraftwerks und eine weitere, nicht öffentlich zugängliche Abfüllstation für Tankfahrzeuge. Die Tankstelle könne pro Tag bis zu 500 Kilogramm Wasserstoff bereitstellen. Zur Einordnung: Ein Brennstoffzellen-Lkw verbraucht bis zu 10 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer. Die Gesamtanlage kann über 2500 Kilogramm Wasserstoff am Tag verarbeiten.

Die öffentliche Wasserstoff-Tankstelle richtet sich demnach an Betreiber und Fahrer von wasserstoffbetriebenen Lkws, Abfallsammelfahrzeugen und Bussen sowie Wasserstoffautos. Die Abfüllstation wiederum ermögliche es Unternehmen, die einen Abnahmevertrag mit RWE abschließen, ab Mitte 2025 Wasserstoff mit Tankanhängern abzuholen und zu ihren Einsatzstandorten zu transportieren. Der Verkauf erster Mengen sei bereits angelaufen.

Wasserstoff-Tankstelle-Lingen
RWE

Die Wasserstoff-Tankstelle und -Abfüllstation wird laut RWE im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie mit insgesamt 6 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert. Fördermittel dieser Maßnahme werden auch im Rahmen des Deutschen Aufbau- und Resilienzplans (DARP) über die europäischen Aufbau- und Resilienzfazilitäten (ARF) im Programm NextGenerationEU bereitgestellt. Die Förderrichtlinie wird von der NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt rund 18 Millionen Euro

RWE und die Westfalen Gruppe entwickeln und bauen die Anlage gemeinsam: RWE wird Eigentümerin, während Westfalen den Betrieb übernimmt. Die Anlage in Lingen ist das erste gemeinsame Vorhaben der beiden Partner. Für den weiteren Aufbau des Wasserstoff-Tankstellennetzes ausgehend von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben RWE und die Westfalen Gruppe ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Two4H2 gegründet.

Quelle: Sunfire – Pressemitteilungen vom 12.08.2024 und 11.09.2024 / RWE – Pressemitteilungen vom 06.08.2024 und 11.09.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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